Süddeutsche Zeitung

Antisemitischer Angriff:Frau attackiert Rabbiner in Wien

Eine Unbekannte hat in Wien einen Rabbiner mit einem Messer bedroht, ihm die Kippa vom Kopf gerissen und antisemitische Beleidigungen gebrüllt - dann flüchtete die Täterin. Passanten kamen dem Angegriffenen offenbar nicht zu Hilfe.

Von Johanna Bruckner und Oliver Das Gupta

In Wien ist ein offenkundig antisemitisch motivierter Angriff auf einen Rabbiner verübt worden. Eine Frau habe den Mann mit einem Messer bedroht, ihn gegen das Bein getreten, ihm Hut und Kippa vom Kopf gerissen und dabei judenfeindliche Parolen geschrien, erklärte das österreichische Innenministerium auf Anfrage der Süddeutschen Zeitung. Zuerst hatte die Nachrichtenagentur APA über den Vorfall berichtet.

Nach der Tat am Donnerstag sei die Angreiferin geflüchtet, hieß es. Verletzt wurde demnach niemand. Passanten kamen dem angegriffenen Juden offenbar nicht zu Hilfe, wie das Boulevard-Portal OE24 berichtete.

Die Behörden wollen im Laufe des Tages Zeugen befragen. "Es stehen Einvernahmen an, die hoffentlich zu weiteren Erkenntnissen führen", sagte ein Polizeisprecher der SZ. Der Rabbiner beschrieb die Angreiferin als etwa 50 Jahre alt und ungefähr 1,70 Meter groß, zur Tatzeit trug sie demnach einen grauen Mantel. Die Frau holte den Angaben zufolge das Messer aus ihrer Handtasche hervor. Inzwischen hat das Wiener Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung die Ermittlungen übernommen.

"Die jüdische Gemeinde wird sich nicht einschüchtern lassen"

Oskar Deutsch, der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG), nannte den Angriff auf Twitter einen "verstörenden Vorfall", der viele Menschen verunsichert habe. "Doch die jüdische Gemeinde wird sich nicht einschüchtern lassen", so Deutsch.

IKG-Generalsekretär Benjamin Nägele erklärte, dass sich der tätliche Angriff an einer Straßenbahnstation am Rennweg gegen 16 Uhr ereignet habe. Zeugen sollten sich bei der Wiener Polizei melden. Die Antisemitismus-Meldestelle der IKG erklärte, die Frau habe bei der Attacke "Schlachtet alle Juden" gerufen.

Der österreichische Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) erklärte nach dem Vorfall: "Neben dem bereits angeordneten verstärkten Schutz der Synagogen werden alle Maßnahmen getroffen, um diesen offensichtlich antisemitisch motivierten Angriff rasch aufzuklären. Es gibt keine Toleranz bei Antisemitismus - egal ob dieser politisch oder religiös motiviert ist."

Auch Nehammers Parteifreund und Kanzler Sebastian Kurz sowie Oppositionsführerin Pamela Rendi-Wagner (SPÖ) meldeten sich zu Wort und verurteilten den Angriff fast wortgleich "auf das Allerschärfste". Bei Antisemitismus dürfe es "kein Dulden, kein Wegsehen und kein Weghören" geben, so Rendi-Wagner.

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