Süddeutsche Zeitung

Portugals Sieg über Ghana:Spiel mit zwei Verlierern

Zwei Teams, ein Schicksal: Ein Sieg hätte Ghana ins Achtelfinale bugsieren können, doch weil die Afrikaner Portugal 1:2 unterliegen, sind nun beide Mannschaften raus. Cristiano Ronaldo verabschiedet sich auf seine Art von dieser WM.

Im Prinzip war die Situation schon geklärt, der Ball flog hoch und lang durch die Luft, und der bis dahin so souveräne ghanaische Torwart Fatau Dauda hätte ihn nur locker fangen müssen. Doch stattdessen platschte er den Ball einfach nach vorne, direkt vor die Füße von Cristiano Ronaldo. Der bedankte sich in dieser 80. Minute, schoss ein - und plötzlich stand es völlig unverdient 2:1 für Portugal. Dabei blieb es, und das bedeutete: Sowohl der Sieger wie auch der Besiegte in dieser Partie waren raus aus dem WM-Turnier.

Beide Mannschaften hatten vor dem Spiel noch Hoffnungen aufs Weiterkommen, beide mussten auf die Erfüllung von zwei Bedingungen hoffen: Dass es einen Verlierer gibt beim Parallelspiel Deutschland gegen USA, und einen Sieger hier, auch wenn beim Anpfiff unklar war, wie hoch der gewinnen musste; das war abhängig vom Ergebnis des Parallelspiels.

Auf jeden Fall stand fest: Als einzige Losung blieb das Spiel nach vorne - das taten auch beide von Beginn an, die Portugiesen zunächst zielstrebiger als die ohne die suspendierten Boateng und Muntari angetretenen Ghanaer. Vor allem Ronaldo war in den Anfangsminuten große Energie anzumerken. Von weit draußen versuchte er es mit einem Torschuss, Dauda war leicht überrascht - und hatte Glück, dass der Ball an die Latte ging. Nach zwölf Minuten hatte Ronaldo die nächste Chance: direkter Freistoß aus 20 Metern - so gerade noch konnte Ghanas Torwart parieren.

Dann folgte Ronaldo zum Dritten, per Kopfball aus fünf Metern, und er tat das mit einer solchen Wucht, dass kurzzeitig zu befürchten war, Dauda flöge nach der Ballberührung ins Tornetz, doch Ghanas Torwart blieb stehen und hielt. Bei Ghana kam Asamoah Gyan erst freistehend zum Schuss (19.), dann zum Kopfball (23.) - beide Male hielt Beto.

Der Erste, der ins Tor traf, hieß allerdings weder Ronaldo noch Gyan, sondern John Boye. Allerdings war es das falsche. Bei einem Angriff der Portugiesen brachte Miguel Veloso den Ball von links scharf in die Mitte - und dort missriet Boye der Klärungsversuch, der Ball flog ins eigene Netz (31.). Etwas Glück hatten die Portugiesen in der 42. Minute, dass auf das Halten von Bruno Alves gegen Gyan kein Elfmeterpfiff folgte. Und etwas Glück hatte auch Boye, der ums Haar noch ein Eigentor erzielt hätte, diesmal ging der geklärte Ball aber knapp übers Tor.

In der zweiten Hälfte ging es zunächst etwas ruhiger los, doch dann kam die Meldung, dass Deutschland das 1:0 erzielt hatte. Nun war Bedingung eins erfüllt - und prompt schlug Ghana zu. Asamoah flankte fein, von links mit dem linken Außenrist, und in der Mitte köpfelte, natürlich, Gyan ein (57.). Und schon war binnen weniger Sekunden eine Situation entstanden, in der Ghana ein einziges Tor zum Weiterkommen reichen würde.

Nur paar Minuten später hatte Abdul Waris eine Riesenchance zu diesem Treffer: Völlig frei kam er aus nächster Distanz zum Kopfball, traf aber knapp daneben. Von Portugal kam jetzt nicht mehr viel, Ghana war besser, erspielte sich allerdings auch keine großen Torchancen. Mitten in die anhaltende Hoffnung hinein leistete sich Fatau Dauda seinen Lapsus, und Ghana lag zurück.

Portugal hätte jetzt noch ein paar Tore schießen müssen, um seinerseits die USA im Trefferverhältnis zu überholen. Doch das glückte nicht. Auch, weil Dauda jetzt wieder zwei starke Paraden zeigte und Ronaldo die letzte große Chance über das Tor setzte (90.+2).

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SZ vom 27.06.2014/fued
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