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Verschobene Flughafeneröffnung in Berlin:Geflogen wird auf alle Fälle

Passagiere, die vom neuen Berliner Flughafen abfliegen wollten, fragen sich: Geht der Flug überhaupt? Habe ich ein Recht auf Entschädigung? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

27 Millionen Passagiere aus aller Welt sollen künftig am neuen Flughafen Berlin Brandenburg (BER) pro Jahr abgefertigt werden - wenn er einmal fertig ist. Nun gab der Betreiber bekannt, dass sich der Betrieb wegen Brandschutzproblemen um ein Jahr verzögert. Der neue Eröffnungstermin ist der 17. Juni 2013. Die betroffenen Fluggesellschaften arbeiten daran, die Folgen für Fluggäste so gering wie möglich zu halten.

Welche Flüge sind von den Verzögerungen betroffen?

Betroffen sind alle Flüge deutscher und ausländischer Fluggesellschaften, die ab dem 3. Juni von und nach Berlin Brandenburg geplant waren. Täglich starten und landen an Berlins Flughäfen Tegel und Schönefeld bislang über 700 Flüge. Mit dem neuen Hauptstadtflughafen wollten viele Airlines ihr Angebot ausbauen.

Was ändert sich für betroffene Fluggäste?

In vielen Fällen wollen die Fluggesellschaften Flüge, die vom und zum neuen Großflughafen Willy Brandt geplant waren, nun über die anderen beiden Airports Tegel und Schönefeld abwickeln. Deutschlands größte Fluggesellschaft Lufthansa etwa verhandelt mit Tegel über entsprechende Zeitfenster für Starts und Landungen. Konzern-Tochter Germanwings will wie bisher nach Schönefeld fliegen und am geplanten Flugplan festhalten.

Deutschlands zweitgrößte Gesellschaft Airberlin wollte mit dem neuen Airport sein Flugsystem vollkommen umstellen. Trotz des Flughafen-Flops hält Air Berlin an der geplanten Streckenexpansion im Sommer fest und passt das erweiterte Programm an die Gegebenheiten des alten Flughafens Berlin-Tegel an. Um die Planungen für den neuen Flughafen wieder aufzunehmen, brauche die Airline aber "einen neuen verlässlichen Eröffnungstermin, der möglichst nach unserem Sommerflugplan liegt", betonte Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn - diese genaue Terminangabe hat Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit nun gemacht: Am 17. Juni 2013 soll der neue Flughafen den Betrieb aufnehmen.

Wo können sich Passagiere informieren?

Airlines informieren auf ihren Internetseiten über mögliche Auswirkungen. Lufthansa und Germanwings etwa teilen dort mit, dass sie an ihren bisherigen Flugplänen festhalten und die Fluggäste deswegen Planungssicherheit haben. Dort werden auch die Ausweichflughäfen genannt. Betroffene Fluggäste können sich auch telefonisch an ihre Fluganbieter wenden.

Haben betroffene Fluggäste ein Recht auf Entschädigung?

Fallen durch die verspätete Eröffnung des neuen Berliner Flughafens BER kurzfristig Flüge aus, haben Fluggäste Anspruch auf Entschädigung. Das gilt zum Beispiel, falls geplante neue Verbindungen bis zum neuen Eröffnungstermin nicht angeboten werden können. Dabei spielt laut Reiserechtler Paul Degott aus Hannover jedoch eine Rolle, wie frühzeitig die Passagiere über mögliche Änderungen informiert wurden. Ist dies sehr früh der Fall, müsse der Passagier auch hinnehmen, dass der Abflug zum Beispiel von einem anderen Flughafen in der Nähe erfolgt. In diesem Fall müsse die Airline oder der Reiseveranstalter für die Transportkosten aufkommen. Hier rät Degott, entsprechende Unterlagen wie Taxibescheinigungen oder Kilometernachweise aufzubewahren. Wenn statt eines gebuchten Direktflugs aber ein Flug mit Zwischenstopp durchgeführt werde, ist laut Degott eine Minderung des Reisepreises möglich.

Bei kurzfristigen Flugausfällen steht den Passagieren laut EU-Fluggastverordnung neben der Versorgung am Flughafen mit Speisen und Getränken eine Ausgleichszahlung in Höhe von 250 bis 600 Euro pro Person zu.

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