Süddeutsche Zeitung

FC Bayern:Guardiola: "Zu Hause würde Uli nur die Möbel auffressen"

Pep Guardiola im SZ-Gespräch über die Rückkehr von Uli Hoeneß ins Präsidentenamt des FC Bayern, einen unvergleichlichen Tag am Tegernsee - und darüber, was er Hoeneß heute noch nachträgt.

In seinen drei Jahren als Trainer des FC Bayern hat Pep Guardiola alle Gesprächsanfragen abgelehnt. Keine Interviews. Fragen beantwortet er nur auf Pressekonferenzen. Dass Guardiola, der inzwischen Manchester City trainiert, davon nun eine Ausnahme macht, verdeutlicht, wie wichtig ihm das Thema ist, zu dem ihm die SZ in dieser Woche eine Anfrage übermittelt hat: die Rückkehr von Uli Hoeneß ins Präsidentenamt des FC Bayern.

"Es macht mich sehr glücklich, zu sehen, dass Uli zurückkehrt, allein schon, weil ich weiß, dass er zu Hause bloß die Möbel auffressen würde", sagte Guardiola der SZ während seines Aufenthalts in Deutschland. Am Mittwochabend spielte Manchester City in der Champions League 1:1 bei Borussia Mönchengladbach. Außerdem erwartet Guardiola, "dass es sicher auch Ulis Frau gut tun wird, dass er wieder an die Spitze des FC Bayern zurückkehrt". Vor allem freue er sich aber über Hoeneß' Comeback, "weil ich in der Zeit, in der ich in München war, gelernt habe, dass es eine Essenz, eine Seele des FC Bayern gibt: Uli."

"Es ist viel von unserem ersten Treffen erzählt worden, und ich denke immer noch gern daran zurück"

Aus Guardiolas Umfeld war oft zu hören gewesen, wie sehr er es bedauerte, dass Hoeneß' Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung ausgerechnet in seine Münchner Trainerzeit fiel. "Wir hatten von Beginn an die richtige Wellenlänge, und deshalb bedauere ich es auch, dass wir zu meiner Zeit beim FC Bayern wegen der Umstände nicht den Kontakt hatten, den ich mir erhofft und gewünscht hatte. Ich bedauere das, weil er wirklich den FC Bayern verkörpert. Bei mir zu Hause in Katalonien glaubt mir kaum jemand, wenn ich erzähle, dass er seit 40 Jahren, seit seiner Zeit als Spieler in den 1970er Jahren, die prägende Gestalt des FC Bayern überhaupt ist. Und erst recht weiß niemand, wie sehr er die Personalplanung beim FC Bayern geprägt hat. Ich meine da eben nicht nur die Fußballer der Profi-Mannschaft, die er geholt hat. Sondern vor allem die Leute, die beim FC Bayern auf der Geschäftsstelle arbeiten, und die den FC Bayern auch verkörpern."

Ein Besuch von Uli Hoeneß in New York, wo Pep Guardiola nach seiner erfolgreichen Zeit beim FC Barcelona ein Sabbatical-Jahr verbrachte, hatte Ende 2012 bei Guardiola den emotionalen Ausschlag gegeben, das Angebot aus München anzunehmen. "Es ist viel von unserem ersten Treffen erzählt worden, und ich denke immer noch gern daran zurück", erzählte Guardiola nun der SZ. "Als ich damals eine Auszeit genommen hatte und in New York lebte, kam er ja zu uns, und Cristina, meine Frau, kochte für uns. Er war übrigens nicht der erste Bayer, den ich traf. Vorher hatte ich mich schon mit Karl-Heinz Rummenigge in Barcelona unterhalten."

Rummenigge war der Umstände halber auch Guardiolas erster Ansprechpartner während seiner Münchner Zeit. Hoeneß? Der fehlte Guardiola ganz offenbar, auch als emotionaler Gegenpart zum eher kühlen Aufsichtsratsvorsitzenden. "Mit Uli war immer ein ganz besonderes Feeling da", berichtet der Trainer. "Er ist einfach ein authentischer, ein aufrichtiger, ein herzlicher und professioneller Typ, der geliebt wird und beliebt ist. Man muss nur einmal schauen, wie er an der Säbener Straße behandelt wird, um zu registrieren, wie wahnsinnig ihn die Leute dort lieben. So wie ich: Ich mag ihn, ich mag ihn wirklich sehr. Für alles, was er mir menschlich mitgegeben hat, für Einladungen wie jene in sein Haus am Tegernsee, wo wir zusammen mit seiner Frau Susi einen wirklich unvergesslichen Tag verbringen durften."

Es gebe aber auch Dinge, "die ich ihm nachtrage", sagte Guardiola der SZ, wenn auch eher im Scherz: "Erstens, dass ich nie wieder seine Würstchen probieren konnte, die so gut sind wie er selbst." Und zweitens: "dass er noch nicht in Manchester war, obwohl er es mir versprochen hat. Andererseits: Ich weiß, er wird das schon machen, denn Uli ist einer dieser Menschen, die ihr Wort halten."

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