Süddeutsche Zeitung

Kader für die Fußball-WM:Balotelli hat viel Konkurrenz im Sturm

Italiens Nationaltrainer Cesare Prandelli muss noch kräftig aussortieren, er beruft 30 Spieler in den vorläufigen WM-Kader. Deutschlands erster Gegner Portugal nimmt Offensivspieler Vieirinha vom VfL Wolfsburg mit. Für Kolumbien ist überraschend Elkin Soto von Mainz 05 nominiert.

Noch fünf Wochen, dann beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft. Die Trainer haben schon jetzt jede Menge Stress und müssen entscheiden: Wen nehmen sie mit nach Brasilien? Wen rufen sie an, um ihm mitzuteilen, dass es nicht ganz gereicht hat? Weitere Coaches haben ihren vorläufigen Kader bereits bekanntgeben.

  • Italien: Der viermalige Weltmeister Italien startet mit den Routiniers Gianluigi Buffon und Andrea Pirlo sowie Stürmerstar Mario Balotelli in die Vorbereitung für die Fußball-WM in Brasilien. Die drei Profis gehören zum 30-köpfigen vorläufigen Kader Italiens für das Turnier, den Nationaltrainer Cesare Prandelli am Dienstag bekanntgab. Mit dabei ist auch der lange verletzte Stürmer Giuseppe Rossi vom AC Florenz. Allein im Sturm sind sieben Spieler nominiert: Mario Balotelli (AC Mailand), Antonio Cassano (Parma), Giuseppe Rossi (Florenz), Alessio Cerci (FC Turin), Ciro Immobile (FC Turin), dem Verbindungen zum BVB nachgesagt werden, Mattia Destro (AS Rom), Lorenzo Insigne (SSC Neapel). Die Squadra Azzurra beginnt ihre Vorbereitung am 20. Mai mit dem Trainingslager in Florenz, es folgen Testspiele gegen Irland, Luxemburg und den brasilianischen Club Fluminense.
  • Frankreich: Mit FC-Bayern-Star Franck Ribéry und 29 weiteren Profis geht die französische Fußball-Nationalmannschaft in die Vorbereitung auf die WM in Brasilien. Das vorläufige Aufgebot von Trainer Didier Deschamps wurde am Dienstagabend im Hauptnachrichtenprogramm des TV-Senders TF1 bekanntgegeben. Der Kader der Bleus setzt sich aus 23 gesetzten WM-Fahrern und aus sieben Reservisten zusammen. Neben Ribéry wurden unter anderem die Real-Madrid-Profis Karim Benzema und Raphael Varane, Abwehrroutinier Patrice Evra von Manchester United sowie Juventus-Jungstar Paul Pogba berufen. Samir Nasri von Manchester City ist nicht dabei.
  • Spanien: Welt- und Europameister Spanien geht das Unternehmen Titelverteidigung bei der Fußball-WM in Brasilien (12. Juni bis 13. Juli) mit Thiago und Javi Martínez vom deutschen Rekordmeister Bayern München an. Trainer Vicente del Bosque berief am Dienstag 30 Spieler in seinen vorläufigen Kader, am 2. Juni muss er beim Weltverband FIFA sein endgültiges 23er-Aufgebot benennen. Der Erfolgstrainer kündigte aber schon an, am 25. Mai seine WM-Fahrer zu verkünden. Hoffnung auf die WM-Teilnahme darf sich auch der Ex-Leverkusener Daniel Carvajal vom spanischen Rekordmeister Real Madrid machen. Die Spanier hatten mit der EM 2008, der WM 2010 und der EM 2012 zuletzt drei große Turniere in Folge gewonnen. In Brasilien treffen die Iberer in der Vorrunde in der Gruppe B auf Vize-Weltmeister Niederlande, Geheimfavorit Chile und Australien.
  • Portugal: Offensivspieler Vieirinha vom VfL Wolfsburg steht im vorläufigen Aufgebot Portugals für die Fußball-WM in Brasilien (12. Juni bis 13. Juli). Der 28-Jährige wurde von Nationaltrainer Paulo Bento am Dienstag in den 30er-Kader berufen, der von Real Madrids Cristiano Ronaldo angeführt wird. Portugal ist in Gruppe G am 16. Juni in Salvador erster Prüfstein für die deutsche Auswahl, weitere Gegner sind die USA und Ghana.
  • Niederlande:Bondscoach Louis van Gaal hat in Arjen Robben, Klaas Jan Huntelaar, Rafael van der Vaart und Paul Verhaegh gleich vier Bundesliga-Profis in seinen vorläufigen WM-Kader berufen. Van Gaal nominierte am Dienstagabend 30 Spieler, darunter auch die Routiniers Wesley Sneijder, Nigel de Jong und Dirk Kuyt. Als prominenteste Spieler fanden dagegen Gregory van der Wiel von Paris St. Germain und John Heitinga vom Felix-Magath-Club FC Fulham keine Berücksichtigung. Bis zum 2. Juni muss van Gaal noch sieben Spieler streichen. Sein erstes Testspiel bestreitet der Vize-Weltmeister am Samstag in Amsterdam gegen Ecuador.
  • Kolumbien: Radamel Falcao darf trotz seiner schweren Knieverletzung weiter auf eine WM-Teilnahme hoffen. Kolumbiens Trainer José Pékerman berief den Torjäger vom AS Monaco am Dienstag genau wie Adrian Ramos von Hertha BSC und überraschend auch Elkin Soto von Mainz 05 in das vorläufige Aufgebot für die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien. Falcao hatte sich im Januar während eines Pokalspiels einen Kreuzbandriss im linken Knie zugezogen. Seitdem bestritt der 28-Jährige kein Spiel mehr für seinen französischen Verein, der ihn im vergangenen Jahr für geschätzte 60 Millionen Euro Ablösesumme von Atletico Madrid verpflichtet hatte. Der Noch-Berliner Ramos gilt als möglicher Ersatz, falls Falcao bis zum ersten WM-Spiel am 14. Juni gegen Griechenland nicht mehr rechtzeitig fit werden sollte. Allerdings ist die Konkurrenz im kolumbianischen Angriff mit Jackson Martinez vom FC Porto, Luis Muriel von Udinese Calcio und Carlos Bacca vom FC Sevilla sehr groß. Die weiteren Gruppengegner der Südamerikaner bei der WM sind die Elfenbeinküste und Japan.
  • Elfenbeinküste: Didier Drogba kann seine dritte Fußball-WM planen. Der verletzte Angreifer ist am Mittwoch von Sabri Lamouch in den derzeit noch 28 Spieler umfassenden Kader der Elfenbeinküste für Brasilien berufen worden. Der ehemalige Chelsea-Stürmer, bis zum Ende der Saison noch bei Galatasaray Istanbul unter Vertrag, war bereits bei den bisherigen WM-Teilnahmen des afrikanischen Landes 2006 und 2010 dabei. Im vorläufigen Kader von Lamouch stehen drei Bundesligaspieler: Arthur Boka (VfB Stuttgart), Constant Djakpa (Eintracht Frankfurt) und Didier Ya Konan (Hannover 96). Auch Mathis Bolly vom Zweitligisten Fortuna Düsseldorf steht im vorläufigen Aufgebot.
  • Belgien: Mit den drei Bundesliga-Legionären Daniel Van Buyten vom FC Bayern München, Kevin De Bruyne vom VfL Wolfsburg und Koen Casteels von 1899 Hoffenheim will der belgische Fußball-Nationaltrainer Marc Wilmots die WM bestreiten. Das gab der ehemalige Profi am Dienstag bekannt. Der größte Teil seines vorläufigen 24-köpfigen Kaders kickt in der englischen Premier League. Allein elf Akteure verdienen ihr Geld auf der Insel, darunter der Ex-HSVer Vincent Kompany von Meister Manchester City, Eden Hazard vom FC Chelsea und Keeper Simon Mignolet vom FC Liverpool. Auch Youngster Adnan Januzaj von Manchester United schaffte den Sprung in den WM-Kader. Der Offensivspieler hatte sich erst vor wenigen Tagen dafür entschieden, für Belgien spielen zu wollen. Aufgrund seiner Abstammung hätte er für mehrere Länder antreten dürfen.
  • Schweiz: Der Schweizer Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld setzt vor allem auf Spieler aus der Bundesliga. Der frühere Meistercoach nominierte am Dienstag in Zürich neun Profis aus der höchsten deutschen Spielklasse. Nicht im 23 Mann umfassenden Kader für Brasilien steht überraschend der Leverkusener Stürmer Eren Derdiyok. Der VfL Wolfsburg ist dank Diego Benaglio und Ricardo Rodriguez ebenso mit zwei Spielern vertreten wie der SC Freiburg mit Gelson Fernandes und Admir Mehmedi. In der Bundesliga unter Vertrag sind zudem Johan Djourou (Hamburg), Tranquillo Barnetta (Frankfurt), Xherdan Shaqiri (Bayern München), Granit Xhaka (Mönchengladbach) und Josip Drmic (Nürnberg). Basels Torwart Yann Sommer spielt zukünftig für Mönchengladbach. Frankfurts Barnetta wurde nominiert, obwohl er zuletzt wegen eines Muskelfaserrisses zuschauen musste. Neben Derdiyok stehen weitere Bundesligaprofis auf Abruf bereit: Torwart Marwin Hitz (Augsburg), Timm Klose (Wolfsburg) und Pirmin Schwegler (Frankfurt).
  • Chile: Der frühere Bundesliga-Profi Arturo Vidal (26) steht trotz seiner Knieoperation aus der vergangenen Woche wie erwartet im vorläufigen Aufgebot Chiles für die Fußball-WM (12. Juni bis 13. Juli). Trainer Jorge Sampaoli berief den Mittelfeldstar vom italienischen Rekordmeister Juventus Turin am Dienstag in seinen 30-Mann-Kader. Der ehemalige Leverkusener Vidal laboriert seit einiger Zeit an Meniskusproblemen im rechten Knie und hatte sich dem Eingriff unterzogen, der seine WM-Teilnahme nicht gefährden soll. Chile gilt beim Weltturnier in Brasilien als Geheimfavorit, allerdings warten schwere Vorrundengegner auf die Südamerikaner. In der Gruppe B trifft Chile auf Weltmeister Spanien, Vizeweltmeister Niederlande und Australien.
  • Iran: Irans Nationaltrainer Carlos Queiroz hat neben Daniel Davari von Eintracht Braunschweig vier weitere Torhüter in das vorläufige Aufgebot für die WM in Brasilien berufen. Der langjährige Stammkeeper Mehdi Rahmati befindet sich wie bereits zuvor angekündigt jedoch nicht im 30-Mann-Kader, der am Dienstag veröffentlicht wurde. Davari hatte im November vergangenen Jahres sein Debüt für den Iran gegeben und besitzt gute Chancen für die Berufung in das endgültige Aufgebot, in dem drei Schlussmänner stehen werden. Insgesamt verdienen sieben Profis aus dem erweiterten Kader ihr Geld in Europa, darunter der frühere Bundesliga-Profi Ashkan Dejagah. Der ehemalige Deutschland-Legionär Ali Karimi wurde nach seinem Rücktritt aus dem Nationalteam wie erwartet nicht nominiert.
  • Uruguay: Angeführt von Luis Suárez und Edinson Cavani startet die Fußball-Nationalmannschaft Uruguays in die Vorbereitung für die WM in Brasilien (12. Juni bis 13. Juli). Trainer Oscar Tabarez nominierte am Montag einen Kader von 25 Spielern, überraschte dabei nicht und verzichtete auch auf Oldie Sebastián Abreu (37), der sich noch Hoffnungen gemacht hatte.

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