Süddeutsche Zeitung

Wahl in Großbritannien:Cameron liegt vorne

Laut Prognose gewinnt der konservative Premier die meisten Stimmen. Die Labour-Partei von Ed Miliband verliert, die schottischen Nationalisten feiern einen Erfolg.

Von Björn Finke, London

Bei der Parlamentswahl in Großbritannien hat die konservative Partei von Premierminister David Cameron die meisten Stimmen gewonnen. Nach der ersten Prognose, die in der Nacht zum Freitag veröffentlicht wurde, kamen seine Tories auf 316 Sitze und wären damit im britischen Unterhaus weiterhin die stärkste Kraft. Seine Regierungskoalition mit den Liberaldemokraten würde dieser Umfrage zufolge gerade noch die absolute Mehrheit im Parlament erreichen. Wird diese Marke verfehlt, müsste sich Cameron noch einen weiteren Koalitionspartner suchen. Die Opposition von der Labour-Partei unter ihrem Chef Ed Miliband verliert Mandate.

Mehr als 45 Millionen Briten waren am Donnerstag zur Wahl eines neuen Parlaments aufgerufen. In den Tagen vor der Abstimmung hatten Umfragen ein enges Rennen vorhergesagt und Verluste für die Konservativen. Die Wahllokale schlossen erst um 23 Uhr deutscher Zeit, die letzten Wahlkreise werden wohl erst an diesem Freitagmittag ausgezählt sein.

Der Urnengang wurde in den anderen Hauptstädten Europas gespannt beobachtet, denn der seit 2010 regierende Premier Cameron hatte versprochen, im Falle eines Wahlsiegs die Briten in spätestens zwei Jahren über einen Austritt aus der Europäischen Union abstimmen zu lassen. Zuvor will er in Brüssel die Bedingungen der Mitgliedschaft Großbritanniens neu verhandeln, was viele andere EU-Staaten kritisch sehen. Camerons wahrscheinlicher Koalitionspartner, die Liberaldemokraten, lehnt so eine Volksabstimmung allerdings ab.

Meinungsforscher befragten die Wähler nach der Stimmabgabe. Dieser Umfrage zufolge gewinnen die Konservativen im Vergleich zur Wahl 2010 neun Mandate und kommen auf 316 Sitze, Labour verliert 19 Mandate und landet bei 239 Sitzen. Die Liberaldemokraten erleiden eine herbe Niederlage und fallen von 57 auf 10 Mandate. Das Parlament hat 650 Sitze; für die absolute Mehrheit sind 326 Mandate nötig. Würden Konservative und Liberaldemokraten diese Marke nicht erreichen, müssten sie die Unterstützung der Democratic Unionist Party (DUP) aus Nordirland suchen.

Größter Sieger der Wahl ist die SNP, die Partei der schottischen Nationalisten, die für die Unabhängigkeit des Landesteils kämpft. Die SNP trat nur in Schottland an und steigerte dort die Zahl ihrer Mandate laut Prognose von sechs auf 58. Diese Zugewinne gingen vor allem zu Lasten von Labour. Die EU-feindliche UK Independence Party (Ukip) konnte voraussichtlich nur zwei oder drei Sitze erobern - bei der Europawahl vergangenes Jahr war sie stärkste Partei geworden. Allerdings gilt bei der britischen Parlamentswahl das Mehrheitswahlrecht, was kleine Parteien benachteiligt. Das Parlament tritt am 18. Mai zusammen; am 27. Mai soll Königin Elisabeth II. dort die Regierungserklärung verlesen, über die Anfang Juni abgestimmt wird.

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SZ vom 08.05.2015
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