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David Alaba vor Comeback beim FC Bayern:Wer nicht hören will, will spielen

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Er passt zwei Mal präzise und erzielt einen Treffer selbst. Mit der Ungeduld eines Aufmüpfigen empfiehlt sich David Alaba nach seiner Verletzungspause im Länderspiel beim 4:0 mit Österreich für den FC Bayern. Jupp Heynckes steht jetzt vor einer Erziehungsfrage.

Samuel Burgener

Vorab ein Hinweis: Wer jünger als 21 ist und noch unter Obhut steht, sollte hier bitte nicht weiterlesen! Es ist vielleicht nicht gut, wenn herauskommt, dass es manchmal ziemlich gut ist, nicht auf die Aufsichtspersonen zu hören.

Der 20-jährige David Alaba, ansonsten seriöser Jungprofi beim FC Bayern, tat am Dienstagabend nicht das, was sich Bayern-Trainer Jupp Heynckes im Sinne einer vollständigen Genesung gewünscht hatte: Er spielte für die österreichische Nationalmannschaft im Qualifikationsspiel zur WM 2014 gegen Kasachstan (4:0), obwohl er erst seit zwei Wochen wieder mit der Mannschaft des FC Bayern trainiert. Im Sommer hatte sich Alaba im Trainingslager am Gardasee einen Ermüdungsbruch im linken Fuß zugezogen; in dieser Saison konnte er sich noch nie unter ernsthaften Bedingungen beweisen.

Im Ernst-Happel-Stadion in Wien jedenfalls spielte Alaba nicht nur mit, er spielte furios, schlug zwei schöne Pässe, die zu Toren führten, und schoss das 3:0 selbst. Er war "verantwortlich für die spielerische Linie im Team" (Kurier) und tänzelte vor Spiellust. Zumindest 80 Minuten lang, danach war er mit seiner Kraft am Ende. Davor habe er "oft durchpusten" müssen, sagte Alaba am Donnerstag.

Jupp Heynckes, Alabas Erzieher in Deutschland, war sehr skeptisch, als er von der Idee des österreichischen Nationaltrainers Marcel Koller erfahren hatte, Alaba für das Spiel aufzubieten. Der FC Bayern ließ am Donnerstag zwar verlauten, es sei alles "abgemacht und besprochen" gewesen zwischen Heynckes und Koller. Doch wäre David Alaba im Länderspiel offensichtlich überfordert gewesen oder hätte er sich gar erneut verletzt - Heynckes hätte betonen können, dass es sich eben doch lohnt, auf den Aufpasser zu hören. Nun muss Heynckes eingestehen, dass der bestmögliche Fall eingetreten ist: Alaba kehrt mit Selbstvertrauen und Spielpraxis nach München zurück.

Der Ausbüxer jedenfalls scheint die Bildungsreise in die Heimat genossen zu haben. Er habe im Länderspiel Energie getankt, die er nun für seinen Arbeitgeber zu verbrauchen gedenke. Ob der gutgelaunte Alaba am Wochenende im Spiel gegen Fortuna Düsseldorf mitmachen darf, ist offen. Beim FC Bayern bewerben sich um die Plätze in der Startformation bekanntermaßen ein paar Schwergewichte mehr als in Österreichs Nationalteam. Vielleicht lässt Heynckes Alaba auch bewusst auf der Bank. Er könnte das als erzieherische Maßnahme sehen.

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Quelle:
SZ vom 19.10.2012/mem
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