Süddeutsche Zeitung

Verspätungen:Deutsche Bahn geht an die Vorstands-Boni ran

Millionenzahlungen an den Manager trotz Krise und Verspätungen? Das sorgt oft für Unverständnis. Nun soll sich an den Zulagen für die Chefetage Grundlegendes ändern.

Von Markus Balser

Dass es um die Lage der Deutschen Bahn nicht zum Besten steht, spürt derzeit schon so ziemlich jeder in Deutschland, der einen Bahnsteig betritt. Der Konzern kämpft mit den schlechtesten Pünktlichkeitswerten seit Jahren und mit einer Rekordzahl an Baustellen. Zudem braucht die Bahn zusätzliche Milliarden Euro vom Bund, um überhaupt die nötigen Summen für die Generalsanierung der eigenen Trassen stemmen zu können. Und dann wächst auch noch der Schuldenberg.

Auch wenn die Entwicklung des Konzerns also für Belohnungen wenig Anlass bot: Vorstände des Konzerns konnten sich in den vergangenen Jahren immer wieder über Millionenboni - Zahlungen für gute Leistung also - freuen. So sollte Bahn-Chef Richard Lutz noch für das vergangene Geschäftsjahr sein Gehalt mit einer Bonuszahlung auf 2,2 Millionen Euro mehr als verdoppeln können. Ausgezahlt wurde die Summe bislang allerdings nicht. Die Bahn musste eine staatliche Unterstützung für Strompreise beantragen, die das Auszahlen von Boni untersagte.

Im Aufsichtsrat der Bahn gibt es nun jedoch konkrete Pläne, die umstrittenen Regeln zu ändern. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung will Bahn-Aufsichtsratschef Werner Gatzer das gesamte Vergütungssystem für Topmanager der Bahn in zentralen Punkten umstellen. Ziel der Pläne sei es, die leistungsbezogenen Teile des Gehalts bei schlechter Entwicklung leichter kürzen zu können, heißt es. Und sie deutlich stärker als bisher an langfristigen Zielen des Unternehmens zu orientieren. Eine vorübergehende Kosmetik der Managementbilanz soll im neuen System viel schwerer werden.

Am stärksten sollen sich die Gründe dafür ändern, wofür überhaupt Boni gezahlt werden. Das Erreichen kurzfristiger Ziele, etwa beim Gewinn, soll künftig nur noch 15 Prozent der Boni ausmachen. Bisher waren es 38 Prozent. Die Bedeutung langfristiger Ziele soll im Gegenzug deutlich steigen. Während es zudem bislang möglich war, Schwächen in Feldern wie der Pünktlichkeit mit guten Ergebnissen anderswo mehr als auszugleichen, soll das künftig schwerer werden. Werden von sechs Zielen nur drei erreicht, sinkt der maximal mögliche Bonus durch einen neuen "Dämpfungsfaktor" um etwa 25 Prozent. Zu den fünf Zielen wie Pünktlichkeit oder Kundenzufriedenheit soll darüber hinaus als sechstes die Nachhaltigkeit kommen.

Das Einstiegsgehalt soll steigen

Allerdings wird dem Plan zufolge nicht an allen Stellen gekürzt. Denn neue Vorstände sollen künftig ein deutlich höheres Einstiegsgehalt bekommen. In den ersten drei Jahren sollen sie in der Kombination aus festem und variablem Gehalt künftig 1,4 Millionen Euro jährlich verdienen können, bislang waren es 1,1 Millionen Euro.

Kreisen des Kontrollgremiums zufolge hatte die Bahn zuletzt Mühe, Posten mit Wunschkandidatinnen und -kandidaten zu besetzen. Aus einer Analyse eines externen Beraters geht hervor, dass der Konzern im Vergleich mit Dax-Unternehmen und anderen öffentlichen Unternehmen das Nachsehen hatte und bei Einstiegsgehältern auf den letzten Plätzen lag. Die hatten sich schließlich seit 14 Jahren bei der Bahn nicht geändert. Der prozentuale Anstieg liege nun unter dem der Tarifgehälter im gleichen Zeitraum, heißt es weiter. Mit dem Plus soll der Konzern das Problem beim Rekrutieren guter Manager in den Griff bekommen. Auch das Verhältnis von Grund- und variablem Gehalt soll sich mit der Reform ändern. Bislang zahlte die Bahn 36 Prozent des möglichen Gehalts als Fixsumme. Künftig sollen es 50 Prozent sein. Die Gehaltsstufen für länger gediente Vorstände sollen sich dagegen nicht ändern.

Ob Aufsichtsratschef Gatzer den Plan umsetzen kann, der auch für Führungskräfte von Bahn-Töchtern gelten würde, wird sich kommende Woche zeigen. Dann soll am Mittwoch der gesamte Aufsichtsrat darüber beraten. Eingreifen kann die Bahn zudem nur in neue Verträge. Dennoch sollen die Pläne auch für den jetzigen Vorstand gelten, heißt es. Es liefen bereits erste Gespräche über eine freiwillige Anpassung an das neue System.

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