Süddeutsche Zeitung

Metro:Ein Milliardär mit glücklichem Händchen

  • Zwei Osteuropäer wollen die Metro AG komplett übernehmen. Deren Vorstand lehnte ein erstes Angebot am Sonntag als zu gering ab.
  • Der Düsseldorfer Handelskonzern mit weltweit 150 000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 36 Milliarden Euro kriselt seit Jahren und galt als unverkäuflich.
  • Der Poker um Metro wird die Branche wohl einige Zeit beschäftigen - aber wohl kaum zu einer Übernahmeschlacht ausarten.

Ausgerechnet um die seit Jahren kriselnde und als unverkäuflich geltende Metro AG zeichnet sich nun ein Poker ab, der die Branche wohl einige Zeit beschäftigen wird. Der Düsseldorfer Handelskonzern mit weltweit 150 000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 36 Milliarden Euro hat Kaufinteressenten gefunden: Zwei Osteuropäer, der Tscheche Daniel Křetínský und sein Partner, der Slowake Patrik Tkáč, wollen die Metro komplett übernehmen. Die mehrheitlich im Besitz von Křetínský befindliche Investmentholding EP Global Commerce VI GmbH mit Sitz in Grünwald bei München gab am Freitagabend ein Angebot zum Kauf sämtlicher Stamm- und Vorzugsaktien der Metro ab.

Křetínský hat damit seine Ankündigung, Metro kaufen zu wollen, wahr gemacht. Für die Stammaktien bietet die Holding 16 Euro pro Stück, für die Vorzugsaktien 13,80 Euro. Damit wird die Metro mit 5,8 Milliarden Euro bewertet. Der Metro-Vorstand lehnte das Angebot am Sonntag als zu gering ab.

In einer Pressemitteilung hieß es, der Unternehmenswert der Metro sei mit dieser Offerte "erheblich unterbewertet". Den Aktionären riet das Unternehmen, bis auf Weiteres still zu halten und Křetínský keine Aktien zu verkaufen.

Digitaler Lebensmittelspezialist für Großkunden

Der ganze Vorgang wirft einige Fragen auf. Die wichtigsten davon lauten: Was hat Křetínský mit der Metro vor, warum tut er das? Es scheint attraktivere Übernahmeziele zu geben. Andererseits lässt aufhorchen: Křetínský hat bisher mit seinen Investments stets ein glückliches Händchen bewiesen. Dank der Privatisierung der Energiekonzerne in seiner Heimat ist der heute 43-Jährige zum Milliardär geworden. Auch mit dem Einstieg in die ostdeutsche Braunkohle, für die sich lange kein Käufer fand, hat er viel Geld verdient. Jetzt also die Metro. Selbst Fachleute in der Branche fragen sich, was er mit dem Koloss Metro beabsichtigt. Der Konzern verdient gemessen am Umsatz nur sehr wenig Geld, ihn auf Vordermann zu bringen, würde Millionen kosten.

Křetínský will aber laut Pressemitteilung vom Freitag nur wenig ändern. Mitarbeiter, Gewerkschaften und Betriebsräte umgarnt er. Auch die grundsätzliche Strategie des Unternehmens entspricht eigentlich genau seinen Vorstellungen. Demnach soll die Metro zu einem digitalen Lebensmittelspezialisten für Großkunden und Lieferanten für Sterne-Restaurants, Hotels, Caterer und Kantinen in Europa werden. Das findet Křetínský ebenso gut wie den Rückzug aus China. Nur mit dem Vorstand, sprich: Metro-Chef Olaf Koch, hadert er, übt aber keine Fundamentalkritik an ihm.

Der Umbau des Konzerns dauert Křetínský schlicht zu lange, das kreidet er Koch aber nur bedingt persönlich an. Die vier Großaktionäre Haniel, Schmidt-Ruthenbeck, Beisheim und der Elektronikhändler Ceconomy, von dem sich Metro vor zwei Jahren trennte, sind nicht bereit, in die Metro zu investieren. Das erschwert Koch den Umbau, das weiß auch Křetínský. Der Tscheche meint, wenn er erst einmal allein am Ruder sei, würde sich die Transformation beschleunigen und Metro zu alter Stärke finden.

Neue Hoffnung für Kaufland

Was Křetínský Koch vorwirft, ist, dass er es bisher nicht geschafft hat, die rund 280 Real-Märkte, die noch zum Metro-Reich gehören, endlich zu verkaufen. Den Verkauf hatte Koch im September bekanntgegeben. Den Plänen zufolge hätte er längst vollzogen sein sollen. Doch noch ist nichts geklärt.

Metro führt seit Anfang Mai Exklusivgespräche mit dem Immobilienentwickler Redos. Die sollen noch bis Ende Juli gehen. Ob dann ein Vertrag abgeschlossen sein wird, steht nicht fest. Der Anfang Mai überraschend von Metro ausgebootete, ursprüngliche Favorit für die Real-Übernahme, ein Konsortium rund um Kaufland, meldet sich unterdessen zurück. Kaufland, die Kette der Schwarz-Gruppe, der auch der Discounter Lidl gehört, würde am liebsten 100 bis 120 Real-Märkte übernehmen. Ein Sprecher des Konsortiums bestätigte das am Sonntag nochmals: "Das Konsortium ist weiterhin offen für Gespräche." Kaufland schöpft nach Křetínskýs Vorstoß neue Hoffnung.

Der Druck auf Koch hingegen, Real endlich abzustoßen, erhöht sich. Ausdruck der Nervosität war eben die Pressemitteilung, die Metro am Sonntag, keine 48 Stunden nach Křetínskýs Angebot, verschickte mit der klaren Absage. Ein Unternehmenssprecher sagte, die Mitteilung sei mit dem Aufsichtsratschef Jürgen Steinemann abgesprochen gewesen.

Steinemann war noch von dem ehemaligen Großaktionär Haniel eingesetzt worden. Der Private-Equity-Investor Haniel hat sich aber mit Křetínský nach dessen Aussage auf die 16 Euro geeinigt. Für Koch entspricht der Preis jedoch lediglich einem Aufschlag von drei Prozent im Vergleich zum Schlusskurs vom vergangenen Freitag.

Křetínskýs Mannen in Deutschland lassen hingegen wissen, so könne man nicht rechnen. Der Aufpreis betrage 34,5 Prozent im Vergleich zum Kurs von August 2018, als Křetínský erstmals Metro-Aktien kaufte, nämlich 7,3 Prozent von Haniel. Inzwischen besitzt er knapp 17 Prozent und zudem eine weitere Option auf 15,2 Prozent, den restlichen Anteil von Haniel. Den erhält er aber nur, wenn er die Schwelle von 75 Prozent aller Stimmrechte überschritten hat. Für Křetínský wird es in den kommenden Tagen daher maßgeblich darauf ankommen, wie sich die anderen Großaktionäre verhalten: die Meridian Stiftung der Familie Schmidt-Ruthenbeck (Anteil: 14,19 Prozent) und die Beisheim Holding (6,56 Prozent).

Anfang dieser Woche wird Křetínský sein Angebot der Finanzaufsicht Bafin schicken. Die hat zehn Tage Zeit, es zu prüfen. Danach wird Metro eine diesmal tiefer gehende Stellungnahme abgeben. Zu einer Übernahmeschlacht wird es kaum kommen. Zöge sich Křetínský wieder zurück, würde der Aktienkurs wohl wieder stark sinken. Denn ein anderer Käufer wird sich kaum finden lassen.

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Quelle:
SZ vom 24.06.2019
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