Süddeutsche Zeitung

Computer-Bedienung:Das Ende der Maus

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Surfen per Fingerzeig oder gesprochene Befehle - die neuen Möglichkeiten zur Bedienung von Computern werden immer perfekter.

Helmut Martin-Jung

Ridley Scotts Filmklassiker "Alien" von 1979 spielt zwar in ferner Zukunft, aber der Bildschirm des Computers im Raumfrachter Nostromo leuchtet grün wie die textlastigen Computer der damaligen Zeit. Heute sind die Schirme farbig, doch bedient werden die meisten davon mit denselben Gerätschaften wie vor 15 oder 20 Jahren - mit Tastatur und Maus. Langsam beginnt sich das nun aber zu ändern.

Eine der erfolgreichsten elektronischen Neuentwicklungen der vergangenen Jahre, Apples iPhone, hat zwar eine Tastatur. Aber die ist nur virtuell auf dem Bildschirm abgebildet. Dieser reagiert nicht bloß auf Berührung, die Software des Gerätes interpretiert auch Gesten - das Zusammenziehen oder Spreizen zweier Finger beispielsweise verkleinert beziehungsweise vergrößert eine dargestellte Internetseite.

Klobiger Couchtisch

Was einem Telefon recht ist, soll einem Gerät, das von seinen Ausmaßen her eher an die Rechner längst vergangener Tage erinnert, billig sein. Aber Microsofts Computertisch Surface kann viel mehr. Was im ausgeschalteten Zustand aussieht wie ein etwas klobiger Couchtisch, entwickelt angeschaltet ungeahnte Möglichkeiten.

Kameras, die von unten her auf den Bildschirm blicken, erkennen Fingergesten mehrerer Benutzer, die damit beispielsweise durch Fotoalben blättern können, fast so als lägen die Bilder wirklich auf dem Tisch. Nur dass man sie dann nicht mit den Fingern größer ziehen könnte.

Doch das ist längst nicht alles. Weil in dem Tisch auch ein Computer mit einem Funkchip steckt, lassen sich damit zum Beispiel auch Bilder auf den Tisch übertragen - einfach indem man eine Kamera oder ein Handy auf dem Gerät ablegt. Auf Geräten, die bereits in Hotellobbys stehen, kann man in Stadtplänen nicht nur mit den Fingern reisen, sondern auch Zusatzinformationen abrufen, sich Touren zusammenstellen und am Ende ausdrucken.

Das Thema Gestensteuerung spielt auch im kommenden Betriebssystem von Microsoft, Windows7, eine große Rolle. Beim Websurfen reicht es dann, mit dem Finger nach links zu wischen, um zur vorherigen Seite zu gelangen. Noch einen Schritt weiter geht das Berliner Heinrich-Hertz-Institut. Die FraunhoferEinrichtung hat ein System namens iPoint3D entwickelt, das es möglich macht, Bildschirme zu bedienen, ohne sie auch nur berühren zu müssen.

Fingerbewegungen mit höchster Präzision

Eine Kameraeinheit, die an der Decke angebracht ist, erfasst Fingerbewegungen mit höchster Präzision und erlaubt so beispielsweise Informationsstände zu bauen, die vor Vandalismus geschützt sind und deren Oberflächen nicht von Tausenden Menschen betatscht werden müssen. Auch medizinische Geräte, bei denen es auf Keimfreiheit ankommt, könnten so bedient werden, sagt der verantwortliche Forscher Paul Chojecki.

Wie das in der Realität aussieht, wird das Fernsehpublikum schon bald erleben können: Ein TV-Koch hat es sich für seine Show bestellt. Fortschritte macht auch die Spracherkennung. Computer für Zuhause lassen sich jetzt schon über mündliche Befehle steuern, zu einer wirklichen Unterhaltung mit dem PC wird es allerdings so schnell noch nicht kommen.

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Quelle:
SZ vom 23.03.2009/mri
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