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Befragung von Fluggästen:Wohlfühl-Flughafen München

Der Flughafen in München wurde von Passagieren zum besten Airport Europas gewählt. Vor allem die Geschäfte, Restaurants und Wartebereiche kommen gut an. Doch es ist noch Luft nach oben.

In den Osterferien hoben vom Münchner Flughafen 1,7 Millionen Passagiere ab. Für die Pfingst- und Sommerferien erwartet der Airport ebenfalls großen Andrang. Viele fühlen sich wohl im Erdinger Moos - nach einer Befragung unter mehreren Millionen Fluggästen erhielt der Airport kürzlich vom Londoner Luftfahrtinstitut Skytrax die Auszeichnung "bester Flughafen Europas". Und dennoch ärgern sich Fluggäste. Wo der Airport gut da steht, und wo er nachbessern muss - ein Überblick:

Plus: Einkaufen und Essen

Die Skytrax-Erhebung unter zwölf Millionen Fluggästen weltweit hat gezeigt: Grundsätzlich fühlen sich die meisten Passagiere wohl im Erdinger Moos. Vor allem die Restaurants und die vielen Geschäfte kommen gut an bei den Leuten. Lediglich im Terminal 1 bemängeln Passagiere schon seit Längerem das Angebot. Dort fliegen immer mehr wohlhabende Gäste aus Arabien oder Russland ab, seitdem die entsprechenden Airlines dort untergekommen sind. Deshalb will Flughafenchef Michael Kerkloh das Terminal 1 in naher Zukunft umgestalten und dort mehr Läden einrichten. Im Herbst möchte er die Details seinem Aufsichtsrat vorlegen.

Minus: Wartezeiten

In den meisten Kategorien der Skytrax-Erhebung liegt München unter den besten zehn Flughäfen weltweit- allerdings nicht bei den Themen Sicherheits- und Grenzkontrollen. Zu viele Passagiere beschweren sich offenbar über die langen Wartezeiten dort. Bei der Passkontrolle etwa haben Kerkloh und die Bundespolizei seit Kurzem ein elektronisches Kontrollverfahren eingeführt, "Easypass" genannt. Das soll die Abläufe beschleunigen. Der Fluggast muss seinen Pass oder Personalausweis selbst einscannen. Erst wenn der Computer dann die Daten mit dem Zentralrechner abgeglichen hat, öffnet sich eine Zugangsschleuse - und der Fluggast kann passieren. Bei der Gepäckausgabe konnte sich der Flughafen laut Skytrax zuletzt verbessern: Da lag München bisher weit abgeschlagen, jetzt immerhin auf Rang zehn. Man habe die Technik verbessert und mehr Personal eingesetzt, sagt Kerkloh.

Plus: Aufenthaltsqualität

Die vielen Sitzgelegenheiten, zwei neue, ausgedehnte Ruhezonen im Terminal 2 sowie zahlreiche Lounges für die Vielflieger - all das bewerten die Fluggäste laut der Skytrax-Befragung positiv im Erdinger Moos. Dennoch will Kerkloh auch hier noch zulegen: Bis Ende des Jahres, so sein Plan, will der Flughafen im Terminal 2 eine eigene Bibliothek einrichten. Auf 150 Quadratmeter Fläche sollen dann schätzungsweise 2000 Bücher zur Präsenzausleihe zur Verfügung stehen. Ob in der Bibliothek dann auch Handy-Verbot gilt, darüber wollen die Airport-Planer noch nachdenken.

Minus: Sauberkeit

Dieser Punkt ist nach wie vor ein Problem für Kerkloh: Gegen die blitzblank gereinigten asiatischen Flughäfen wie Tokio, Seoul oder Singapur kommen die Münchner einfach nicht an. Die liegen in der Skytrax-Erhebung weit vor München. Und das, obwohl mittlerweile fast alle Toiletten im Terminal 2 generalüberholt und mit Monitoren ausgestattet wurden. Über diese Monitore können die Fluggäste per Fingertipp melden, wenn es aus ihrer Sicht zu dreckig war. Gehen eine Reihe von Beschwerden ein, schickt der Flughafen einen Reinigungstrupp außerhalb der regulären Umläufe. Bis allerdings auch alle Klos im Terminal 1 damit ausgestattet sind, wird es noch eine Weile dauern.

Plus: Freundlichkeit

Weit vor den asiatischen Flughäfen liegt München allerdings laut Skytrax-Befragung bei der Freundlichkeit des Personals. Kein anderer Airport schneidet in diesem Punkt so gut ab. Um da nicht nachzulassen, sind seit den Osterferien in Spitzenzeiten spezielle Mitarbeiter unterwegs, die schon im Eingangsbereich den Fluggästen als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. "Welcome-Service" nennt sich dieses neue Angebot.

Minus: Anbindung

Seit jeher ein Problem - und immer wieder ein Grund, warum München in der Skytrax-Befragung schlechte Noten bekommt: die miese Anbindung des Flughafens an das bundesweite Schienennetz. Im Herbst immerhin soll der erste Spatenstich für den Bau der "Neufahrner Kurve" erfolgen; über diese Schienenverbindung sollen in Zukunft Züge aus Regensburg kommend direkt zum Flughafen-Bahnhof unter dem Zentralbereich rollen - allerdings wohl nicht vor dem Jahr 2018. Noch weiter in der Zukunft liegt die Weiterführung der Schienentrasse nach Erding und zur Strecke München-Mühldorf-Freilassing. Oder gar eine Anbindung des Flughafens an das Fernverkehrsnetz der Deutschen Bahn. Zuletzt hatten manche gehofft, dass sich einige der boomenden Fernbus-Anbieter dazu entschließen werden, zusätzliche Verbindungen zum Airport aufzubauen. Bislang allerdings drängen die Fernbus-Unternehmer nicht in Scharen zum Flughafen. "Wir liegen zu weit abseits von der A 9", sagt Peter Bayer, der zuständige Manager bei der Flughafengesellschaft. Bislang kommen nur fünf Prozent der Fluggäste per Fernbus. Der Anteil der Autofahrer liegt bei 40 Prozent; mit der S-Bahn kommen 32 Prozent und mit dem Taxi zwölf Prozent. Der Rest verteilt sich auf Linienbusse und Mietwagen.

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SZ vom 29.04.2014/reek
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