Verhaltensforschung

Eine Sau geht dazwischen

Wenn Schweine streiten, versöhnen sie sich anschließend wieder – oft hilft ihnen dabei ein Tier als Schlichter.

Verhaltensforschung

Eine Sau geht dazwischen

Wenn Schweine streiten, versöhnen sie sich anschließend wieder – oft hilft ihnen dabei ein Tier als Schlichter.

9. November 2022 - 3 Min. Lesezeit

Das Zusammenleben mit anderen ist nicht immer einfach. Das gilt für Schweine genauso wie für Menschen. Dass hin und wieder gestritten wird, ist normal und unvermeidlich. Wichtig ist aber, dass sich die Kontrahenten irgendwann wieder versöhnen. Ansonsten kann sich ein Streit ausweiten und dazu führen, dass die ganze Gemeinschaft auseinanderfällt.

Menschen haben deshalb verschiedene Strategien entwickelt, sich nach einem Streit wieder zu versöhnen. Dass Ähnliches auch für Hausschweine gilt, haben italienische Biologen jetzt herausgefunden. Unter anderem beschreiben sie in der Fachzeitschrift Animal Cognition, dass sich häufig ein „Streitschlichter-Schwein“ einmischt und die Kontrahenten wieder miteinander versöhnt.

Ein Team um Giada Cordoni von der Universität Turin beobachtete ein halbes Jahr lang ein Gruppe mit 104 Hausschweinen auf einem großen Bauernhof in der Nähe von Turin. Da von anderen sozial lebenden Tieren bekannt ist, dass die Verwandtschaftsbeziehungen eine Rolle dabei spielen, wie Konflikte gelöst werden, machten sie bei Schweinen, von denen sie die Verwandtschaftsverhältnisse nicht kannten, einen DNA-Test.

Dann beobachteten sie das Verhalten der Tiere während Streitereien – die sich bei Schweinen so äußern, dass der Aggressor sein Opfer beißt, ...

... schubst oder hochhebt – und in den drei Minuten danach.

Dann beobachteten sie das Verhalten der Tiere während Streitereien – die sich bei Schweinen so äußern, dass der Aggressor sein Opfer beißt, ...

... schubst oder hochhebt – und in den drei Minuten danach.

Dabei identifizierten sie im Prinzip zwei Versöhnungsstrategien. Beim sogenannten „Triadic Contact“ mischte sich ein drittes Schwein aus der Gruppe in den Streit ein, indem es entweder mit dem Opfer oder mit dem Aggressor Körperkontakt aufnahm. Erfolgreicher waren dabei Schlichtungsversuche, in denen das Streitschlichter-Schwein versuchte, den Aggressor zu beruhigen: Die Zahl seiner Attacken nahm danach deutlich ab. Ging der Streitschlichter dagegen zum Opfer, beruhigte sich das Tier zwar ebenfalls, wurde aber anschließend oft wieder attackiert.

Interessant war, dass sich am Konflikt eigentlich unbeteiligte Tiere öfter einmischten, wenn sie mit einem der Kontrahenten verwandt waren. Die Studienautoren werten das als Hinweis darauf, dass Schweine individuelle Beziehungen untereinander aufbauen und vielleicht sogar Freunde und Feinde haben.

Oft beobachteten die Biologen aber auch, dass es den Kontrahenten ohne die Hilfe Dritter gelang, sich nach der Auseinandersetzung wieder zu versöhnen.

Versöhnung nach Schweine-Art äußert sich darin, dass die beiden Kontrahenten ihre Nasen aneinander drücken, eng beieinandersitzen oder sich gegenseitig den Kopf auf den Rücken legen.

Dies kam deutlich öfter vor, wenn beide Tiere nicht miteinander verwandt waren.

Versöhnung nach Schweine-Art äußert sich darin, dass die beiden Kontrahenten ihre Nasen aneinander drücken, eng beieinandersitzen oder sich gegenseitig den Kopf auf den Rücken legen.

Dies kam deutlich öfter vor, wenn beide Tiere nicht miteinander verwandt waren.

Die Studienautoren vermuten, dass Auseinandersetzungen zwischen nicht verwandten Tieren gefährlicher für den Zusammenhalt der Gruppe sind und dass eine anschließende Versöhnung in diesem Fall deshalb wichtiger ist. Streitereien etwa zwischen Geschwistern hätten dagegen keine so große Sprengkraft, weil Beziehungen zwischen Familienmitgliedern grundsätzlich „sicherer“ seien.

Sich nach einem Streit wieder zu versöhnen, ist aber wahrscheinlich nicht nur für die Gruppe wichtig. Sowohl Aggressor als auch Opfer haben nach Ansicht der Biologen auch ein individuelles Interesse daran, sich wieder zu vertragen. Nur wenn alles wieder gut ist, können sie sicher sein, dass sie in ihrer Gruppe weiter akzeptiert sind und genug zu fressen abbekommen.

Team
Text Tina Baier
Digitales Storytelling Lorenz Mehrlich