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Bayern-Block in der Nationalelf:FC Bayern Deutschland?!

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Deutsche Fußballfans, die den FC Bayern nicht mögen, haben es derzeit ziemlich schwer: Die Nationalelf brilliert - vor allem dank eines starken Blocks mit Spielern aus München. Zur Präsenz der Bayern beim DFB gibt es eine Parallele - in Katalonien.

Philipp Selldorf

Deutsche Fußballfans, die den FC Bayern nicht mögen, haben es derzeit nicht leicht. Was sollen sie sagen zu einer Nationalelf, die schöner und erfolgreicher spielt als die meisten ihrer Vorgängermodelle, die aber in ihrem Kern zu zwei Dritteln aus Spielern des FC Bayern besteht?

Ideologisches Beharren führt zwangsläufig in Verbitterung, die gesündeste Herangehensweise ist daher wohl die vorsätzliche Bewusstseinsspaltung. Man darf Neuer, Lahm, Schweinsteiger und all die anderen verwünschen, wenn sie im Münchner Namen durchs Land ziehen, aber man wünscht ihnen Glück, sobald sie beim DFB zusammenkommen.

Der Markenbegriff "FC Bayern Deutschland", den Uli Hoeneß einst als Marketingziel für die WM 2006 ersonnen hatte, und der im Jahr 2011 eher nebenbei denn planvoll Wirklichkeit wurde, bleibt aber ein Tabuwort für Menschen mit anderem Glaubensbekenntnis.

Die Frage ist, ob die Erfolge der Bayern und der Nationalelf einen inneren Zusammenhang haben - außer der Tatsache, dass man sich das Personal teilt. Am Spielstil lässt sich eine Wechselwirkung kaum ablesen. Löws Mannschaft hat ein eigenes Profil, aber der Bundestrainer dürfte trotzdem oft dankbar an seinen Münchner Kollegen denken.

Jupp Heynckes hat einen florierenden Betrieb installiert, in dem Schweinsteiger, Badstuber und Müller bei Laune bleiben; er hat Kroos zu alter, neuer Blüte verholfen, er hat durch Lahms Seitenwechsel das Linksverteidigerproblem der Nationalelf gelöst; und nicht zuletzt lässt er Boateng als Rechtsverteidiger für den Einsatz im DFB-Team üben. Das alles sieht fast nach Zusammenarbeit aus.

Zur Präsenz der Bayern beim DFB gibt es eine Parallele. Tritt nicht der Welt- und Europameister als eine Art FC Barcelona Spanien an? Und so wie die Bayern die Bundesliga und der FC Barcelona die Primera Division beherrschen, so dominieren Deutsche und Spanier in der Qualifikation zur EM 2012.

Doch es existiert auch ein Gegenmodell. Die ebenfalls makellos erfolgreichen Niederländer kennen keine Blockbildung, ihre Spieler gehören allen möglichen Ligen und Klubs an. Fest steht: Es gibt wieder Großmächte in Europa.

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Quelle:
SZ vom 10.10.2011
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