Süddeutsche Zeitung

Volleyball:Schlechte Quote

Herrschings Volleyballer verlieren ihren Rückrunden-Auftakt in Friedrichshafen auch wegen fehlender Konstanz im Angriff. Diese müssen sie finden, um ihr Ziel, das Playoff-Halbfinale, weiter im Auge zu behalten.

Von Sebastian Winter

Eines war anders als sonst bei diesem Duell zwischen Herrsching und dem VfB Friedrichshafen. Das erste Rückrundenspiel der Volleyballer vom Ammersee fand am Bodensee in der Messehalle 1 statt, in ungewohnter Umgebung samt - natürlich leeren - blauen und orangefarbenen Sitzschalen für die Zuschauer. Friedrichshafen hatte ja im Herbst wegen korrodierter Stahlseile an der Dachkonstruktion seine alte Arena verlassen müssen und spielt nun eben in der Messe, die gerade sowieso keine andere Verwendung für ihre Halle hat.

Der Spielverlauf am Mittwochabend ähnelte allerdings früheren Vergleichen sehr: Herrsching hielt gut mit dem nun neuen Tabellenführer mit, gewann den zweiten Satz dank der Angriffe von Tim Peter und zweier Abwehraktionen von Diagonalmann Jalen Penrose sogar - verlor die Partie aber doch 1:3 (19:25, 25:22, 18:25, 22:25). Zählbares gibt es bei einem solchen Ergebnis nicht für den Unterlegenen, dabei hatte Herrschings Trainer Max Hauser insgeheim schon mit zumindest einem Punkt geliebäugelt, den es für eine 2:3-Niederlage gibt. "Es war nicht unmöglich", sagte Hauser, am Ende fehlte dem Tabellenfünften, der eine starke Vorrunde gespielt hat, aber die Konstanz.

Ein Beispiel war der anfangs so starke Außenmann Tim Peter, der im dritten Satz wegen zu vieler Fehler auf die Bank musste. Mittelblocker wie Dorde Illic und Luuc van der Ent hatten auch eine zu schlechte Erfolgsquote. Dagegen glänzte Friedrichshafen mit rund 80 Prozent im Angriff und sechs Blocks auf dieser Position. Allen Herrschingern zusammen gelangen dagegen nur drei Blocks. Und auf der Diagonalposition, wo die Top-Angreifer sich die Bälle um die Ohren prügeln, war Friedrichshafens 21-jähriger Linus Weber noch etwas wirkungsvoller als sein Herrschinger Pendant Jalen Penrose.

"Da ist schon noch eine Menge Potenzial nach oben, auf jeder Position, außer vielleicht beim Libero", sagt Trainer Hauser

Die Konstanz ist einer der Punkte, die in der gerade begonnenen Rückrunde ganz oben auf der To-do-Liste von Trainer Hauser stehen. "Wir dürfen jetzt nicht anfangen, unser Level zu verwalten, sondern wollen die Spieler weiter besser machen", sagt er: "Da ist schon noch eine Menge Potenzial nach oben, auf jeder Position, außer vielleicht beim Libero." Ferdinand Tille, der weit gereiste ehemalige Nationalspieler, dürfte sich freuen über dieses Lob.

Herrsching wird in den nächsten Wochen versuchen, den fünften Platz zu verteidigen oder bis zu den Playoffs noch auf Rang vier vorzurücken. Die drei vorderen Plätze sind schon zu weit entfernt. Allein um dieses Ziel dürfte ein harter Kampf entbrennen zwischen dem Vierten Bühl, dem Fünften Herrsching, dem Sechsten Königs Wusterhausen und dem Siebten Frankfurt - nur vier Punkte trennen diese Klubs. Am Samstag erwartet Herrsching die Frankfurter, das Ziel von Hausers Mannschaft ist klar.

Immerhin möchte sie nach dem gegen Königs Wusterhausen so bitter verlorenen Pokal-Halbfinale auch in den Playoffs in die Runde der besten Vier einziehen. Für dieses Spiel würden die Herrschinger, weil ihre Nikolaushalle nicht den Liga-Vorgaben entspricht, wohl in den Münchner Audi Dome ziehen, sofern es im Fernsehen gezeigt wird. Es wäre fast genau ein Jahr, nachdem Herrsching dort seine München-Premiere feiern wollte - die die Pandemie dann verhinderte.

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