Süddeutsche Zeitung

Historischer Erfolg für den FC Basel:Grinsend gegen die Bayern-Wucht

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Sie traten als Außenseiter an und schafften einen Triumph, wie ihn der Schweizer Klubfußball nie erlebte: Der Sieg des FC Basel gegen die Bayern bringt die Eidgenossen ins Schwärmen und lässt die Spieler in der Champions League von noch größeren Taten träumen. Zu verdanken haben es die Basler auch ihrem deutschen Trainer.

Claudio Catuogno, Basel

Der Straßenbahnfahrer hatte den Leuten noch einen kleinen Scherz mit auf den Weg gegeben: "Viel Spaß am Match" - so nennen die Schweizer ihre Fußballspiele -, und: "Wenn heute Abend einer gewinnt, dann ist's der FCB." Ha, ha, lachten die Fahrgäste, ein Schenkelklopfer. Basel gegen Bayern, FCB gegen FCB, das mochte ja eine nette Analogie sein. Grund zum Lachen hatten die Basler aus anderem Grund.

Die Gäste aus München haben sich später nicht damit aufgehalten, sich über die Dimension Gedanken zu machen, die es haben kann, wenn man ein Spiel gegen sie gewinnt. Fakt ist aber, dass der FC Basel gerade den größten Erfolg in der Geschichte des Schweizer Klubfußballs gefeiert hat. Nie zuvor hatte ein Verein aus dem Alpenland das Achtelfinale der Königsklasse erreicht.

Der deutsche Trainer Heiko Vogel, der selbst lange beim FC Bayern in der Jugendabteilung wirkte, bekam folglich das Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht, als er die "famose" Standhaftigkeit seiner Elf gegen die "Bayern-Wucht" würdigte. "Fokus, Wille, die notwendige Gelassenheit und eine riesige Portion Talent", das macht laut Vogel die Basler Elf dieses Jahres aus, "und mit dieser Mischung schaffen wir es, auch Gegner zu bezwingen wie Bayern München und Manchester United." Vogel und seine Jungs hatten die Engländer im letzten Gruppenspiel in die Europa League degradiert.

Und nun? "Ich glaube, unsere Chancen auf das Viertelfinale sind nicht schlechter geworden", sagte Vogel trocken. "Wir haben in dieser Champions-League-Kampagne schon bewiesen, dass wir auch auswärts wissen, wo das Tor steht." Die Basler haben bisher noch keines ihrer Auswärtsspiele verloren. Sollte ihnen auch in der Münchner Arena ein Tor gelingen, bräuchten die Bayern schon drei Treffer, um weiterzukommen.

Sie trauen sich noch nicht recht zu träumen beim FC Basel, aber ihnen ist bewusst, dass sie das Potenzial haben, nach den Sternen zu greifen mit dieser Elf auf dem Höhepunkt ihrer Schaffenskraft. Routiniers wie Marco Streller und Alex Frei ergänzen sich mit Talenten wie Granit Xhaka und dem künftigen Münchner Xherdan Shaqiri, der auch am Mittwoch andeutete, dass seine Verpflichtung eine gute Idee gewesen sein könnte.

So ist es nun ein Balanceakt zwischen Euphorie und Bescheidenheit, die dem Schweizer Meister in den kommenden Wochen bevorsteht. Ihr Kapitän Streller hat schon mal vorgemacht, wie das geht: "Die Superlative gehen aus", schwärmte er, "aber wir müssen trotzdem demütig bleiben, wie wir Schweizer das gut können. Ich sage sicher nicht, wir wollen auch in dieses Finale am 19.5. in München, ich bin ja nicht bescheuert."

Andererseits: "Der Druck auf die Bayern ist jetzt im Rückspiel schon sehr hoch." Wieder andererseits: "Bayern kann mit diesem Druck natürlich umgehen." Und am Ende, schon klar, gewinnt der FCB.

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SZ vom 24.02.2012/jbe
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