Süddeutsche Zeitung

Finanz-Apps:Der Kampf um die Klicks

Konto-Apps nutzen die Bürger fast täglich. Auch die Versicherer wollen Kunden nun so an sich binden.

Kunden der Sparkasse Köln-Bonn greifen jährlich 120 mal mit einem Rechner auf ihr Konto zu, weitere 192 Mal mit einem Mobilgerät. In die Filiale gehen sie einmal pro Jahr. Von solchen Zahlen können die Versicherer nur träumen. Sie haben tolle Portale gebaut, Apps veröffentlicht und sind aktiv in sozialen Netzwerken - aber selten verirren sich Kunden auf ihre Plattformen. Die einzige Ausnahme: Programme, über die Kunden Arztrechnungen beim Krankenversicherer einreichen können, werden rege genutzt.

Reinhard Tahedl, Chef der Münchener Start-up-Gruppe Finconomy, will Abhilfe schaffen. Am Freitag hat er Finhome auf den Markt gebracht. Das Programm bietet den Nutzern über PC oder Smartphone einen aktuellen Überblick über den Finanzstatus, auch Überweisungen sind möglich. Die Lizenz verkauft Finconomy an Finanzvertriebe, Versicherer und Banken. Die stellen es ihren Kunden zur Verfügung.

"Sie sehen dann ihre Konten bei allen deutschen Banken, die Kreditkartenabrechnungen und die Wertpapierdepots, und sie haben einen Überblick über die Versicherungssituation", sagt Tahedl. "Dadurch erhalten die Versicherer oder Finanzvertriebe mehr Alltagsrelevanz."

Möglich ist das durch die EU-Zahlungsrichtlinie PSD II, die seit Juni 2018 in Kraft ist. Sie verpflichtet Banken, Kontodaten elektronisch auch Dritten zur Verfügung zu stellen, wenn der Kunde das will.

Es bleibt aber nicht beim einfachen Überblick - Finhome analysiert mit Zustimmung des Kunden die Kontodaten. "Durch künstliche Intelligenz wird das finanzielle Blutbild des Kunden ausgewertet", erläutert er. "Dadurch können alle lebensverändernden Umstände ausgewertet werden, von der Geburt eines Kindes über den Eintritt in den Beruf bis hin zu fälligen oder kündbaren Hypothekendarlehen." Auf dieser Basis werden die Kunden benachrichtigt ("Wir haben ein interessantes Angebot für Sie"), oder ein Vermittler bekommt einen Hinweis.

Tahedl hat bereits drei mittelgroße Finanzvertriebe als Kunden gewonnen, aber noch sind die Verträge nicht unterschrieben. Erfahrungen hatte Finconomy mit dem ähnlichen Angebot Treefin gemacht, das Tahedl 2017 an die Finanzgruppe Wüstenrot & Württembergische verkauft hat.

Finhome nutzt die sicheren Rechner des Steuerberaterverbundes Datev. "Der Datenschutz ist das größte Risiko bei diesem Geschäft", weiß Tahedl. "Wenn man Datenlücken zu verzeichnen hat, verzeiht der Endkunde das nie."

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Quelle:
SZ vom 11.02.2019
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