Süddeutsche Zeitung

Deutsche Biathleten:"Das lag an meinem Unvermögen, nicht an der Waffe"

  • Die deutsche Biathleten erleben einen verpatzten Saisonstart in Östersund.
  • Vor allem am Schießstand hapert es: Beide Staffeln leisten sich Strafrunden.
  • "Für mich war das eine katastrophale Woche", resümiert Arnd Peiffer sogar.

Wenn selbst die vermeintlich Stärksten schwächeln, wird es schwierig. Diese Erkenntnis machten am Sonntag auch die deutschen Biathletinnen wieder einmal. Beim Weltcup-Auftakt in Östersund zitterten Denise Herrmann im abschließenden Staffelrennen ein wenig die Hände, sie schoss so oft daneben, dass sie einmal in die Strafrunde musste. Nicht einmal die starke Schlussläuferin Franziska Preuß konnte den Rückstand aufholen, am Ende reichte es für das Frauen-Quartett des Deutschen Skiverbandes (DSV) zu Platz vier, wie bei der WM im März an gleicher Stelle. Damals agierte noch die inzwischen zurückgetretene Laura Dahlmeier, 26, als Schlussläuferin; die Lücke, welche die siebenmalige Weltmeisterin und zweimalige Olympiasiegerin hinterlässt, soll bei den Frauen vor allem die Verfolgungs-Weltmeisterin Denise Herrmann schließen. Doch die ehemalige Langläuferin tut sich damit noch etwas schwer.

Überhaupt sind die deutschen Biathleten mühsam in das Jahr eins nach Dahlmeier gestartet. Beim Weltcup-Auftakt in Schweden standen sie nur einmal auf dem Podest: Franziska Preuß und Erik Lesser auf Platz zwei in der Single-Mixed-Staffel. Die besten individuellen Ergebnisse erreichten die DSV-Biathleten jeweils in den Sprintrennen: Bei den Männern wurde Johannes Kühn Sechster, bei den Frauen belegten Preuß und Herrmann die Plätze vier und sechs.

Man kann also nicht gerade von einem gelungenen Saisonauftakt der DSV-Biathleten sprechen, Arnd Peiffer resümierte sogar: "Für mich war das eine katastrophale Woche." Den Sprint-Olympiasieger von 2018 und Einzel-Weltmeister von 2019 hatte es tatsächlich am schlimmsten erwischt. Erst verhinderte ein Magen-Darm-Virus seine Starts in der Mixed-Staffel und im Sprint am vorigen Wochenende, dann war er zwar wieder fit fürs Einzelrennen über 20 Kilometer am Mittwoch, stürzte dort aber und erlitt eine Platzwunde am Hinterkopf sowie Prellungen. Zu allem Übel ging dabei sein Gewehr entzwei, weshalb er im Staffelrennen am Samstag mit einer Ersatzwaffe antreten musste. Nachdem er zunächst noch tadellos getroffen hatte, musste er beim Stehendanschlag dreimal nachladen und dann trotzdem noch eine Strafrunde absolvieren. "Das lag an meinem Unvermögen, nicht an der Waffe", haderte der 32-Jährige. Peiffer war freilich nicht allein schuld, dass die deutsche 4 x 7,5-Kilometer-Staffel nur auf Platz acht ankam, "ein Ergebnis, mit dem wir absolut nicht zufrieden sein können", wie er selbst zugab.

Der Bundestrainer versucht, gelassen zu bleiben

Startläufer Erik Lesser hatte als Erster an Philipp Horn übergeben, doch der 25-Jährige, der für den formschwachen Simon Schempp in die Staffel gerückt war, zeigte Nerven: Horn musste schon nach dem Liegendschießen zwei Extrarunden drehen und nach dem Stehendanschlag noch eine; schließlich wechselte er als Zwölfter auf Peiffer. Nachdem auch der gepatzt hatte, konnte Schlussläufer Benedikt Doll das deutsche Quartett auch nicht mehr entscheidend nach vorne bringen. 3:23,1 Minuten betrug der Rückstand auf den siegreichen Weltmeister Norwegen. "Wir waren nicht konkurrenzfähig", gab Peiffer zu.

Das lag vor allem an den durchweg schwachen Leistungen am Schießstand, wie Bundestrainer Mark Kirchner feststellte: "Im Männerbereich hat uns eindeutig das Schießen einen Strich durch die Rechnung gemacht." Im Sprint hatten seine Männer insgesamt 16 Mal vorbeigeschossen, im Einzel sogar 21 Mal. Die Routiniers Doll (24. und 16.), Schempp (32. und 53.) sowie Lesser (33. und 72.) fielen deswegen teils deutlich zurück. "Bei mir läuft nicht viel zusammen. Ich bin überhaupt nicht zufrieden", hatte Schempp frustriert gesagt.

Seinen Teamkollegen ging es nicht anders, auch nicht den Frauen. Die waren mit insgesamt 23 Fehlern im Einzelrennen am Donnerstag noch unsicherer. "Ich kann das besser", versicherte Denise Herrmann, die in der Staffel trotzdem erneut patzte.

Bundestrainer Kirchner versuchte trotz allem, Gelassenheit zu bewahren - oder zumindest zu demonstrieren. "Wir sind sicherlich nicht zufrieden mit der Woche, aber wir hatten die letzten Jahre auch schon schwierige Einstiege", sagte er und fügte hinzu: "Ich bin überzeugt, dass wir uns steigern werden." Was optimistisch klingen sollte, ist freilich fast selbstverständlich: Viel schlechter kann es ja kaum werden bei der nächsten Weltcup-Station in Hochfilzen/Österreich am kommenden Wochenende.

Bestens informiert mit SZ Plus – 14 Tage kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.4714734
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ vom 09.12.2019/ebc
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.