Süddeutsche Zeitung

Schwarzwald:Ein Wegenetz halb um die Welt

Zwischen Pforzheim und der Schweiz können Wanderer tagelang marschieren, ohne zwei Mal dieselbe Strecke zu passieren.

Jedes Jahr bewegt der Schwarzwald Millionen von Wanderern. Das von den Römern "Silva nigra" ("Schwarzer Wald") genannte Mittelgebirge galt lange als unwegsames Gebiet.

Heute ist der 170 Kilometer lange und bis zu 50 Kilometer breite Schwarzwald eine der beliebtesten Wanderregionen Deutschlands. Möglich gemacht hat dies nicht zuletzt der Schwarzwaldverein in Freiburg. Dessen mehr als 90 000 Mitglieder schufen mit den Kommunen und Tourismusverbänden ein Netz von 23 000 Kilometern Wanderwegen. So gesehen könnten Rucksacktouristen zwischen Pforzheim und der Schweiz einmal um die halbe Welt marschieren, ohne zwei Mal dieselbe Strecke zu passieren. Die Ortsgruppen des 1864 gegründeten Vereins pflegen auch die Pfade und sind für deren Beschilderung zuständig.

Auf diesem Gebiet erlebt der Schwarzwald seit Jahren geradezu eine Revolution. Fast umsturzartig wurden und werden die in Jahrzehnten liebe- und mühevoll an Bänken, Bäumen und Masten befestigten Wanderzeichen demontiert und nach dem Muster der Schweiz, einem Hauptkonkurrenten im Wandertourismus, durch Einheitsschilder ersetzt.

Gelbe Raute auf den Basiswegen

Im Kern ist von den Hunderten von Zeichen nur noch eines übrig: die Gelbe Raute, die das Basiswegenetz markiert. Die Kreuzungspunkte dieser markierten Wege sind die Knoten, dort stehen auch die neuen Wegweiser, die über die Ziele der abgehenden Strecken informieren. "Alles in allem ist das Knotensystem zweifellos einfacher und übersichtlicher und lässt sich daher auch besser verwalten", urteilt der Natursoziologe Rainer Brämer aus Marburg über die Reform.

Allerdings haben sich die ältesten, längsten und reizvollsten Wanderrouten durch den Schwarzwald zusätzlich ihre mehr als 100 Jahre alten Markierungen - Rauten in verschiedenen Farbkombinationen - bewahrt: der Westweg von Pforzheim nach Basel über 280 Kilometer, der Mittelweg von Pforzheim nach Waldshut (230 Kilometer) und der Ostweg von Pforzheim nach Schaffhausen (240 Kilometer).

Der Westweg führt von Pforzheim aus durch die Täler von Nagold, Enz und Murg auf die 1164 Meter hohe Hornisgrinde. Über den Rücken zwischen Wolf-, Rench- und Harmersbachtal führt der Weg ins Kinzigtal nach Hausach und dann steil hinauf zur Martinskapelle und der Kalten Herberge, der Wasserscheide zwischen Rhein und Donau.

Vom Titisee führt der Westweg dann hinauf auf den 1493 Meter hohen Feldberg. Am Feldberger Hof gabelt er sich: Die westliche Strecke bietet auf dem Weg zum Belchen Fernblicke ins Elsaß und die Schweiz. Über den Blauen geht es entlang des Kandertals ins Wiesental und nach Basel.

Der östliche Weg ist nicht minder reizvoll, er führt über das Herzogenhorn und den Weißenbachsattel zur Hohen Möhr. Hier geht es über den Dinkelberg mit dem Eichener See ins Rheintal nach Basel.

Der Mittelweg führt von Pforzheim nach Freudenstadt und erschließt die bäuerliche Kulturlandschaft. Über den Hochfirst geht es durch Felsentäler an den Hochrhein nach Waldshut. Der Ostweg schließlich führt den Wanderer von Pforzheim aus durch das Würmtal. Am Ostrand des Schwarzwaldes wird die Grenze zwischen Buntsandstein und Muschelkalk passiert und das Donautal gequert. Über die bewaldeten Höhen der 921 Meter hohen Länge, des höchsten Punktes des Ostweges, geht es ins Wutachtal und über den Randen bis nach Schaffhausen.

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