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Stadionnamen bei der Fußball-EM:Wo geht's zur Football Arena?

Während der Heim-EM müssen die deutschen Stadien ihre üblichen Sponsorennamen loswerden. Eine zwölfmonatige Suche bringt merkwürdige Lösungen hervor.

Glosse von Tim Brack

Es ist noch ein großes Rätsel, welche Namen auf den Trikots der deutschen Spieler bei der Heim-EM im nächsten Jahr stehen werden. Bundestrainer Hansi Flick castet gerade seine Mannschaft. Ein paar Namen gibt es für das Turnier aber bereits zu verkünden: die der zehn EM-Stadien.

Die aus der Bundesliga bekannten Sponsorennamen für die Spielstätten müssen weichen. Wer im Umfeld der Europameisterschaft werben will, soll schließlich die Konten des europäischen Fußballverbands füllen. Die Uefa montiert daher die üblichen Schriftzüge den Sommer über ab. Es mussten neue Namen her.

Leicht kann man es sich bei der Namensfindung nicht machen, halb Europa ist zu Gast, sollte also schon was hermachen, und verständlich muss es auch sein. Nach allem, was man weiß, gingen die Namensgeber ihre Aufgabe fast so ernst an, als würden sie ihr Neugeborenes benennen. Sie philosophierten, diskutierten, schrieben Abhandlungen, legten Tarotkarten. Eine Option: Einfach die Sponsoren durch die jeweilige Branche ersetzen: Das Versicherungsstadion in Dortmund? Die Autohersteller-Arena in Stuttgart? Das Dosenrund in Leipzig? Nicht mit den strengen Uefa-Werbehütern! So erstreckte sich die mit behördlicher Gründlichkeit durchgeführte Suche am Ende über (kein Witz!) zwölf Monate.

Der Größenwahn der Stadt Gelsenkirchen

Getauft wurden die Spielorte nach diesem nervenzerrenden Prozess wie folgt: Cologne Stadium, Leipzig Stadium, Munich Football Arena, BVB Stadion Dortmund, Düsseldorf Arena, Frankfurt Arena, Stuttgart Arena, Arena AufSchalke, Volksparkstadion Hamburg.

Die Mischung ist so inkonsequent wie die Handregel beim Fußball: Mal heißt es Stadion, mal Arena. In Köln, München und Leipzig wird offenbar Englisch gesprochen, in Dortmund hat der ansässige Klub seine Initialen in den Namen geschmuggelt. Der Kicker überlieferte zudem den Größenwahn der Stadt Gelsenkirchen. Diese habe überzeugt werden müssen, "dass Schalke im europäischen Fußball der bekanntere Begriff ist" (wieder kein Witz!).

Die Namenauswahl mag zwar nicht besonders originell sein, doch am meisten leidtun muss einem Berlin. Ausgerechnet in der Stadt der Kreativagenturen steht auch während der EM das schnöde alte Olympiastadion. Dabei hätte Arena of Big City Dreams doch so einen schönen Klang gehabt.

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