Süddeutsche Zeitung

AIG Womens Open:Wie die Legenden im Sand

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Die Südafrikanerin Ashleigh Buhai gewinnt in Muirfield die British Open der Frauen und reiht sich damit in die Liste ihrer bekannten Landsleute ein.

Von Felix Haselsteiner

Ein paar letzte Sonnenstrahlen erhellten noch das Klubhaus in Muirfield, als Ashleigh Buhai vor das Mikrofon trat. Der Finaltag hatte sich so dramatisch in die Länge gezogen, dass es immer dunkler wurde, bis die AIG Womens Open doch noch am Sonntagabend ihre Siegerin fanden und nicht - wie man kurzzeitig vermutet hatte - erst am Montagmorgen. Buhai hielt daher den Pokal in den Händen, als sie darüber sprach, dass es für sie kaum in Worte zu fassen sei, dieses "besondere Turnier" zu gewinnen: "Es ist ein Tag, der mein Leben verändern wird."

Buhai, 33, war bislang keines der bekannten Gesichter des weiblichen Golfsports, der vor allem von der Konkurrenz der Amerikanerinnen mit den zahlreichen hochklassigen asiatischen Golferinnen lebt. Eine Südafrikanerin wie Buhai, auf Weltranglistenplatz 84, bewegt sich eher zwischen den Welten, sie gilt allerdings als eine der beliebtesten Spielerinnen auf der US-LPGA-Tour. Die Buhais - Ashleigh und ihr Mann David, der als Caddie für Jeongeun Lee, die Weltranglisten-35., arbeitet - reisen oftmals gemeinsam von Turnier zu Turnier und teilen sich dann Mietshäuser mit anderen Tour-Ehepaaren.

Golferisch bewegte sich Buhai in den vergangenen Jahren eher unter dem Radar: Ihr bestes Resultat bei einem der Major-Turniere war ein 15. Platz bei der Evian Championship im Juli, ein Sieg gelang ihr zuletzt im März 2018. Umso beeindruckender waren die vier Tage, die sie nun in Muirfield erlebte, auf dem historischen Platz, der zum ersten Mal die British Open der Frauen beheimatete: Buhai erspielte sich über die ersten drei Runden einen Vorsprung von fünf Schlägen. Während andere wie die fünf deutschen Starterinnen, von denen Leonie Harm als geteilte 41. noch das beste Resultat schaffte, sich mit den windigen Bedingungen schwer taten, spielte die Südafrikanerin sich mühelos um jeden Bunker herum.

Im Klubhaus warten Bilder von Gary Player und Ernie Els, der wie Buhai aus dem Bunker gewann

Am Sonntag allerdings schien es kurz so, als würde sie das Turnier aus der Hand geben. Ein schlechter Abschlag auf Loch 15 führte dazu, dass sie auf einer einzigen Bahn drei Schläge verlor und sich plötzlich nur noch in geteilter Führung befand: In Gee Chun, die nach ihrem Sieg bei der PGA Championship im Juni als eine der großen Favoritinnen ins Turnier gegangen war, fühlte sich am Sonntag auf den Grüns in Muirfield so wohl, als hätte sie ihre Jugend nicht im südkoreanischen Kunsan, sondern an der schottischen Ostküste verbracht.

Vier Löcher dauerte das Stechen zwischen Chun und Buhai daher, bei dem es zwar von Schlag zu Schlag dunkler wurde, das Niveau aber nicht nachließ: Ein Bunkerschlag, mit dem sich Buhai aus einem der tiefen Sandhindernisse rund um das 18. Grün befreite, machte am Ende den Unterschied. Immerhin das hatte man statistisch vorhersehen können: Die Südafrikanerin ist in diesem Jahr die beste Spielerin, wenn es um Rettungsschläge aus dem Sand geht.

Buhais erster Sieg bei einem Major-Turnier hatte allerdings auch eine historische Ebene. Muirfield, bekannt als ein lange Zeit frauenfeindlicher Eliteverein, hat in seiner langen Geschichte viele große Triumphe erlebt, die allerdings allesamt von Männern erreicht wurden - nun werden auch die Erinnerungen an den großen Erfolg einer Frau im Klubhaus ausgestellt. Buhai wiederum wird dort auf ihre Landsleute aus Südafrika treffen: 1959 gewann Gary Player, der bekannteste nicht-amerikanische Golfer des vergangenen Jahrhunderts. 2002 war es Ernie Els, der damals auf dem Weg zu seinem Sieg bei der Open Championship mit einem Bunkerschlag berühmt wurde, ganz so wie Buhai: "Wir scheinen den Sand hier in Muirfield zu mögen", sagte sie.

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