Süddeutsche Zeitung

Motorsport:Ein Titel fürs Museum

Mit seinem Sieg in Hockenheim gewinnt René Rast die DTM-Meisterschaft und gehört nun zu deren besten Fahrern.

Von Anna Dreher, Hockenheim/München

Vielleicht wird es doch eine Ausnahme geben für Tracy. Jetzt, wo sie für so eine herausragende Leistung und für das Ende einer Ära steht. Am Sonntag jedenfalls war wieder einmal Verlass auf sie, und nun wird der auf diesen Namen getaufte Audi RS5 Turbo also immer verbunden sein mit dem dritten Meistertitel von René Rast im Deutschen Tourenwagen Masters (DTM). "Ich glaube, dass die Meisterautos ins Museum kommen", sagte Rast am Sonntag bei Sat. 1, "aber ich werde versuchen, dann zumindest ein ähnliches Auto als Erinnerung zu bekommen."

Kurz zuvor hatte der 34-Jährige auf dem Hockenheimring ein in doppelter Hinsicht historisches Rennen beendet. Mit einem überdeutlichen Vorsprung von 10,1 Sekunden auf seinen zweitplatzierten Markenkollegen und größten Titelkonkurrenten Nico Müller war Rast beim Saisonabschluss als Erster über die Ziellinie gefahren. Sein britischer Teamkollege Jamie Green beendete das Rennen als Dritter. Bei einem Sieg von Müller hätte Rast auch Platz fünf gereicht, um die Meisterschaft zu gewinnen - doch er zeigte erneut sein fahrerisches Können. Von der Pole Position gestartet wurde Rast zunächst von Mike Rockenfeller überholt, Müller schob sich von Rang vier auf drei vor - und schließlich auch an Rockenfeller und Rast vorbei, als dieser nach 17 Runden einen Boxenstopp einlegte. Am Samstag hatte der Schweizer sich noch in einem engen Duell gegen Rast durchgesetzt und die Entscheidung vertagt. Doch am Sonntag ergatterte sich Rast die Führung zurück und gab sie nicht mehr ab. Die Meisterschaft gewann er mit 353 Punkten, 23 mehr als Müller.

Rast ließ im Auto erst einen lauten Jubelschrei los und weinte dann. "Ich kann das gar nicht in Worte fassen", sagte er. "Als ich über die Ziellinie gefahren bin, ist so viel Druck, so viel Last abgefallen. Ich wollte diesen Titel unbedingt." Er hat die Serie in den vergangenen Jahren dominiert wie kein anderer Fahrer. Nach dem Erfolg des Späteinsteigers in seiner DTM-Premierensaison 2017 und 2019 hat Rast nun zum dritten Mal die Meisterschaft gewonnen. Damit gehört der Mindener mit Klaus Ludwig, der ebenfalls drei Titel holte, und dem fünfmaligen alleinigen Rekordgesamtsieger Bernd Schneider zu den erfolgreichsten Fahrern in der mehr als dreißigjährigen Geschichte der DTM - der nun ein großer Umbruch bevorsteht.

2020 war die vorerst letzte Saison, in der Herstellerteams mit eigens entwickelten Prototypen an den Start gegangen sind. Nachdem sich Ende 2018 Mercedes zurückgezogen hatte, entschieden sich im Frühjahr erst Audi und in Folge dessen schließlich auch BMW zu diesem Schritt. Andere Automobilkonzerne konnte DTM-Chef Gerhard Berger nicht von einem Einstieg überzeugen. Und so kommt es zu einem radikalen Wandel. Ab 2021 werden eigenständige Teams mit Fahrzeugen auf GT3-Basis das Feld bilden. Damit verliert die DTM ihr Alleinstellungsmerkmal. Denn das künftige Regelwerk wird auch in anderen Serien angewandt. Doch um das Aus der DTM zu verhindern, blieb Berger kaum eine andere Wahl.

Geplant ist der Saisonstart der umgekrempelten DTM vom 28. bis 30. Mai 2021 in St. Petersburg. In Deutschland soll an vier Wochenenden mit dem traditionellen Abschluss in Hockenheim gefahren werden. Hinzukommen Stationen in Monza (Italien), Zolder (Belgien), Assen (Niederlande) und Spielberg (Österreich).

Derjenige, der diese Serie zuletzt so sehr geprägt hat, wäre hier gerne weiter gefahren. Ob René Rast aber unter den neuen Bedingungen dabei bleibt, ist fraglich. "Mir gingen schon im Auto so viele Dinge durch den Kopf", sagte Rast. "Ich musste aufpassen, weil ich schon Mitte des Rennens Tränen in den Augen hatte. Weil ich ja wusste, dass es das letzte in diesem Auto ist." Er wird 2021 mit Audi in der elektrischen Formel E antreten. Und so ist sein dritter Titel womöglich auch sein letzter in der DTM.

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Quelle:
SZ vom 09.11.2020
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