Süddeutsche Zeitung

RB-Sieg gegen Hoffenheim:Es wernert in Leipzig

  • Timo Werner ist der Grund, warum RB Leipzig in der Bundesliga weiter vorne dabei ist.
  • Der Stürmer schießt auch dann Tore, wenn er nicht unbedingt fehlerfrei spielt.

Zu den Personalien, die in den letzten Wochen für Furore sorgten, zählte jene von Erling Braut Haaland. Der 19-jährige Norweger von RB Salzburg gilt in der Szene als einer der verheißungsvollsten Stürmer, er hat in bislang 20 Pflichtspielen 27 Tore geschossen, darunter acht in der Champions League. Haalands aktueller Trainer Jesse Marsch deutete neulich an, dass er es für angebracht hielte, wenn Haaland sein Glück in Leipzig suchen sollte, und so wurde Leipzig-Manager Markus Krösche am Samstag gefragt, ob RB sich aktuell in einem weiteren Sinne mit der Personalie Haaland befasse.

Krösche sah sich zu einer zweigeteilten Antwort animiert. "Wir schlafen ja nicht im Schrank", sagte er einerseits. Andererseits gab er auch zu verstehen, dass man gar nicht so genau wisse, ob man im Winter Verstärkungen anstrebe. Denn: "Wir sind sehr zufrieden mit den Jungs, die wir haben." Das kann, ja muss man wohl sein als Verantwortlicher bei RB. Denn am Samstag eroberten die Leipziger die Tabellenführung zurück, die sie nach dem fünften Spieltag aus der Hand gegeben hatten. Durch einen 3:1-Sieg gegen die TSG 1899 Hoffenheim.

Die Hoffenheimer trugen ihren Teil dazu bei, dass in Leipzig ein Spiel der besseren Sorte zur Aufführung kam. Trotz der allfälligen Unzulänglichkeiten. "Wir hatten keinen super Sahnetag, aber viele Torschüsse und Torchancen", sagte etwa RB-Trainer Julian Nagelsmann, der im Sommer aus Hoffenhein nach Leipzig gewechselt war.

Auf 35 Torschüsse der Leipziger kamen die Statistiker - am Ende stand ein Doppelpack des nicht einmal ansatzweise fehlerfreien Timo Werner (11./52., Foulelfmeter) sowie ein abschließender Treffer des mitunter brillanten Marcel Sabitzer (83.). Der Anschlusstreffer der Hoffenheimer durch Ermin Bicakcic (89.) blieb Makulatur. "Leider muss ich Julian gratulieren", sagte Hoffenheims niederländischer Trainer Alfred Schreuder über Nagelsmann, dem er in Hoffenheim als Assistent zu Diensten gewesen war.

Nagelsmann war zuvor im Hoffenheimer Mannschaftshotel

Dass die beiden einander weiterhin schätzen, durfte schon am Vorabend der Partie als belegt gelten. Nagelsmann suchte das Hoffenheimer Mannschaftshotel auf, um alte Freunde und Weggefährten zu treffen - allen voran Schreuder. Am Samstag zeigte die Stadionuhr noch nicht einmal 15:31 Uhr an, als die Leipziger durch Regisseur Emil Forsberg die erste von zahlreichen Großchancen vergaben. Die ganze erste halbe Stunde gehörte den Leipzigern, doch abgesehen von dem frühen Führungstreffer durch Werner obsiegte Hoffenheims Torwart Oliver Baumann bei nahezu allen Duellen. Es scheiterten Werner, Upamecano, Forsberg.

Das hielt die Hoffenheimer nicht nur im Spiel, es erinnerte sie daran, dass ihr Trainer Schreuder sie vor der Partie ermahnt hatte, auch nach Rückschlägen noch Mut zu zeigen, nach vorn zu spielen, den Ball laufen zu lassen. Die beste Chance für die TSG aber ergab sich aus einer Unachtsamkeit von Leipzigs Torwart Peter Gulacsi. Einen Pass des Keepers fing Kaderabek ab; seinen Pass setzte Geiger an den Pfosten (39.). Zuvor hatte Bicakcic nach einer Ecke den Ball aus fünf Metern nur knapp neben das Tor gesetzt.

"Nach der Führung haben wir nicht mehr gut verteidigt und hatten nicht mehr die Emotionalität im Anlaufen. Beim Pfostenschuss hatten wir Glück, das muss eigentlich das 1:1 sein", sagte Nagelsmann. Doch es begab sich, dass Werner kurz nach der Pause einen Strafstoß erzwang, den er selbst verwandelte, um seine bisherige Saisonbilanz auf 15 Bundesligatreffer zu schrauben - allein in den letzten fünf Spielen wernerte es neun Mal.

Emil Forsberg und der eingewechselte Christopher Nkunku zielten bei sehenswerten Aktionen jeweils knapp am rechten oberen Winkel des Hoffenheimer Tores vorbei. Doch das war den Leipzigern am Ende wegen ihres dritten Treffers ähnlich egal wie der Umstand, dass man durch den spät herbeigeführten 2:1-Sieg der Mönchengladbacher den möglichen Sprung an die Tabellenspitze verpasste. "Ich werde trotzdem gut schlafen können", sagte Manager Krösche - zumal die Woche nicht viel Zeit lässt, dem Spieltag nachzuhängen. In der Champions League steht die Reise zu Olympique Lyon an - und dort will Leipzig am Dienstag am letzten Spieltag der Vorrundengruppe G die Tabellenführung sichern. Und sich damit eine gute Ausgangsposition für die folgende Achtelfinalrunde sichern.

Bestens informiert mit SZ Plus – 14 Tage kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.4714269
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ vom 08.12.2019/jbe
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.