Artemis 1

Orion, bitte kommen

Spektakuläre Bilder zeigen, wie das Raumschiff Orion den Mond passiert hat. Nun ist es fast am Ziel. Und jetzt?

24. November 2022 - 4 Min. Lesezeit

Nach monatelangen Verzögerungen und einigem Hin- und Herrollen der Rakete zwischen Montagegebäude und Startrampe ging schließlich doch alles glatt:

Am 16. November um 1.47 Uhr Ortszeit startete die neue Nasa-Rakete Space Launch System (SLS) am Cape Canaveral in Florida. An ihrer Spitze das Raumschiff Orion, gebaut in Zusammenarbeit mit der europäischen Raumfahrtbehörde Esa.

Und seither läuft fast alles perfekt. Anfangs sorgten die beiden seitlich an der Rakete angebrachten Feststoff-Raketenbooster für den nötigen Schub.

Artemis 1

Orion, bitte kommen

Spektakuläre Bilder zeigen, wie das Raumschiff Orion den Mond passiert hat. Nun ist es fast am Ziel. Und jetzt?

Nach monatelangen Verzögerungen und einigem Hin- und Herrollen der Rakete zwischen Montagegebäude und Startrampe ging schließlich doch alles glatt:

Am 16. November um 1.47 Uhr Ortszeit startete die neue Nasa-Rakete Space Launch System (SLS) am Cape Canaveral in Florida. An ihrer Spitze das Raumschiff Orion, gebaut in Zusammenarbeit mit der europäischen Raumfahrtbehörde Esa.

Und seither läuft fast alles perfekt. Anfangs sorgten die beiden seitlich an der Rakete angebrachten Feststoff-Raketenbooster für den nötigen Schub.

Nach wenigen Minuten werden diese Booster abgeworfen, nur der Raketenkern feuert planmäßig weiter. Anschließend wird das Startabbruchsystem an der Spitze des Raumschiffs abgetrennt, das bei einem Problem unmittelbar nach dem Start die Mannschaftskapsel retten soll.

Acht Minuten nach dem Start wird auch der Raketenkern obsolet und abgetrennt. Von dem gigantischen Konstrukt aus Rakete und Boostern, Raumschiff und Startabbruchsystem (die lange, weiße Spitze) ist jetzt nur noch das kleine, weiße Element unterhalb der Spitze übrig: Das Raumschiff Orion mit Mannschafts- und Service-Modul, zusammen mit dem Interim Cryogenic Propulsion Stage (ICPS), das das Raumschiff nun weiter antreibt und auf den Weg zum Mond bringt.

Der geplante Ablauf der Reise vom Start bis zur Landung:

Nach dem Start (1) und dem Abwurf der SLS-Raketenbooster (2), gelangt Orion in den Erdorbit (3) und leitet den Kurs zum Mond (4) ein.

Danach fliegt Orion am Mond vorbei (5), tritt in die entfernte Mondumlaufbahn (6) ein und bleibt dort etwa eine Woche lang (7).

Anschließend wird die Rückkehr zur Erde eingeleitet (8), es folgt die zweite Mondpassage (9), das Mannschaftsmodul wird abgesprengt (10) und der Eintritt in die Erdatmosphäre (11) beginnt. Die Landung (12) ist im Pazifik geplant.

Nach dem Start (1) und dem Abwurf der SLS-Raketenbooster (2), gelangt Orion in den Erdorbit (3) und leitet den Kurs zum Mond (4) ein.

Danach fliegt Orion am Mond vorbei (5), tritt in die entfernte Mondumlaufbahn (6) ein und bleibt dort etwa eine Woche lang (7).

Anschließend wird die Rückkehr zur Erde eingeleitet (8), es folgt die zweite Mondpassage (9), das Mannschaftsmodul wird abgesprengt (10) und der Eintritt in die Erdatmosphäre (11) beginnt. Die Landung (12) ist im Pazifik geplant.

Und bisher läuft das Manöver weitestgehend wie vorgesehen ab - bis auf eine kurze ungeplante Sendepause zwischen dem Raumschiff und Kontrollzentrum.

Schon eine gute halbe Stunde nach dem Start macht Orion, bislang sehr passiv, einen wichtigen Schritt in die Selbständigkeit.

Die Solarpaneele werden ausgeklappt.

Etwa anderthalb Stunden nach dem Start beginnt das ICPS für 18 Minuten zu feuern. Das Manöver hebt Orion aus der Erdumlaufbahn und schiebt das Raumschiff Richtung Mond. Danach hat das ICPS seine Aufgabe erfüllt und wird ebenfalls abgeworfen. Orion macht ein Beweisvideo davon.
Orion ist nun auf sich gestellt. Es sind rund 380 000 Kilometer bis zum Mond, das Raumschiff braucht für die Strecke etwa fünf Tage. Unterwegs ist Zeit für Selfies mit der Erde, wie hier an Tag zwei...

...und bald darauf mit dem Mond, Tag fünf.

Die Solarpaneele werden ausgeklappt.

Etwa anderthalb Stunden nach dem Start beginnt das ICPS für 18 Minuten zu feuern. Das Manöver hebt Orion aus der Erdumlaufbahn und schiebt das Raumschiff Richtung Mond. Danach hat das ICPS seine Aufgabe erfüllt und wird ebenfalls abgeworfen. Orion macht ein Beweisvideo davon.
Orion ist nun auf sich gestellt. Es sind rund 380 000 Kilometer bis zum Mond, das Raumschiff braucht für die Strecke etwa fünf Tage. Unterwegs ist Zeit für Selfies mit der Erde, wie hier an Tag zwei...

...und bald darauf mit dem Mond, Tag fünf.

Am Montag, sechster Reisetag, unternimmt das Raumschiff ein beeindruckendes Manöver: Es schrammt in einer Höhe von nur 130 Kilometern an der Mondoberfläche vorbei, um Schwung zu holen für den Sprung in die angepeilte stabile, viel höhere Mondumlaufbahn, in der Orion bis zu 90 000 Kilometer vom Mond entfernt sein wird.

Beim Vorbeiflug macht Orion noch Fotos der Mondoberfläche in Nahaufnahme.

Und das Raumschiff verlässt am Dienstag nach einem letzten Blick zurück planmäßig den Einflussbereich des Mondes, um sich auf den Weg in den höheren, stabilen Orbit zu machen.

Von unterwegs sieht Orion, wie die Erde aufgeht.

Und das Raumschiff verlässt am Dienstag nach einem letzten Blick zurück planmäßig den Einflussbereich des Mondes, um sich auf den Weg in den höheren, stabilen Orbit zu machen.

Von unterwegs sieht Orion, wie die Erde aufgeht.

Am Mittwoch dann ein kurzer Schreckmoment im Kontrollzentrum: Für 47 Minuten klinkt Orion sich aus, es gibt keine Datenübertragung mehr. Danach kann der Kontakt aber wieder hergestellt werden.

Auf dem Weg zur hohen Umlaufbahn nutzen die Ingenieure die Gelegenheit für einen ersten Propellant-Slosh-Test, auch „Prop-Slosh“ genannt: Dabei soll ermittelt werden, wie sich das Herumschwappen des Treibstoffs auf die Flugbahn auswirkt. Auf dem Rückweg, nachdem Orion erneut zum Schwungholen für den Rückflug am Mond vorbeigerauscht ist, soll der Test wiederholt werden, dann mit weniger Treibstoff an Bord.

Rund eine Woche soll Orion im Mondorbit verweilen, um diverse Tests zu machen. Der Orbit ist rückläufig, das heißt, das Raumschiff fliegt entgegen der Richtung, in die sich der Mond um die Erde bewegt. Anschließend soll das Raumschiff erneut seine Triebwerke anwerfen, um den Rückflug zur Erde einzuleiten.

Am 11. Dezember soll das Mannschaftsmodul von Orion im Pazifik landen – wenn weiter alles glattgeht. An Bord waren diesmal nur Testpuppen. Menschen sollen erst bei der nächsten Artemis-Mission den Mond umrunden, sie ist derzeit für 2024 geplant.

Team
Text Marlene Weiß
Infografik Julia Schubert
Digitales Storytelling Elisa von Grafenstein