Süddeutsche Zeitung

Edelmetalle:Briten horten Gold

Die Exporte des Edelmetalls aus der Schweiz nach Großbritannien haben stark zugenommen.

Der Goldmarkt war seit jeher ein guter Krisenindikator. So mag es auch nicht überraschen, dass viele Briten nach dem Edelmetall greifen. Die Unsicherheit über die Modalitäten, wie der Brexit am Ende vollzogen wird, beunruhigt viele Bürger. Sie suchen Handfestes für ihr Geld, und zwar auch in der Schweiz. Die Exporte des Edelmetalls nach London waren im August so hoch wie seit sieben Jahren nicht mehr. Sie sind im August auf den höchsten Stand seit 2016 gestiegen, zeigen Zolldaten vom Freitag. Die höhere Nachfrage aus Großbritannien habe die jüngsten Rückgänge bei den Ausfuhren nach Asien ausgleichen können. Neben der Furcht vor einem No-Deal-Brexit treiben auch die Sorge um einen Wirtschaftseinbruch die Anleger in den sicheren Hafen Gold.

In den vergangenen zwölf Monaten ist der Preis für das Edelmetall um gut 20 Prozent auf knapp 1500 Dollar je Feinunze gestiegen. Die Gründe sind vielfältig. Da ist die Furcht vor einem eskalierenden Handelsstreit zwischen den USA und China. Da ist aber auch die lockere Geldpolitik der Notenbanken. Die Nullzinspolitik verschärfte den Druck auf die Anleiherenditen. Inzwischen notieren weltweit Anleihen im Wert von 16 Billionen Dollar im negativen Bereich. Das bedeutet: Investoren legen drauf, wenn sie Geld verleihen.

Die meisten Experten raten dieser Situation zum Aktieninvestment, doch auch kleine Goldanlagen sind eine Alternative. Das Edelmetall wirft zwar auch keine Zinsen ab, doch Anleger könnten von Preissteigerungen profitieren. Außerdem übt der Besitz von Gold eine große Faszination aus.

Das Edelmetall war lange Zeit ein gängiges Zahlungsmittel, heutzutage lagert man es in Form von Barren und Münzen im Tresor. Gold gilt vielen Menschen als sichere Rücklage für schlechte Zeiten. Als die Finanzkrise am schlimmsten tobte, standen die Sparer Schlange vor den Geldhäusern, um die knappe Ware zu kaufen. Entsprechend erhöhte sich der Preis für das Edelmetall in diesen Jahren am stärksten. Die Hausse dauerte bis 2011, damals erreichte der Preis für die Unze Feingold mit 1900 Dollar der bisherigen Höchstpreis. Gold fungiert als eine Art Währung der letzten Instanz, wenn sich Staaten in Abwertungskämpfe verstricken, um das Wachstum anzukurbeln.

In der Geschichte bewährte sich Gold auch als Inflationsschutz. "Tatsächlich hat sich dieser Zusammenhang in der Vergangenheit auch immer wieder bestätigt", sagt Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank Donner&Reuschel. "Zwischen 1972 und 1975 sowie um 1980 herum zog der Goldpreis von 50 auf 200 Dollar beziehungsweise von 200 auf 850 Dollar deutlich an", so der Experte. In beiden Zeiträumen seien auch die Verbraucherpreise um ein Vielfaches gestiegen.

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Quelle:
SZ vom 21.09.2019
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