Süddeutsche Zeitung

Geschenketipps für Weihnachten:Das wäre aber wirklich nötig gewesen!

Was schenkt man jemandem, der schon alles hat? Wie beeindruckt man die eine, bei der man auf keinen Fall etwas falsch machen will? Und welche Geschenke bestehen den Nachhaltigkeits-Test? SZ.de-Autoren empfehlen.

Selbstgemachte Weihnachtsgeschenke

Do it yourself klingt für Sie nach kratzigen Strickpullis, Kartoffeldruck-Küchentüchern und Türschildern geformt aus Salzteigwürsten? Das muss nicht sein, die verstaubte Piefigkeit von Selbstgebasteltem ist längst Vergangenheit.

Also ran an Nähmaschine, Papierschneider, Zange oder Zementbeutel. Die Herausforderung liegt im Perfektionismus: Die selbstgemachten Werke müssen zum Schluss aussehen wie gekauft - um Himmels willen nicht wie selbst gebastelt. Das braucht Zeit und deshalb sind DIY-Geschenke nichts für die verhasste Schwiegermutter. Enge Freunde, die den Aufwand zu schätzen wissen, freuen sich in der Regel am meisten. Dieses Jahr liegen Wohnaccessoires aus Beton im Trend. Der starke Kontrast des kalten Baumaterials zum kuscheligen Sofa im Wohnzimmer ist besonders reizvoll. Vasen, Eierbecher oder Obstschalen kann man aus Beton selbst gießen und anschließend verzieren. Während die Materialkosten bei unter zehn Euro liegen, ist der Zeitaufwand umso größer. Man sollte genügend Zeit einplanen, denn der Beton muss auch noch trocknen. Wie es funktioniert, steht hier.

Wer mit der Nähmaschine geschickter ist, kann beispielsweise einen selbstgemachten Turnbeutel-Rucksack zu Weihnachten verschenken. Der Schnitt und die Anleitung (zum Beispiel hier) ist selbst für Nähanfänger geeignet. Es kommt auf die richtige Stoffwahl an. Kunstleder im Metallic-Effekt oder feste Dekostoffe eignen sich am besten.

Richtig schnell ist ein Armband aus Leder für die beste Freundin geknüpft. Der Clou dabei ist der Schiebeknoten, mit dem man das Armband an jedes Handgelenk anpassen kann. Fehlt nur noch ein Anhänger oder ein paar Perlen, die man vorher auf das Band fädelt. Zur Anleitung geht es hier.

(Kerstin Lottritz)

Geschenke für Menschen, die schon alles haben

Es gibt Leute, die verfügen über so viel Geld und Konsumfreude, dass sie sich ihre Wünsche schon alle selbst erfüllt haben. Schön für sie, schwierig für alle, die so jemanden beschenken wollen. Aber nicht unmöglich. Nein, hier kommt jetzt nicht der Tipp mit den nicht-materiellen Dingen, die ja so viel mehr wert sind. Es gibt weitere Strategien. Schenken Sie doch etwas, ...

... das neu und ein bisschen verrückt ist. Neben einem Weihnachtsbaum voller Lametta mag der Solar Sun Tree fast unspektakulär wirken. Umso besser macht sich das Designteil aus Bambus und Kunststoff zu Hause auf dem Fensterbrett oder auf dem Schreibtisch im Büro. Über neun Solarblätter und einen Lithium-Akku lassen sich Smartphones und MP3-Player mit Sonnenenergie laden. (XD Design, 99,95 Euro)

... das der Beschenkte schon hat, aber noch nicht in schön. Einen tollen Regenschirm zum Beispiel. Der Trend ging in den vergangenen Jahren eher zum Fünf-Euro-Modell aus dem Drogeriemarkt, das man auch mal wo vergessen kann. Was daher auch ständig passiert. Am besten sind wetterbedingt natürlich die Briten. Hier gibt es im teureren Preissegment etwa den Herrenschirm zum selbst zusammenstellen. Für die Dame bieten sich die Luxusmodelle von Brellini an. Schön mit doppeltem Stoff, außen dezent und innen blumig. Für schlappe 199 Dollar

... bei dem der Beschenkte nie gedacht hätte, dass er es brauchen könnte. Kollege Dennis Braatz empfiehlt den "Wick Trimmer", eine Spezialschere für Dochte. Weil Dochtpflege in Zeiten immer größerer und teurerer Duftkerzen wichtiger wird. Jawohl! Kostenpunkt 15 bis 20 Euro.

Oder Sie tun dem armen reichen Menschen einen Gefallen und helfen ihm, sich vom Ballast zu befreien. Ein kleinerer Sperrmüllcontainer kostet (zum Beispiel hier) inklusive An- und Abtransport zwischen 200 und 300 Euro eignet sich also eher als Gruppengeschenk. Sie selbst profitieren im nächsten Jahr, weil beim Ausmisten sicher irgendwas wegkommt, was später vermisst wird. Das können Sie dann 2017 schenken.

(Felicitas Kock)

Nachhaltige Geschenke

Umweltbewusst zu schenken, ist fast ein Widerspruch in sich. Schließlich sind Geschenke per Definition etwas Schönes, etwas nicht unbedingt Notwendiges, etwas Luxuriöses. Gar nichts schenken wäre daher die nachhaltigste Lösung - aber nicht besonders weihnachtlich.

Doch der Geschenkeberg lässt sich zumindest verkleinern. In vielen Familien schenkt nicht mehr jeder jedem etwas, sondern es wird reihum gewichtelt (zum Beispiel mit dem Wichtel-O-Mat, mit dem man bestimmte Paarungen ausschließen kann). Auch ein Wunschzettel schont die Umwelt, denn dann wird hoffentlich nur geschenkt, was auch wirklich gebraucht oder wenigstens gewollt wird. Ein anderer Tipp für nachhaltiges Schenken ist "Zeit statt Zeug": Schenken Sie eine Nackenmassage an Stelle des dritten Schals, einen gemeinsamen Spaziergang an Stelle des zehnten Parfüms, gehen Sie gemeinsam demonstrieren oder Pilze pflücken (je nach Interesse des Beschenkten).

Wer trotzdem lieber Dinge unter den Baum legen möchte, sollte der Umwelt zuliebe folgende Tipps beherzigen:

  • Verschenken Sie Produkte, die sich aufbrauchen. Wohlriechende Körperöle, besondere Pralinen oder ein teurer Wein sind besser als irgendein Nippes, der im Regal verstaubt.
  • Kaufen Sie hochwertige, langlebige Produkte anstatt möglichst viel Zeug zu verschenken - für Kinder beispielsweise die robuste Holzeisenbahn statt der Plastik-Parkgarage, die auseinanderfällt, sobald das Kleinkind daran rüttelt.
  • Achten Sie auf Zertifizierungen und Öko-Siegel wie zum Beispiel das BDIH-Siegel bei Kosmetik. Für Kleidung gibt es hier einen Überblick, welche Labels öko und fair produzieren.
  • Unterstützen Sie regionale Händler statt globaler Ketten - auch wenn das heißt, dass Sie vielleicht mal in einen Laden gehen müssen, statt im Internet zu bestellen. Doch sehen Sie es positiv: Verpackungsmüll können Sie so gleich auch noch reduzieren.

Weitere Anregungen, wie man nachhaltiger Weihnachten feiert, finden Sie hier.

(Barbara Vorsamer)

Geschenke für Puristen

Im Zuhause eines Puristen hat alles seinen festen Platz, herrschen strikte Ordnung und Struktur. Die Einrichtung ist zeitlos, modern und auf das Nötigste beschränkt. Schnickschnack sucht man vergebens. Möbel und sonstige Gegenstände harmonieren miteinander, sind oft einfarbig, funktional und aus hochwertigen Materialien gefertigt. Es ist schwer, einem Puristen etwas zu schenken, das seine Augen nicht beleidigt und nicht für immer in einem seiner wenigen Schränke verschwindet.

Wer einem Puristen dennoch eine Freude machen möchte, sollte sich vorher genau informieren und versuchen rauszufinden, ob ihm in seinem minimalistisch eingerichteten Nest nicht doch noch etwas fehlt.

Eine Wanduhr zum Beispiel, deren Ziffernblatt aus Beton gegossen ist und auf so etwas Überflüssiges wie Zahlen verzichtet.

Oder einen Bluetooth-Lautsprecher, der Musikgenuss ohne lästiges Kabel verspricht und sich mit sehr wenigen Knöpfen einfach bedienen lässt.

Geht man davon aus, dass der Purist nur besitzt, was ihm wichtig ist, ist er im Fall eines Verlustes wahrscheinlich doppelt betrübt. Ein gutes Hilfsmittel ist ein Tracking-Gerät. Damit besteht zum Beispiel bei der nächsten Reise keine Gefahr mehr, dass der puristische Trolley zwischen Singapur und Frankfurt Hahn für immer verloren geht.

(Juri Auel)

Geschenke für Lieblingsmenschen

Man kann es natürlich machen wie Vater N.. Der ruft jedes Jahr am 22. oder 23. Dezember seine erwachsene Tochter L. an. Sie möge doch noch "schnell was Schönes für die Mama kaufen. Ne Handtasche, Parfüm oder sowas. 200 bis 300 Euro". Die Tochter - notfallerprobt und geschmackssicher - sucht dann etwas aus. Der Eklat unterm Weihnachtsbaum ist abgewendet.

Aber was tun, wenn es so eine Tochter nicht gibt? Oder wenn die Liebe noch frisch ist und man etwas mehr Kreativität beweisen will? Erste Regel: Keine Angst vor dem Scheitern haben! Jemandem, den man liebt, ein Geschenk zu machen, ist ein Risiko, so wie die Liebe selbst ein Risiko ist. Man kann dabei fürchterlich falsch liegen, man kann die Gefühle des anderen verletzen und Erwartungen enttäuschen. Aber es lohnt sich, dieses Risiko einzugehen. Kaum etwas ist so beglückend wie die echte Rührung eines Beschenkten, der spürt, dass sich jemand Gedanken über ihn gemacht hat und mit der Gabe seine Liebe demonstriert.

Zweite Regel: Kleine Details sind wichtig. Weil jeder Partner und jede Beziehung anders ist, ist es schwer, konkrete Produkttipps zu geben. Gut ist immer, an gemeinsame Erlebnisse und Erfahrungen anzuknüpfen. Sie haben Ihren Freund vor zehn Jahren bei einem gemeinsamen Geschäftstermin in Köln kennengelernt? Dann buchen Sie ein romantisches Wochenende zu zweit in dieser Stadt, aber verschenken Sie auf keinen Fall nur den Umschlag mit dem Hotelgutschein. Bestellen Sie im Internet einen Kölner Dom aus Schokolade, kaufen Sie in einer Papeterie schöne Briefkarten und überlegen Sie sich zwei, drei Sätze, die sie darauf notieren. Keine kitschigen Liebesschwüre! Schreiben Sie einfach, was Ihnen damals durch den Kopf ging, als Sie Ihren Partner zum ersten Mal sahen.

(Oliver Klasen)

Geschenke für Menschen, die man kaum kennt

Was aber, wenn Sie kaum etwas über die Person wissen, die Sie beschenken? Soll nicht ein Tankgutschein oder das verhasste Päckchen Socken unter dem Weihnachtsbaum liegen, wird es knifflig.

Je nachdem, um wen es sich bei dem wenig bekannten zu Beschenkenden handelt, gibt es verschiedene Wege, wie sich der Schlammassel überwinden lässt. Für das Wichteln im Büro empfiehlt es sich zum Beispiel, dem Kollegen ein schickes Visitenkarten-Etui ins Paket zu packen: Ein Geschenk, das um einiges praktischer ist als die tausendste Tasse mit Weihnachtsmotiven, die ihr Dasein in der hintersten Ecke des Geschirrschranks eh nur bis zum nächsten Polterabend fristet.

Kommen Sie und der potenzielle Geschenkeempfänger aus verschiedenen Gegenden, ist ein Präsent mit Bezug zu Ihrer eigenen Heimat eine gute Idee. Das Schenken von regionalen Spezialitäten hat seit jeher Menschen zueinander gebracht. Ist ihr Wichtelpartner kein Vegetarier, haben Sie's besonders leicht. Denn kaum ein anderes Lebensmittel ist in Deutschland so identitätsstiftend wie die Wurst, die von Region zu Region einen anderen Charakter hat. Wurst ist nicht einfach Wurst, sondern Braunschweiger Knackwurst, Ahle Worscht aus Nordhessen, Milzwurst aus Oberbayern, Lausitzer Semmelleberwurst, Ansbacher Presssack oder Pfälzer Saumagen.

(Juri Auel)

Vernünftige Geschenke, über die sich Kinder freuen

Es ist ein Jammer, dass die kindlichen Herzenswünsche meist im Widerspruch stehen zu den Befindlichkeiten besorgter Eltern ("Das halte ich nicht gerade für pädagogisch wertvoll") oder ambitionierter Schwiegereltern ("Eigentlich wollten wir die Ritterburg schenken. Und das Hooverboard."). Da wird es schnell kompliziert, wenn man - als Tante, Freundin oder Patenonkel - alles richtig machen will.

Zum Glück gibt es nun ein bilderloses Buch von B.J. Novak, das auch genauso heißt: "Buch ohne Bilder". Das freut die Eltern schon mal, denn es klingt nach seriösen Inhalten und jeder Menge Information. Am meisten freuen sich die Kinder, wenn sie den ersten Schreck ("Was, keine Bilder???") überwunden haben. Zu sehen gibt es nämlich trotzdem genug, und zwar einen Vorleser, der sich so richtig zum Affen macht.

Dieser Affe ... Pardon, Vorleser hat unbedingt die goldene Regel zu befolgen: "Jedes Wort, das geschrieben steht, muss vorgelesen werden", ohne Ausnahme. Sei es ein sinnentleerter Ausdruck wie "BLORK" oder BLUURF", sei es ein albernes Lied, mal mit einer "A-f-f-e-n-r-o-b-o-t-e-r-Stimme", mal mit einem "Affenmaaaul". Das Buch erzählt im Grunde keine Geschichte, durch die Regieanweisungen wird es vielmehr zu einem Vorlesetheater.

Die Kinder biegen sich vor Lachen, wenn Papa vorlesen muss, dass sein Kopf "aus Blaubeerpizza besteht" - und die Oma, dass sie "zum Frühstück aus dem Klo trinkt". Intelligenter und versöhnlicher kann man Hierarchien nicht aushebeln.

Dieses Buch macht gute Laune, und das ist ja wohl unbezahlbar an Heiligabend. Nach so einem Erfolg dürfen Sie dann auch getrost noch etwas fürchterlich Unpädagogisches drauflegen, etwa einen Popcorn-Maker - zur professionellen Versorgung des Publikums. Sogar diese 3D-Wandleuchte in Form einer Hulk-Faust, die sich durch die Mauer schlägt - als Sinnbild für den Durchbruch in eine neue Ära des Vorlesens.

(Violetta Simon)

Bestens informiert mit SZ Plus – 14 Tage kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.3284609
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ.de/vs/olkl/mane
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.