Süddeutsche Zeitung

Hochbewertetes Start-up:Tiktok, wir kommen

Der chinesische Software-Entwickler Bytedance, bekannt für die App Tiktok, will offenbar an die Börse.

Von Maximilian Helmes

Das Rückgrat der jüngeren Internetkultur sind ohne Frage die sogenannten Memes. Das sind Mini-Montagen von Bildern, kurzen Animationen, Texten oder Videos, die so aus dem Kontext gerissen sind, dass sie eine neue Aussage treffen - auf humoristische Weise bis hin zur satirischen Gesellschaftskritik. Viele dieser Memes entstehen heutzutage auf der App Tiktok, die Nutzer schon im Februar eine Milliarde Mal heruntergeladen hatten. Allein in Deutschland kommt der Dienst auf vier Millionen regelmäßige Nutzer, weltweit sind es mehr als eine halbe Milliarde.

Eine weltweite Strategie verfolgt die Softwareschmiede Bytedance, die Tiktok entwickelt hatte, einem Bericht der Financial Times zufolge nicht nur bei den Nutzerzahlen, sondern auch bei der Finanzierung. Laut der britischen Zeitung habe Bytedance für das erste Quartal 2020 einen Börsengang in Hongkong geplant.

Bytedance dementierte den Bericht. Es sei doch unwahrscheinlich, dass sich das Unternehmen mitten in einem bitteren Handelskrieg und zunehmender Prüfungen chinesischer Unternehmen durch die US-Regierung in einen Börsengang stürze, teilte das Unternehmen mit. Langfristig ändere sich diese Perspektive jedoch laut Medienberichten. Dem Nachrichtendienst Bloomberg nannte ein Insider die zweite Jahreshälfte 2020 als den frühestmöglichen Zeitpunkt für einen Börsengang. Ein so komplexes Angebot für einen Börsengang zu erstellen dauere oft mehrere Monate und Bytedance habe bisher weder einen Finanzchef noch Investmentbanker engagiert, die sich darum kümmerten.

Auch wenn noch die Voraussetzungen für die Umsetzung eines Börsengang fehlen, beginnt das Unternehmen bereits damit sich börsenreifer aufzustellen. Aktuell gilt Bytedance mit einer Bewertung von 75 Milliarden Dollar als das wertvollste Start-up der Welt und die Insider halten einen Börsengang langfristig für notwendig. Die Tiktok-Mutter konzentriere sich bereits jetzt darauf, Mitarbeiter einzustellen, um international besser agieren zu können. So stellte das Pekinger Unternehmen neue Führungskräfte ein, um sein Geschäft in den USA und Indien zu leiten. Dazu kommen Erweiterungspläne der Teams in Australien und Europa. Gleichzeitig sucht Bytedance potenzielle Käufer für wenig ertragreiche Geschäftsbereiche wie den US-Nachrichtendienst Topbuzz.

Die Diskussionen über den möglichen Börsengang kommen zu einer Zeit, in der Bytedance nach neuen Quellen für Wachstum sucht, denn international gehen die Downloadzahlen von Tiktok leicht zurück. Mit den neuen Mitarbeitern, angeheuert für den Börsengang, könnte das Unternehmen neue Wachstumsimpulse bekommen. Als mögliche Handelsplätze gelten vor allem New York oder Hongkong.

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Quelle:
SZ vom 30.10.2019
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