Süddeutsche Zeitung

Coronavirus:Hilfe für daheim im Erkrankungsfall

Wenn Eltern schwer an Corona erkranken, können sie Anspruch auf eine Haushaltshilfe haben. Die kann dann die Kinder betreuen - sofern sich denn jemand für den Job findet.

Das Coronavirus fordert Eltern besonders. Weil Schulen, Tagesstätten und Freizeitangebote geschlossen sind, müssen sie die Kinder betreuen. Sollten die Eltern schwer an dem Coronavirus erkranken, könnte eine Haushaltshilfe sie unterstützen. Das bietet beispielsweise die Caritas an. Sogenannte Familienpflegerinnen oder Dorfhelferinnen halten den Alltag der Familien aufrecht, erklärt der Wohlfahrtsverband - inklusive der Kinderbetreuung.

Die Kosten dieser Leistung kann von der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) übernommen werden, sofern die Eltern nicht nur leichte Symptome des Coronavirus aufweisen. Ist eine Familie unter Quarantäne gestellt, aber nicht krank, steht ihr laut Caritas keine Haushaltshilfe zu. Einen Anspruch haben Eltern nur, wenn sie schwer erkrankt sind und deshalb den Haushalt nicht weiterführen können, erklärt auch der GKV-Spitzenverband, die Dachorganisation der Krankenkassen. Kann eine andere Person im Haushalt die Betreuung übernehmen, zahlt die Krankenkasse nicht.

Pflegedienste wollen niemanden in eine Familie schicken, die infiziert ist

Experten raten derzeit davon ab, die Kinder zu den Großeltern zu schicken, denn ältere Menschen gelten als besonders durch das Coronavirus gefährdet. Eltern sollten zunächst einen Arzt fragen, ob der Krankheitsverlauf so schwer ist, dass sie eine Haushaltshilfe brauchen, empfiehlt die Caritas.

Für einen Antrag auf eine Haushaltshilfe müssen sie sich dann an die Krankenkasse wenden. "Auch Träger der Kinder- und Jugendhilfe können in diesen Fällen einspringen, vor allem wenn es um einen längerfristigen Hilfebedarf mit einer intensiveren Betreuung geht", so der AOK-Bundesverband. Oberstes Ziel sei es, eine gute Lösung für die Kinder zu finden, ohne eine Infektion der Haushaltshilfe zu riskieren.

Sollten alle Erziehungsberechtigten im Krankenhaus liegen, sind die ersten Ansprechpartner laut der Krankenkasse DAK-Gesundheit die Sozialdienste der Krankenhäuser. Sie kontaktieren dann die Jugend-Sozialämter oder Krankenkassen. Nicht nur professionelle Dienste können unterstützen: "Viele wünschen sich eine vertraute Person aus dem persönlichen Umfeld", sagt eine Sprecherin der Barmer. Die Helferin oder der Helfer bekommen dann ihren Verdienstausfall oder Fahrkosten ersetzt.

Eine professionelle Haushaltshilfe zu finden, ist derzeit nicht leicht. "In der momentanen Situation ist schwer einzuschätzen, ob der Anspruch auf eine Haushaltshilfe praktisch überhaupt umsetzbar ist", sagt ein Berater der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland. Das Jugendamt müsse einspringen, wenn eine Haushaltshilfe aufgrund der aktuellen Situation nicht beschafft und auch eine anderweitige Betreuung der Kinder nicht gewährleistet werden kann.

Durch das Coronavirus stehen Pflegekräfte extrem unter Druck. "Wir bieten derzeit keine Haushaltshilfen in der Familienpflege an", sagt Oliver Krings, Geschäftsfeldleiter Ambulante Pflege der Pflegedienste Kuijpers. Der Dienst ist im Kreis Heinsberg aktiv, einer besonders vom Coronavirus betroffenen Region in Nordrhein-Westfalen. "Wir können keine Mitarbeiter in eine Familie schicken, die mit dem Coronavirus infiziert ist", sagt Krings. Der Pflegedienst arbeite vor allem mit älteren Menschen, das Risiko sei zu hoch.

Und was gilt für Privatversicherte? Haushaltshilfen gehören nicht zum Leistungsumfang einer privaten Krankenversicherung, erklärt der Verband der Privaten Krankenversicherung. Denn sie zählen nicht zu den medizinisch notwendigen Behandlungen. Trotzdem bieten auch manche private Krankenversicherer Unterstützung. Die Ergo-Tochter DKV bezahlt die Kinderbetreuung nicht, hilft jedoch bei der Organisation und Vermittlung von Dienstleistungen. Je nach Tarif und Krankheitsverlauf zahlt die Axa eine Haushaltshilfe für ihre Versicherten. Eine Nachfrage kann sich lohnen.

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SZ vom 26.03.2020/hgn
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