Süddeutsche Zeitung

Johann Schneider-Ammann:Ein Minister bringt sein ganzes Land zum Lachen

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Der Schweizer Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann ist berüchtigt für amüsante Auftritte in der Öffentlichkeit. Nun hat er wieder zugeschlagen.

Von Charlotte Theile, Zürich

Es gibt nur wenige Schweizer Politiker, die es zu internationaler Bekanntheit gebracht haben. Der aktuelle Wirtschaftsminister, Johann Schneider-Ammann (FDP), ist einer von ihnen. Auch im Ausland ist er vielen Menschen ein Begriff. Auf den ersten Blick ist das überraschend: Der Bundesrat ist ein zurückhaltender Mann. Schon bei kleineren Auftritten im Inland fühlt er sich erkennbar unwohl.

Besonders deutlich wird das in einem kurzen Video, das Schneider-Ammann, damals Bundespräsident der Schweiz, im März 2016 aufzeichnete. Mit todernstem Gesichtsausdruck (und ziemlich angestrengtem Französisch) spricht der liberale Politiker zum "Tag der Kranken" über den Wert des Lachens. Lachen sei gut für die Gesundheit, sagt Schneider-Ammann, "wie ich haben Sie diese Erfahrung sicher schon machen dürfen". Nichts scheint dem Mann in diesem Moment ferner zu liegen als auch nur die Andeutung eines Lächelns.

Dementsprechend fielen die Reaktionen aus: Die Aussage sei "in etwa so lustig wie ein Bestattungsunternehmer", hieß es bei einem französischen TV-Sender - und das war noch eine der freundlicheren Rückmeldungen. Die kleine Sequenz hat Schneider-Ammann bis in die amerikanische Comedysendung "Last Week Tonight" von John Oliver gebracht, wo gleich auch noch der "Tag der Kranken" und dessen missverständliches Logo auseinandergenommen wurden. Selbst Barack Obama hatte das Video gesehen. Er kenne ihn aus dem Internet, verriet er Schneider-Ammann bei dessen Besuch in Washington.

Nun hat der Schweizer seinen Online-Ruhm um ein neues Kapitel erweitert. Für die Schweizer TV-Sendung "Donnschtig Jass" (Donnschtig heißt Donnerstag, Jass ist der Name eines Kartenspiels) musste der 65-Jährige so richtig in die Vollen gehen. Eine Publikumswette beförderte ihn auf eine Gerätschaft, die wahlweise "Panzer-Rollstuhl" oder "Super-Rollstuhl" genannt wird - ein fahrbarer Untersatz mit Kettenlaufwerk, auf dem der Bundesrat festgeschnallt wurde und dann durch einen Geschicklichkeits-Parcours kurvte. Er trug dabei einen schwarzen Helm, mit orangefarbenen Streifen.

Obwohl die Sendung erst am heutigen Donnerstag ausgestrahlt wird, gingen die Bilder vom Wirtschaftsminister im Panzer-Rollstuhl durch die Medien. Die Boulevardzeitung Blick verpasste ihm auch gleich einen Spitznamen, der wohl nicht als Kompliment gemeint war: "Johann Fighter Ammann". Der in Zürich erscheinende Tages-Anzeiger fragte, wie peinlich Bundesräte sein dürften - und wo die Grenze zwischen Volksnähe und Fremdschämen verlaufe. Die traditionell unprätentiös auftretenden Mitglieder der siebenköpfigen Regierung fallen immer mal wieder durch etwas zu große Nähe zum ganz normalen Bürger auf - etwa wenn Verteidigungsminister Guy Parmelin in schlecht sitzenden kurzen Hosen an der traditionellen Sommerreise des Bundesrats teilnimmt. Oder: Wenn die Regierung, wie 2010 geschehen, in bunten Farben ein abstraktes Kunstwerk schafft. Verkehrsministerin Doris Leuthard fand es damals "schön farbig", der heutige Finanzminister Ueli Maurer sprach gar von einem "kreativen Akt des Bundesrates". Die Bürger sahen ihre Regierung vor einem rätselhaften Gebilde aus grüner, gelber und blauer Farbe stehen und fragten sich, was in die sonst so nüchternen Herrschaften gefahren sein könnte.

Johann Fighter Ammann war zu diesem Zeitpunkt noch kein Bundesratsmitglied, er stieß erst einige Monate später zu dem kleinen Kollegium dazu. Und eines muss man ihm lassen: Seither hat er die Schweizer (und nicht nur die) immer wieder zu herzhaftem, gesundheitsfördernden Lachen animiert.

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SZ vom 10.08.2017/jps
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