Süddeutsche Zeitung

Wahlen im Irak:Iraks Regierungschef droht Wahlniederlage

  • Bei den Parlamentswahlen im Irak führt überraschend der Schiitenführer Moktada al-Sadr.
  • Als Favorit galt eigentlich der amtierende Ministerpräsident Haider al-Abadi, der mit dem Sieg über den sogenannten Islamischen Staat (IS) Wahlkampf machte.
  • Noch sind nicht alle Provinzen ausgezählt - es zeichnet sich aber bereits eine geringe Wahlbeteiligung ab.

Nach der Parlamentswahl im Irak liegen zwei Anti-System-Parteilisten offiziellen Teilergebnissen zufolge überraschend vorn. Das Bündnis des Schiitenführers Moktada al-Sadr und der Kommunisten wurde in sechs von 18 Provinzen stärkste Kraft und in vier weiteren Provinzen zweitstärkste Kraft. Die Liste von Al-Sadr liegt insbesondere in Bagdad mit deutlichem Vorsprung an der Spitze. In der Hauptstadt werden mit Abstand die meisten Sitze im Parlament vergeben. Da erst zehn von 18 Provinzen ausgezählt sind, kann sich das Ergebnis trotzdem noch verändern.

Die Liste des ehemaligen schiitischen Milizenführers Hadi al-Ameri lag den ersten Zahlen zufolge in vier Provinzen vorn. In acht weiteren Provinzen wurde die Liste, die aus Ex-Kämpfern gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) besteht, zweitstärkste Partei. Die Milizen gelten als verlängerter Arm Irans. Die "Siegesallianz" des amtierenden schiitischen Ministerpräsidenten Haider al-Abadi gewann offenbar nur eine Provinz.

Wahlbeteiligung auf historischem Tiefstand

Der 44 Jahre alte Al-Sadr, Sohn eines hohen schiitischen Geistlichen, gilt als kontroverse Figur. Nach Saddams Husseins Sturz bekämpfte seine Mahdi-Armee die US-Besatzungstruppen mit Gewalt. In den vergangenen Jahren wandelte er sich zu einem der schärfsten Kritiker des politischen Establishments. Er wehrt sich gegen den starken iranischen Einfluss auf die Politik im Irak. Vor zwei Jahren stürmten seine Anhänger das Parlament in der schwer geschützten Grünen Zone. Al-Sadr hat vor allem in den armen Regionen des Iraks viele Anhänger.

Die Beteiligung an der Parlamentswahl erreichte mit 44,5 Prozent ein historisches Tief: Es war die niedrigste seit der ersten freien Wahl nach dem Sturz von Langzeitherrscher Saddam Hussein im Jahr 2003. Beobachter machen dafür eine weit verbreitete Politikverdrossenheit verantwortlich. Vor vier Jahren hatte die Beteiligung rund 60 Prozent erreicht.

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