Süddeutsche Zeitung

Deutsche Post: Klaus Zumwinkel:Verdacht auf hohle Phrasen

Post-Chef Zumwinkel droht ein tiefer Fall. Sollte sich der Verdacht auf Steuerhinterziehung bestätigen, wäre er jeder Glaubwürdigkeit beraubt.

Caspar Dohmen

Klaus Zumwinkel hat einen sehr guten Ruf zu verlieren. Einen ersten Kratzer hat dieser Ruf kürzlich schon bekommen, als der Post-Chef für Millionen Euro ein Aktienpaket verkaufte, nachdem zuvor der Kurs der Postaktien deutlich gestiegen waren. Der Grund: die Einführung des prohibitiv hohen Mindestlohns und damit die Zementierung des Quasimonopols für den Gelben Riesen.

Damals entschuldigte Zumwinkel dies mit Gedankenlosigkeit, angesichts der hohen Arbeitsbelastung habe er nicht genauer hingeschaut. Wohlmeinende Zeitgenossen vollzogen diese Argumentation gerne nach, entsprach ein gieriger Zumwinkel doch nicht ganz ihrem Bild vom peniblen, dienstältesten Chef eines Dax-Konzerns.

Keine Frage, Zumwinkel hat sich viele Meriten erworben - vor allem durch den Umbau der ehemaligen Bundesbehörde zu einem florierenden Logistikkonzern, der heute in der Weltspitze spielt. Umso trauriger, wenn Zumwinkel seinen guten geschäftlichen Ruf durch private Steuerhinterziehung ruinieren sollte.

Zumwinkel selbst hat die Fallhöhe vorgegeben. Schließlich hat er nie einen Hehl daraus gemacht, dass er als Erbe eines Millionenvermögens ein reicher Mann ist. Gerne koketierte er damit, dass er als Postchef anfangs weniger verdient habe als in seinem vorangegangenen Job als Quelle-Chef. Somit erweckte Zumwinkel immer den Eindruck, dass es ihm nicht auf das Geld, sondern die Sache ankomme.

Sollte sich der Verdacht der Steuerhinterziehung bestätigen, dann würde sich dies als eine hohle Phrase erweisen, zumal sich der Manager diesmal nicht mit einer Gedankenlosigkeit herausreden könnte. Schließlich soll sich die Steuerhinterziehung - über eine Liechtensteiner Stiftung - über Jahre erstreckt haben.

Wenn das wirklich stimmt - noch weiß man zu wenig über Beweise - dann wäre Zumwinkel völlig unglaubwürdig. Dann hätte der Bund als Großaktionär ein großes Problem. Dann müsste er, nach den vielen Dauerkalamitäten im Telekom-Konzern, auch bei der gelben Post handeln. Dann wäre Klaus Zumwinkel als Postchef untragbar.

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