Süddeutsche Zeitung

Nach Olympia-Verzicht:Harting kritisiert Gauck

Lesezeit: 8 min

Sportler des Jahres Robert Harting findet, es sei "das falsche Signal", dass Bundespräsident Joachim Gauck Olympia in Sotschi fern bleibt. Deutsche Bobfahrer gehen sieglos in die Weihnachtspause. Skispringer Thomas Morgenstern scherzt nach seinem Sturz bereits wieder.

Olympia, Sportler des Jahres: Robert Harting hat nach seiner Wiederwahl zu Deutschlands "Sportler des Jahres" Bundespräsident Joachim Gauck für dessen Verzicht auf die Olympiareise nach Sotschi kritisiert. Der Diskus-Olympiasieger meinte bei der Pressekonferenz in Baden-Baden mit Blick auf die Winterspiele 2014 (7. bis 23. Februar): "Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel die Fußball-Nationalmannschaft im Trainingslager besucht, hat das eine starke Symbolik. Es heißt für die Bevölkerung: Das ist ein wichtiges Ereignis. Und wenn Joachim Gauck nicht kommt, ist das auch ein Zeichen." Das sei "das falsche Signal".

Auch Christina Obergföll, die Sportlerin des Jahres, kritisierte Gauck: "Ich finde den Verzicht des Bundespräsidenten auf die Sotschi-Reise sehr schade. Wenn er schon keine politischen Gründe dafür anführt, wirkt das auf mich so, als würde er unserem Sport die willkommene Unterstützung versagen."

Gauck hatte vor einer Woche erklärt, er werde die Winterspiele nicht besuchen, dies aber nicht offiziell begründet. Russland steht derzeit unter anderem wegen seines Anti-Homosexuellen-Gesetzes und der andauernden Unterdrückung der Opposition international in der Kritik. Bei den Sommerspielen und den Paralympics 2012 in London war Gauck vor Ort gewesen. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hatte darauf verwiesen, dass ein Besuch des Bundespräsidenten in Sotschi nicht vorgesehen gewesen sei. Stattdessen plane Gauck eine Willkommensfeier für die Deutsche Olympiamannschaft in München. Der DOSB habe Gauck eingeladen, "die deutsche Olympiamannschaft bei dieser Gelegenheit zu empfangen und zu begrüßen." Dies empfinde die Mannschaft als Zeichen der Anerkennung und des Ansporns."

Unterdessen kündigte Sebastian Vettel dem Diskuswerfer Harting einen härteren Kampf bei der Wahl zum "Sportler des Jahres" an. Wie schon im vergangenen Jahr musste sich der viermalige Forme-1-Weltmeister mit Platz zwei hinter Harting begnügen. "Vielleicht muss ich anfangen, meinen Anzug zu zerreißen", sagte der 26-Jährige augenzwinkernd in seiner Video-Botschaft und spielte damit auf Hartings Triumph-Pose an.

Fußball, Premier League: Keine 24 Stunden nach der 0:5-Pleite gegen den FC Liverpool hat der englische Fußball-Erstligist Tottenham Hotspur seinen Teammanager André Villas-Boas gefeuert. Der Portugiese hatte schon Ende November beim Klub des dreimaligen deutschen Nationalspielers Lewis Holtby vor der Entlassung gestanden, verschaffte sich danach aber mit sieben Punkten aus drei Spielen etwas Luft. Nach dem Heimdebakel gegen Liverpool ist Tottenham nur Tabellensiebter der Premier League. Der 36-Jährige, der 2011 mit dem FC Porto die Europa League gewonnen hatte, war seit 2012 Trainer der Spurs. Zuvor hatte Villas-Boas den FC Chelsea trainiert, wo er im Mai 2012 entlassen wurde. Bei den Spurs wurde Villas-Boas vor allem die verfehlte Transfer-Politik zum Verhängnis. Nachdem der Klub aus London im Sommer den Waliser Gareth Bale für 91 Millionen Euro an Real Madrid verkauft hatte, verpflichtete Tottenham unter anderem den Spanier Roberto Soldado, den Argentinier Erik Lamela (beide 30 Millionen), den Brasilianer Paulinho (20 Millionen) und den Dänen Christian Eriksen (14 Millionen) - sie enttäuschten allesamt.

Tennis, Düsseldorf: Ab dem kommenden Jahr wird auf der ATP-Tour bei den "Düsseldorf Open" um den Titel gespielt. Dies gaben Turnierdirektor Dietloff von Arnim und Lizenzinhaber Rainer Schüttler im Rochusclub bekannt. Die Namensänderung für das Tennisturnier vom 18. bis 24. Mai 2014 war durch den Ausstieg des Hauptsponsors notwendig geworden. Nationaler und internationaler TV-Partner bleibt Eurosport. "Es macht uns froh, dass wir mit den Düsseldorf Open die große Tradition der ATP-Turniere in Düsseldorf erhalten können. Auch im nächsten Jahr wird es im Rochusclub um 250 Weltranglistenpunkte für den Sieger gehen", sagte von Arnim.

Skispringen, Thomas Morgenstern: Wenige Stunden nach seinem Horror-Sturz in Titisee-Neustadt war Skispringer Thomas Morgenstern schon wieder zu Scherzen aufgelegt. "Ich kann mich nur noch erinnern, wie Klitschko zu einem Schlag ausgeholt hat. Danach sind alle Lichter ausgegangen", sagte der Österreicher im Krankenhaus über das schmerzhafte Ende eines Wochenendes, das bezeichnend war für das gesamte Jahr 2013. Sieg am Samstag, K.o. am Sonntag - der dreimalige Olympiasieger kennt derzeit nur die Extreme.

Bob: Die deutschen Bob-Piloten gehen ohne Saisonsieg in die Weihnachtspause. Zum Abschluss des Weltcups im amerikanischen Lake Placid landete der WM-Dritte Thomas Florschütz mit seiner Crew im Vierer auf Rang drei. Es war der erste Podestplatz im Olympiawinter für den 35-Jährigen aus Riesa. Florschütz hatte 0,25 Sekunden Rückstand auf Sieger Steven Holcomb. Der Olympiasieger aus den USA konnte damit alle bisherigen sieben Saisonrennen im kleinen und großen Schlitten gewinnen. Zweiter wurde überraschend der Brite John James Jackson (+0,07). Weltmeister Maximilian Arndt (Oberhof) fiel nach einem schwachen zweiten Durchgang vom zweiten auf den siebten Platz (+0,34) zurück. Zweier-Weltmeister Francesco Friedrich (Oberbärenburg), der im Training gestürzt war, hatte große Probleme mit der schwierigen Bahn am Mount van Hoevenberg und kam nur auf Platz 14 (+0,94).

Handball, Frauen-WM: Die deutschen Handball-Frauen stehen erstmals seit 2007 wieder in einem WM-Viertelfinale. Die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) besiegte am Sonntag im Achtelfinale in Novi Sad Angola mit 29:21 (13:10). Im zweiten K.o.-Spiel des Turniers trifft der EM-Siebte am Mittwoch auf den Sieger der Partie zwischen Europameister Montenegro und dem EM-Fünften Dänemark. Vor rund 1000 Zuschauern warf Laura Steinbach (6) die meisten Tore für die deutsche Mannschaft, die sich mit dem sechsten Sieg im sechsten Spiel eindrucksvoll für die WM-Niederlage gegen den Afrikameister vor zwei Jahren revanchierte.

Ski Alpin, Val d'Isère: Trotz Verletzungen nach einem Trainingssturz ist Skirennfahrer Felix Neureuther beim Weltcup-Slalom in Val d'Isère in die Top Ten gefahren. Mit 1,11 Sekunden Rückstand auf Sieger Mario Matt aus Österreich kam er am Sonntag auf Platz zehn. Zweiter wurde der Schwede Matthias Hargin. Ihm folgte der Italiener Patrick Thaler auf Rang drei. Acht Wochen vor den Olympischen Winterspielen konnte Fritz Dopfer mit dem 22. Platz und fast 2,29 Sekunden Rückstand nicht zufrieden sein. Stefan Luitz und Philipp Schmid waren im ersten Lauf ausgeschieden. Auch Weltmeister Marcel Hirscher (Österreich) verpasste erstmals seit März 2012 ein Slalom-Finale im Weltcup.

Basketball, BBL: Die Siegesserie der Brose Baskets Bamberg ist vorbei. Der deutsche Basketball-Meister unterlag bei ratiopharm Ulm mit 59:72 (33:34) und zog in der Bundesliga nach zwei Monaten erstmals wieder den Kürzeren. Die Franken hatten vor der Niederlage im Südgipfel acht Erfolge nacheinander gefeiert. Bamberg, das am Freitag in der Euroleague leichtfertig einen Sieg bei Armani Mailand verspielt hatte (73:74) und ums Weiterkommen zittern muss, wirkte kraftlos und verspielte in Ulm nach der Pause schnell alle Chancen. Im dritten Viertel (4:21) gelang dem Team von Trainer Chris Fleming so gut wie nichts, zwischenzeitlich betrug der Rückstand 20 Punkte. Mit einem 10:0-Lauf kam der Titelverteidiger noch einmal etwas näher ran, wurde Ulm aber nicht mehr gefährlich. Bester Werfer der Gastgeber war Trent Plaisted mit 15 Punkten, als Topscorer der Bamberger verbuchte D'Or Fisher zwölf Zähler. Die Bayern-Basketballer gewannen gegen Aufsteiger Rasta Vechta klar mit 93:74 (43:37). Damit bleiben die Münchner in der Tabelle weiter vorne.

Schwimmen, Kurzbahn: Der WM-Zweite Marco Koch hat am Schlusstag der Kurzbahn-EM im dänischen Herning Bronze gewonnen. Der 23-Jährige aus Darmstadt schlug auf seiner Paradestrecke 200 m Brust in deutscher Rekordzeit von 2:01,62 Minuten hinter dem ungarischen Olympiasieger Daniel Gyurta (2:00,72) und dem Briten Michael Jamieson (2:01,43) an. Schon im Finale über die halbe Distanz hatte sich Koch trotz deutscher Rekordzeit Gyurta geschlagen geben müssen.

Steffen Deibler hat seinen siebten Titel knapp verpasst. Der Weltrekordler musste sich über die 50 Meter Schmetterling mit Platz zwei begnügen. In 22,41 Sekunden lag der Hamburger knapp hinter dem Ukrainer Andrej Goworow. Jenny Mensing schwamm über 200 Meter Rücken beim Sieg von Titelverteidigerin Darina Sewina (Ukraine) auf Platz vier. Die 15-jährige Berlinerin Sonnele Öztürk, Tochter des ehemaligen ALBA-Basketballers Toeman Öztürk, wurde hervorragende Fünfte. Ebenfalls auf Platz fünf kam Christian Diener über 100 Meter Rücken.

Surfen, WM: Kelly Slater hat den 12. WM-Titel seiner beeindruckenden Karriere knapp verpasst. Der 41-Jährige gewann zwar zum Abschluss der Weltcupsaison zum insgesamt siebten Mal beim Pipe Masters auf Hawaii, musste Konkurrent Mick Fanning (Australien) bei der Vergabe der WM-Krone trotzdem den Vortritt lassen. Fanning hätte beim Sieg von Slater vor Oahu nur maximal Fünfter werden dürfen, zog aber ins Halbfinale ein. Dort scheiterte er am späteren Finalisten John John Florence (Hawaii), der sich mit Slater einen spektakulären Zweikampf lieferte. Nachdem zuletzt immer wieder Gerüchte aufgekommen waren, Slater wolle seine erfolgreiche Karriere nach dieser Saison beenden, äußerte sich der Altmeister nach seinem Triumph über den erst 21 Jahre alten Florence selbst: "Heute war einer der besten Tage in meinem Leben. Wenn ich vor fünf Jahren aufgehört hätte, hätte ich das hier nicht erlebt. Ich will mehr solche Tage erleben, also werde ich nächstes Jahr definitiv wieder dabei sein."

Ski Alpin, St. Moritz: Maria Höfl-Riesch hat bei den Weltcup-Rennen in St. Moritz/Schweiz die erhoffte Top-Platzierung verpasst. Einen Tag nach Rang acht im Super-G belegte die Doppel-Olympiasiegerin im Riesenslalom Rang elf. Das Rennen gewann Weltmeisterin Tessa Worley (Frankreich) vor Jessica Lindell-Vikarby (Schweden/0,37 Sekunden zurück) und Gesamtweltcup-Siegerin Tina Maze (Slowenien/0,79). Veronique Hronek (Unterwössen) schied im ersten Durchgang aus, ebenso Simona Hösl (Berchtesgaden) und Patrizia Dorsch (Schellenberg). Lena Dürr (Germering) verfehlte auf Rang 46 den Finaleinzug. Olympiasiegerin Viktoria Rebensburg hatte wegen gesundheitlicher Probleme auf den Start in St. Moritz verzichtet.

Ski Nordisch, Ramsau: Kombinations-Weltmeister Eric Frenzel hat seinen dritten Saisonsieg gefeiert. Der 25-Jährige aus Oberwiesenthal setzte sich beim Weltcup in Ramsau nach einem 94,5-m-Sprung von der Normalschanze und dem 10-km-Langlauf mit 5,3 Sekunden Vorsprung auf den Norweger Haavard Klemetsen durch. Nach dem Springen hatte Frenzel auf dem dritten Platz gelegen.

Eiskunstlauf, Berlin: Die viermaligen Paarlauf-Weltmeister Aljona Savchenko und Robin Szolkowy haben mit dem achten Meistertitel einen deutschen Rekord aufgestellt. Mit ihrer Ballettkür zur Nussknacker-Suite gewannen die Chemnitzer am Sonntag in Berlin mit 215,72 Punkten vor den Oberstdorfern Maylin und Daniel Wende, die sie zu den Olympischen Winterspielen nach Sotschi begleiten werden. Weil die Deutsche Eislauf-Union (DEU) drei Startplätze bei der EM hat, fahren auch die Dritten Mari Vartmann/Aaron van Cleave (Berlin) im Januar nach Budapest. Zuvor hatte sich der Berliner Peter Liebers zum fünften Mal in die Siegerliste eingetragen.

Curling, Füssen: Das Curling-Team um Skip John Jahr hat Historisches geleistet. Zum ersten Mal konnte sich eine reine Hamburger Mannschaft für die Olympischen Winterspiele qualifizieren. Die Hanseaten gehen im nächsten Jahr in Sotschi an den Start. Beim Qualifikationsturnier in Füssen besiegten sie im Finale am Samstagabend Tschechien mit 7:4 nach Verlängerung. Damit schrieben Jahr, Felix Schulze, Christopher Bartsch, Sven Goldemann und Peter Rickmers ihr Wintermärchen 2013 fort. Bereits Ende November hatte sie dem Deutschen Curling-Verband in Norwegen den Wiederaufstieg in Europas A-Gruppe sowie die WM-Teilnahme 2014 gesichert. "Wir sind alle platt, ausgebrannt und unheimlich stolz. Die Entbehrungen des vergangenen halben Jahres haben einen Wert bekommen", sagte Schulze. Der Schlussspieler hatte im fünften End der regulären zehn Ends den Grundstein für den Erfolg gelegt. "Das waren unglaubliche drei Wochen, die wir wohl nie vergessen werden", meinte Jahr. Teamkamerad Bartsch ergänzte: "Wir haben uns einen Traum erfüllt!"

Langlauf, Davos: Denise Herrmann hat in Davos den ersten Weltcupsieg einer deutschen Ski-Langläuferin seit fast vier Jahren knapp verpasst. Die 24-Jährige aus Oberwiesenthal belegte beim zweiten Sprint-Wettbewerb der Olympiasaison den dritten Platz und schaffte damit wie schon in Kuusamo den Sprung auf das Podest. Zuletzt hatte Claudia Nystad am 20. März 2009 beim Sprint in Falun einen deutschen Einzelsieg geholt. Bei den Männern siegte der Norweger Anders Gloeersen. Herrmann, die die Qualifikation in Davos gewonnen hatte, musste sich im Finale Norwegens Topstar Marit Björgen und Teamsprint-Weltmeisterin Kikkan Randall aus den USA im Schlussspurt knapp geschlagen geben. Für die zwölfmalige Weltmeisterin Björgen, die bereits am Samstag das Rennen über 15 km gewonnen hatte, war es der 63. Weltcupsieg. Im Sprintweltcup für Randall mit 126 Punkten vor Björgen (120) und Herrmann (103). Hanna Kolb (Buchenberg) und Sandra Ringwald (Schönberg) schieden im Viertelfinale aus. Die zweimalige Olympiasiegerin Nystad (Oberwiesenthal) verpasste als 36. den Einzug in die K.o.-Rennen. In der Männer-Konkurrenz scheiterten Josef Wenzl (Zwiesel) und Sebastian Eisenlauer (Sonthofen) im Viertelfinale, die weiteren deutschen Starter waren bereits in der Qualifikation auf der Strecke geblieben.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.1844468
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
Süddeutsche.de/dpa/sid
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.