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Gehalt des Allianz-Chefs:Leiden auf hohem Niveau

Allianz-Chef Michael Diekmann bekommt fünf Millionen Euro - das sind nur vier Prozent mehr, obwohl der Gewinn des Versicherers deutlich gestiegen ist.

Die Öffentlichkeit mag Michael Diekmann eigentlich nicht. Große Fernsehauftritte des mächtigen Allianz-Chefs, Interviews oder ähnliches sind selten. Und wenn er mal im Rampenlicht steht - etwa bei der Eröffnung der Allianz-Arena vor zwei Jahren - wirkt er etwas hölzern und ungelenk. Er kann nicht verbergen, dass er sich dann nicht wohl fühlt.

Auch sein Privatleben schirmt der 52-Jährige hermetisch ab. Zurückhaltung ist bei der Allianz Pflicht, das gilt nicht nur für Diekmann, sondern auch für den Rest des Top-Managements.

Abzulesen ist das auch bei den Gehältern der Top-Manager, die in dem am Freitag erschienenen Geschäftsbericht des Allianz-Konzerns veröffentlicht sind. Zwar summiert sich die Vergütung für Diekmann alles in allem auf immer noch beachtliche fünf Millionen Euro.

Fast schon bescheiden

Doch im Vergleich etwa zu Josef Ackermann nimmt sich das fast schon bescheiden aus. Der Chef der Deutschen Bank, neben der Allianz und der Münchener Rück der dritte deutsche Finanzkonzern von Weltgeltung, hat nach eigenen Angaben Einkünfte von bis zu 15 Millionen Euro erzielt.

Zudem ist die Summe der Gesamtbezüge Diekmanns im vergangenen Jahr nur um etwa vier Prozent gestiegen. Dabei hat der Konzern unter seiner Führung Beachtliches geleistet.

Der Jahresgewinn ist unter dem Strich für 2006 um mehr als 50 Prozent auf sieben Milliarden Euro gestiegen. Das ist nicht nur für den Münchner Versicherer ein Rekord in der langen Unternehmensgeschichte. Das dürfte nach Schätzungen auch der höchste Gewinn sein, den je ein deutsches Unternehmen in einem Geschäftsjahr ausgewiesen hat.

Leistung muss sich nicht immer lohnen

Doch Leistung muss sich bei der Allianz nicht immer lohnen. Vorstand Paul Achleitner, der das milliardenschwere Beteiligungsportfolio der Allianz betreut und nicht unmaßgeblich zum Rekordgewinn beigetragen hat, muss sogar einen leichten Rückgang seiner Einkünfte hinnehmen - allerdings auf immer noch sehr hohem Niveau. Der quirlige Österreicher erhält gut 3,6 Millionen Euro.

Leiden auf hohem Niveau

Auch die Aufsichtsräte bekommen nicht mehr, ihre Vergütung stagniert. In der Summe kosten die Aufseher sogar künftig deutlich weniger. Im Zuge der Umfirmierung in eine Europa-AG wurde der Aufsichtsrat deutlich auf nur noch zwölf Mitglieder verkleinert.

Bonus übertrifft Fixgehalt deutlich

Das Gehalt des Allianz-Vorstands setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen. Die fixen Bezüge sind mit 700.000 Euro für alle zehn Vorstände gleich, nur Diekmann erhält 1,05 Millionen Euro. Dazu kommen Nebenleistungen und ein jährlicher Bonus, der das Fixgehalt deutlich übertrifft.

Ausgezahlt bekommt Diekmann damit etwa 3,3 Millionen Euro, das ist mehr als 2005. Zudem wurde ein dreijähriger Bonus von 2004 bis 2006 vereinbart, der in diesem Jahr fließen soll. Dazu kommen Aktienoptionen.

Dresdner-Bank-Chef verdient weniger

Verlierer ist Herbert Walter, Chef der Dresdner Bank und Konzernvorstand der Allianz. Seine Bezüge sanken deutlich um 13 Prozent. Im Vorjahr war er noch der Top-Verdiener und bekam sogar mehr als Konzernchef Diekmann.

Doch diese Zeiten sind vorbei. Diekmann dürfte trotzdem nicht der am besten bezahlte Allianz-Manager sein. Angeblich stehen einige Vermögensmanager bei Allianz Global Investors noch besser da. Und die Chefs von richtig gut gehenden Allianz-Versicherungsagenturen sollen angeblich auch nicht schlecht verdienen.

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SZ vom 17.03.07
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