Süddeutsche Zeitung

Handball:Kiel entgleiten die Titel-Chancen

Noch im Dezember träumte der THW Kiel vom Quadruple - doch nach einer schmerzhaften Pleite in Magdeburg scheint der Rekordmeister nun auch den dritten Titel verspielt zu haben.

Von Carsten Scheele

Paris, Lemgo, Magdeburg - auf diese drei Städte dürften sie beim THW Kiel nochmal zu sprechen kommen, wenn es darum geht, irgendwann eine Bilanz dieser Corona-Spielzeit zu ziehen. Dem Champions-League-Sieg im Dezember sollten ja ursprünglich bis zum Sommer drei weitere Titel folgen, ein Quadruple schien möglich zu sein, ein Triple auch, das Double sowieso. Nun sind die Kieler aber in der neuen Saison der Königsklasse im Viertelfinale an Paris Saint-Germain gescheitert; im DHB-Pokal folgte das Halbfinal-Aus gegen die TBV Lemgo-Lippe, trotz eines Sieben-Tore-Vorsprungs zur Halbzeit. Nun also Magdeburg.

Die 33:34-Niederlage könnte der entscheidende Rückschlag im sehr engen Meisterschaftsrennen gewesen sein, das sich der THW mit Titelverteidiger SG Flensburg-Handewitt liefert. Einen Zähler lag Kiel zuletzt vor dem ärgsten Rivalen, nun ist der Rekordmeister einen zurück. "Man muss davon ausgehen, dass sich Flensburg das nicht mehr nehmen lässt", sagte THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi. Auch Ausnahmespieler Sander Sagosen wurde gefragt, ob es das schon war mit der Meisterschaft. Der Rückraumspieler antwortete, er sei "unglaublich traurig jetzt".

Mit Recht, denn gewinnt Flensburg seine übrigen Saisonspiele, wird der THW erneut bloß Zweiter. Der Blick auf das Restprogramm bestätigt obendrein, dass die Kieler Anlass für Trübsal haben. Flensburg erwartet Gegner auf mäßigem bis leicht gehobenem Schwierigkeitsniveau, trifft zwar noch auf die Füchse Berlin, ansonsten aber auf Nordhorn, Erlangen und Balingen. Kiel muss gegen Minden, Göppingen, Ludwigshafen und Lemgo ran - und am letzten Spieltag auswärts bei den Rhein-Neckar Löwen. Mit den Kräften sind beide Teams nach der langen Spielzeit am Ende, doch die SG schafft es seit Wochen verblüffend, die Konzentration hoch zu halten.

"Mit einem Tor zu verlieren, tut weh", klagt Kapitän Domagoj Duvnjak

Kiel hatte vor 1500 Zuschauern gegen wie aufgedreht spielende Magdeburger bis kurz vor Schluss noch einen Punkt in Aussicht, doch ereilte sie während der Partie wohl ein Rückschlag zu viel: Abwehrchef Hendrik Pekeler hatte kurz vor der Pause die rote Karte gesehen, nach einem leichten Tritt in Richtung von Magdeburgs Piotr Chrapkowski; zudem verletzten sich Steffen Weinhold (Platzwunde) und Niclas Ekberg (Knie). Während Weinhold auf der Bank einen dicken Turbanverband angelegt bekam, könnte Rechtsaußen Ekberg mehrere Wochen ausfallen. Trotzdem konnte Kiel den zwischenzeitlichen Sechs-Tore-Rückstand noch auf einen Treffer reduzieren. "Mit einem Tor zu verlieren, tut weh", klagte Kapitän Domagoj Duvnjak im Sender Sky: "Du kämpfst zehn Monate für solche Spiele. Durch solche Spiele gewinnst du Meisterschaften."

Oder man verliert sie. Auch Duvnjak wurde gefragt, ob es das nun gewesen sei mit der Meisterschaft. Der Kroate sagte, es falle ihm schwer, "jetzt noch Optimismus zu zeigen".

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