Süddeutsche Zeitung

Vulkanausbruch auf La Palma:Was Urlauber wissen müssen

Auf La Palma spuckt ein Vulkan Asche und Gestein, glühende Lava zerstört ganze Dörfer. Die Kanareninsel ist ein beliebtes Reiseziel - worauf müssen sich Urlauber einstellen?

Von Eva Dignös

Glühende Lava, 1000 Grad heiß, schiebt sich übers Land, über Wälder, Felder, Häuser. Die Bilder von der Kanareninsel La Palma sind dramatisch. Einer der zahlreichen Vulkane in der Bergkette Cumbre Vieja ist nach 50 Jahren der Ruhe wieder ausgebrochen. Welche Konsequenzen hat das für Touristen, die sich gerade auf der vor allem bei Wanderurlaubern beliebten Insel aufhalten? Und was ist mit Reisen in den nächsten Wochen und Monaten?

Kann man derzeit auf La Palma Urlaub machen?

Der Ausbruch betrifft nur einen Teil der Insel: Der Vulkan liegt im Südwesten in dünn besiedeltem Bergland, die Lava fließt Richtung Küste ab. Rund 6000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen, darunter auch Ferienhausgäste. Straßen und Wanderwege wurden gesperrt - oder bereits vom Strom des glühenden Gesteins zerstört. Die übrigen Regionen der Insel sind wenig beeinträchtigt, trotzdem haben einige große Veranstalter ihren Gästen eine vorzeitige Rückreise angeboten und verzichten zunächst auf neue Anreisen. Die Kunden haben die Option zu stornieren oder umzubuchen. "Es ist jetzt nicht der richtige Moment für Tourismus in La Palma", sagte der Chef einer Hotelkette der spanischen Zeitung El País, "es ist Zeit, zu helfen." Ausdrücklich gewarnt wird vor Ausflügen Richtung Vulkan, zu groß ist die Gefahr durch Asche und glühendes Gestein. Außerdem können giftige Dämpfe entstehen, wenn die Lava ins Meer fließt.

Ist der Flughafen geöffnet?

Der Airport liegt an der Ostküste, zeitweise musste er wegen Asche auf der Rollbahn geschlossen werden, immer wieder werden auch Flüge gestrichen. Einige Airlines wählen aus Sicherheitsgründen den Umweg über Teneriffa: Die Passagiere setzen von La Palma mit der Fähre über und können dann auf Teneriffa das Flugzeug besteigen. Der Flughafenbetreiber empfiehlt, sich jeweils bei der Airline zu informieren, ob der gebuchte Flug tatsächlich stattfinden kann. Sollte er wegen des Vulkanausbruchs storniert werden, muss entweder ein Ersatz angeboten oder das Geld erstattet werden. Eine Entschädigung hingegen gibt es nicht, auch nicht bei Verspätungen durch Asche und Qualm: Hier darf sich die Fluggesellschaft auf außergewöhnliche Umstände berufen, die sie nicht beeinflussen kann.

Dürfen Urlauber wegen des Vulkanausbruchs ihren Aufenthalt abbrechen oder eine geplante Reise stornieren?

Pauschalurlauber können den Vertrag kündigen, wenn die Durchführung der Reise "erheblich" beeinträchtigt ist, Stornogebühren fallen dann nicht an. Ist man bereits unterwegs, muss der Veranstalter den Rücktransport organisieren und das Geld für die nicht genutzten Leistungen zurückzahlen. Entscheidend ist allerdings das Stichwort "erheblich": "Es muss objektive Anhaltspunkte für eine Beeinträchtigung geben", sagt Reiserechtsanwalt Paul Degott, beispielsweise Sperrungen direkt am Urlaubsort oder eine schlechte Luftqualität durch Asche und Qualm. Ein "Angstgefühl im Bauch" genüge nicht als Rücktrittsgrund. Individualtouristen, die ihr Quartier direkt buchen, haben diese Absicherung nicht. Sie müssen versuchen, sich mit ihrem Vermieter zu einigen, wenn sie nicht reisen wollen.

Was ist mit Reisen in den kommenden Monaten?

Wie lange der Vulkan aktiv bleibt, ist nicht absehbar. Um kostenlos von einer Reise zurücktreten zu können, müsse es aber "eine begründete Prognose geben, dass der Urlaub nicht wie gebucht stattfinden kann", sagt Degott. Bei einer Reise in einigen Wochen oder Monaten sei das gar nicht möglich: Wer jetzt absagt, muss deshalb mit Stornokosten rechnen.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.5417695
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ/ihe
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.