Süddeutsche Zeitung

Bundesverband der Deutschen Industrie:BDI-Präsident Keitel schlägt Ulrich Grillo als Nachfolger vor

Lesezeit: 2 min

Wechsel an der Spitze des Bundesverbandes der Deutschen Industrie: Präsident Hans-Peter Keitel tritt entgegen mancher Spekulationen nicht wieder an, sondern schlägt Vizepräsident Ulrich Grillo als seinen Nachfolger vor. Bundeskanzlerin Merkel verliert damit einen wichtigen Ansprechpartner in der Wirtschaft.

BDI-Präsident Hans-Peter Keitel will sein Amt Ende des Jahres an den Familienunternehmer Ulrich Grillo abgeben. Keitel kündigte am Mittwoch in Berlin an, er werde nach zwei jeweils zweijährigen Amtzeiten Ende 2012 als Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) ausscheiden. Im Einvernehmen mit allen Vizepräsidenten hat er dem BDI-Präsidium Grillo als Nachfolger vorgeschlagen. Der 52-Jährige ist seit dem vergangenem Jahr einer der Vizepräsidenten des Verbands.

Ulrich Grillo führt seit 2004 eines der traditionsreichsten deutschen Industrieunternehmen, die 170 Jahre alten Grillo-Werke in Duisburg, die der größte Zinkverarbeiter weltweit sind. Sollte er von der BDI-Mitgliederversammlung im November gewählt werden, wird er sein Amt Anfang 2013 übernehmen.

Mit Keitel kündigte nach DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann binnen weniger Wochen ein zweiter Spitzenvertreter der deutschen Wirtschaft seinen Rückzug an. Keitel wie Driftmann zählen zu den wichtigsten Ansprechpartnern für Bundeskanzlerin Angela Merkel. Bis zuletzt war unklar, ob sich der 64-jährige Keitel nicht doch noch für eine dritte Amtszeit bewerben würde. Denn auf den neuen Präsidenten kommen große Aufgaben zu - 2013 steht die Bundestagswahl an, das Ergebnis ist noch völlig offen. Auch die Wirtschaftskrise schwelt weiter und bereitet der deutschen Industrie Kopfzerbrechen.

"Ich bin überzeugt, dass Ulrich Grillo mit seiner ausgewiesenen Erfahrung als Manager und Unternehmer über hervorragende Eigenschaften für das Amt des BDI-Präsidenten verfügt", sagte Keitel in Anwesenheit des Nachfolgekandidaten. Mit seiner Entscheidung, nicht für eine dritte Amtszeit anzutreten, folge er den Statuten des BDI, die eine solche Verlängerung nur in Ausnahmefällen vorsehen. Seine Entscheidung haben nichts mit der Tagespolitik oder mit Frustrationen in seiner Amtszeit zu tun, sagte Keitel.

Experte für Rohstoffpolitik

Grillo betonte die vielen Übereinstimmungen mit Keitel in Fragen der Industrie- und insbesondere auch der Rohstoffpolitik. "Ich kann sagen, dass die Industrie mir sehr am Herzen liegt." Die Industrie sei das Rückgrat der deutschen Wirtschaft und sollte das auch bleiben. Der Umweltschutz spiele dabei eine wichtige Rolle. "Es geht nicht um einen Gegensatz von Ökologie und Ökonomie, sondern um Stabilität und Wachstum bei gleichzeitiger Schonung der Umwelt und der Ressourcen".

Im BDI sind die Wirtschaftsverbände und Arbeitsgemeinschaften der Industrie und der industrienahen Dienstleister organisiert. Während der bisherige Präsident Keitel den Großteil seines Berufslebens in der Bauindustrie verbrachte, wo er fast zwei Jahrzehnte an der Spitze des Baukonzerns Hochtief stand, absolvierte sein designierter Nachfolger Grillo zunächst eine Banklehre. Erfahrungen sammelte der Manager und Unternehmer auch als Wirtschaftsprüfer und Unternehmensberater sowie bei der Rheinmetall-Gruppe. Grillo gilt als einer der Architekten der zuletzt erheblich aufgewerteten Rohstoffpolitik der deutschen Industrie.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.1394881
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
Süddeutsche.de/Reuters/infu/leja
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.