Süddeutsche Zeitung

Rodellift:Sitzen bleiben

Am Brauneck gibt es einen Lift nur für Schlittenfahrer. Der bringt einen kinderleicht nach oben - sobald man sich einmal mit der Technik vertraut gemacht hat.

Von Johanna Pfund

Wie war das noch, als man als Kind zum ersten Mal Schlepplift fahren durfte? Wo kommt der Bügel hin? Wie stellt man seine Ski richtig in die Spur?

"Alles kein Problem", sagt Andreas Gerg ohne Umschweife. Er kennt den fragenden Blick derer, die jetzt als Erwachsene zum ersten Mal am neuen Rodellift am Brauneck in Lenggries stehen. Also: auf den Rodel setzen, Füße weg vom Boden, dann hängt Gerg den Ski-Schleppliftbügel am Schlitten ein. Der Lift, das ist ein ganz normaler Schlepplift, nur die bereitstehenden Rodel, im Preis inbegriffen, sind eigens für die Liftnutzung ausgerüstet. Vorne an der Querstange zwischen den Kufen sind zwei rechteckige Metallbügel befestigt, die sich von oben in Richtung Schlittenfahrer herunterklappen lassen. Die Enden des oberen Bügels sind wie Haken gebogen, und da kommt der Schleppliftbügel rein. Wird der Metallbügel des Rodels nach unten gedrückt, halten diese Haken den Schleppliftbügel fest. Oben, an der Ausstiegsstelle, drückt der Rodler den Bügel nach oben, die Haken geben den Schleppliftbügel frei. Eigentlich logisch. Aber im ersten Moment verwirrend. So viele Bügel. Und wenn man sich ungeschickt anstellt?

Ja, dann hält der Lift halt an. Wie früher. Der Rodellift ist die Neuerung des Winters am Brauneck. Er ist sogar der einzige in Oberbayern, wie Heiko Fröhlich erklärt. Fröhlich ist Geschäftsführer der Lenggrieser Outdoorschule Montevia; er hatte die Idee für das Projekt, mit dem man Firmenkunden, die im Sommer kommen, auch im Winter etwas anbieten will. Ebenso Familien und Gästen, die Rodelspaß ohne mühsames Bergaufziehen genießen wollen. Fröhlich recherchierte und stieß auf das Patent für die schlepplifttauglichen Rodel. Ein Lift für die Kooperation war schnell gefunden: der Zielhanglift nahe der Talstation der Gondelbahn.

Dieser Lift wird gern übersehen, liegt er doch eingezwängt zwischen der Hauptabfahrt und dem Weltcuphang des Lenggrieser Skiclubs - und das schon lange. 1957 sei er gebaut worden, wie der Eigentürmer Hubert Gerg erzählt, ein frühes Projekt der österreichischen Seilbahnfirma Doppelmayr. Später, 1969, wurde die Steighilfe von der jetzigen Mittelstation hinunter ins flachere Talgelände verlängert. Seitdem hat sich nicht viel verändert - nicht unter dem Onkel, von dem Gerg die Anlage übernommen hat, nicht unter Gerg selbst, der im Hauptberuf Landwirt ist. Der Lift hat seine eigene Abfahrt und sogar eine Alm fürs Après-Rodeln. Allerdings dauerte es einen Sommer lang, bis alle Behörden ihr Plazet erteilt hatten.

Aber jetzt kann man sich auf einem Schlitten sitzend nach oben ziehen lassen, beide Hände fest an den Bügeln. Der Schlitten hüpft munter durch die Mulden auf der Liftspur. Festhalten, sitzen bleiben. Geht schon. Selbst der Ausstieg ist so problemlos, wie der junge Mann prophezeit hat. Aber dann sitzt man da - weil so ein Schlitten im Gegensatz zu Skiern auf einer ebenen Ausstiegsfläche nicht gleitet. Also runter vom Rodel und zu Fuß die paar Meter rüber zur Piste. 800 Meter Abfahrt. Ziemlich steil ist sie im oberen Teil, und ruckzuck saust man geradeaus runter. Wie gut, dass dieser Schlitten eine Bremse hat, die greift. Spätestens ab der Mittelstation kann man die Bremse loslassen, es ist reichlich Auslauf vorhanden.

Am Lifteinstieg steht eine junge Familie, die Mutter mit Säugling, der Vater hat das größere Kind auf dem Schlitten. Irgendwo im Internet habe sie über den Lift gelesen, erzählt die Münchnerin. Das sei ja eine perfekte Sache für einen Nachmittag. Findet übrigens nicht nur sie. "Die ersten Gruppen haben einen Mordsspaß gehabt", erzählt Gerg. Und jetzt mal schauen, wie die Saison so läuft.

Eine Fahrt kostet 4 Euro, zehn Fahrten 25 Euro. Öffnungszeiten: www.rodeln-lenggries.de

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Quelle:
SZ vom 07.02.2019
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