Der Rest vom Fest

Tannenbaum, Essen, Korken: Nach Weihnachten und Silvester sammelt sich zu Hause so viel Müll wie nie. Was in welche Tonne gehört – und woraus sich Neues machen lässt.

Von Karla Denzer; Design: Jessy Asmus
29. Dezember 2022

Schluss, aus, vorbei. Irgendwann sind auch die allerletzten Geschenke ausgepackt, die Verwandten wieder auf dem neuesten Stand und sämtliche Raclette-Variationen durchprobiert. Dann nehmen selbst die schönsten Feierlichkeiten zum Jahresausklang ein Ende. Da stellt sich die Frage: Was bleibt eigentlich von Weihnachten und Silvester – auch im Sinne der Nachhaltigkeit? Ganz nüchtern betrachtet: erstaunlich viel Müll.

Der geschundene Baum zum Beispiel, der die schweren Weihnachtskugeln von Oma tragen musste – spätestens im Januar mehr Hindernis als Schmuck. Und natürlich gibt es da auch noch etliche übrig gebliebene Lebensmittel. Wohin damit? Oder besser: Lässt sich daraus nicht vielleicht doch noch was zaubern? Ein paar Anregungen, wie man das Beste aus den Resten machen kann.

Das Wachs

Das Wachs

Kerzen schmücken den Weihnachtsbaum und flackern auf dem Adventskranz: Sie gehören einfach dazu – ebenso wie Wachsreste auf der Tischdecke. Legt man die ein paar Tage in den Gefrierschrank, lässt sich das Wachs aber wieder gut abkratzen. Wer es sich zu Hause besonders gemütlich gemacht hat und anschließend mehr als zehn Kilogramm Wachs übrig hat, sollte dieses beim Wertstoffhof oder einer Sammelstelle abgeben. Wachsreste können ansonsten mit dem Restmüll entsorgt werden. „Schade eigentlich, denn Kerzen enthalten durchaus wertvolle Rohölbestandteile – allerdings sind diese Anteile zu gering und damit für ein Recycling weder wirtschaftlich noch ökologisch sinnvoll“, erklärt Thomas Probst, der Sonderabfallexperte des Bundesverbands Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bsve).

Aus dem Wachs lassen sich auch neue Kerzen basteln. „Das macht nicht nur Spaß, sondern so lernen die Kleinen direkt das Prinzip der Kreislaufwirtschaft kennen.“ Und wem das zu viel ist? „Der kann die Wachsreste auch weitergeben, an Sammelaktionen von Kirchen oder gemeinnützigen Organisationen.“ Als Beispiel nennt er die Organisation „Life Cologne“. Diese hilft aktuell Ukrainerinnen und Ukrainern im Krieg. Aus Wachskerzenresten können Büchsenlichter gefertigt werden – als alternative Heizquelle zum Aufwärmen und Kochen. Aus zwei Kilo Wachs können zehn Büchsen hergestellt werden.

Außerdem: „Um den Festtagsbrauch des Bleigießens zu erhalten, ist Wachsgießen eine prima Alternative“, so Probst. Die Reste müssen ansonsten beim Sammelmobil oder beim Wertstoffhof abgegeben werden. Kerzengläser gehören tatsächlich nicht in den Altglascontainer, sondern in den Restmüll, sagt Thomas Braun, Glasexperte des bsve. „Die Dekogläser haben eine andere chemische Zusammensetzung als Flaschen. Das gilt übrigens auch für Glaskugeln vom Christbaum.“

Der Baum

Der Baum

Auch wenn sich die Deutschen über den Namen (Weihnachtsbaum, Christbaum oder doch Lichterbaum?) nicht immer ganz einig sind: Bis zu 30 Millionen Tannen werden hierzulande jede Weihnachtssaison gekauft, geschmückt, wieder vom Schmuck befreit – und schließlich entsorgt. Wer einen Ofen zu Hause hat, kann ein Jahr warten und mit dem bis dahin getrockneten Holz zur nächsten Weihnachtszeit heizen. In der Regel finden sich die Bäume aber an einer Sammelstelle wieder. Die Münchner können beispielsweise über eine interaktive Karte auf der Internetseite des Abfallwirtschaftsbetriebs München (AWM) erfahren, wo sie ihren Christbaum abliefern können.

Aber wie geht es dann mit den Tannen weiter? In München werden zwischen 160 und 200 Tonnen Christbäume zu Wärme und Strom verarbeitet, weitgehend CO₂-neutral. „Nicht immer ist Recycling das umweltfreundlichere System“, so Evi Thiermann vom AWM. Zwar lassen sich Christbäume zu Spanplatten verarbeiten, doch der hohe Kleberanteil benötigt viel Energie bei der Herstellung. Beim Verbrennen der Tannen wird hingegen mehr Energie gewonnen als verbraucht – der Großteil der Bäume wird in München so weiterverarbeitet. „Wer den Christbaum aber bis August im Wohnzimmer stehen haben möchte, kann das ganze Jahr über seine Tanne bei einem der zwölf Wertstoffhöfe abliefern“, sagt Thiermann.

Das Essen

Das Essen

Raclette oder doch lieber Fondue? Der Festtagsbetrieb in der Küche hält bis Silvester an, der Raclette-Ofen wird wieder aus dem Schrank gekramt – und beim Einkaufen meinen es die meisten zu gut. Gerade aus übrig gebliebenem Raclette-Käse lassen sich leicht Gerichte für Neujahr zaubern: Käsespätzle, Risotto und Pizza erhalten so eine würzige Note. Weitere Reste wie Kartoffeln, Pilze und Tomaten machen sich auch gut in einem Auflauf oder Omelette.

Was weder verspeist noch eingefroren werden kann, gehört in die Bio- oder Restmülltonne. „Kleine Mengen an Fleisch, Knochen und Beilagen wie Kartoffeln, Nudeln oder Reis bitte in Zeitungspapier einwickeln und in den Biomüll werfen, ansonsten gehören sie in den Restmüll“, erklärt Andreas Habel, Bioabfallreferent des bsve. Eigenkompostierung sei im Winter keine Option, bei den Temperaturen funktioniere die Verrottung kaum bis gar nicht. Habel rät außerdem davon ab, Speisereste in die Toilette zu werfen. „Knochen oder größere Stücke wie Kartoffeln oder sich verfestigende Fette könnten sonst Verstopfungen hervorrufen. Die lassen sich hinterher auch nur noch sehr schwer lösen.“

Die Korken

Die Korken

Kein Silvester ohne klirrende Gläser. Das macht sich auch an den Verkaufszahlen bemerkbar: Der deutsche Sekthersteller Rotkäppchen-Mumm erwirtschaftet etwa 20 Prozent seines Jahresumsatzes an den Feiertagen. Sekt- oder Weinverschlüsse aus Kork sind hervorragend recycelbar und sollten gesondert gesammelt und zu Wertstoffhöfen gebracht werden.

Die Rinde der Korkeiche ist ein wertvoller Rohstoff und lässt sich beispielsweise zu Dämmmaterial verarbeiten. Kunststoffverschlüsse und Kronkorken gelten als Verpackungsmüll und sind ebenfalls gut recycelbar, wenn sie über die Gelbe Tonne oder den Gelben Sack entsorgt werden. Sonstige Anhaftungen an Flaschen aus Metall oder Kunststoff müssen nicht separat entsorgt werden, sagt Thomas Braun.

Team
Text Karla Denzer
Illustration Jessy Asmus
Digitales Storytelling Jessy Asmus