Süddeutsche Zeitung

US-Politik:Trump-Schwiegersohn Kushner räumt vier Treffen mit Russen ein

  • Kushner räumt ein, er habe während des Wahlkampfs und der Übergangszeit im Weißen Haus vier Mal Kontakt mit Russen gehabt.
  • Er weist jedoch eine Verwicklung in die Affäre um die mutmaßliche Einmischung Russlands in den US-Wahlkampf zurück.
  • Mit Details zu den einzelnen Treffen versucht Kushner, in einem Statement die Kontakte zu den Russen herunterzuspielen.

Präsidenten-Berater Jared Kushner hat in der Russland-Affäre um Donald Trump vier Treffen mit russischen Vertretern vor dem Amtsantritt des US-Präsidenten eingeräumt. So steht es in einer elfseitigen Stellungnahme Kushners, die er wenige Stunden vor seiner Kongress-Anhörung zu dem Thema veröffentlichen ließ.

Jedoch weist Kushner in dem Schreiben eine Verwicklung in die Affäre um die mutmaßliche Einmischung Russlands in den Wahlkampf zurück. Er selbst habe mit keiner ausländischen Regierung zusammengearbeitet. Es habe keine regelwidrigen Kontakte gegeben. Zudem wisse er auch nichts über eine derartige Zusammenarbeit zwischen anderen Mitgliedern in Trumps Wahlkampfteam und Russland.

Es ist die erste öffentliche Erklärung des 36-Jährigen zu seinen Kontakten während des Wahlkampfes und darüber hinaus. Für Trump ist die Rolle seines Schwiegersohnes in der Russland-Affäre heikel. Kushner ist mit Trumps Tochter Ivanka verheiratet. Er galt schon im Wahlkampf als einer der wichtigsten Berater des Republikaners. Im Weißen Haus agiert er als einflussreicher Mann im Hintergrund, der die Öffentlichkeit meist scheut.

Kushner: "Wie heißt der russische Botschafter?"

Kushner selbst hatte vor dem Amtsantritt Trumps nach eigenen Angaben "vielleicht vier" Kontakte mit russischen Vertretern. In seinem Statement an den Kongress ( das ganze Dokument bei der New York Times) versucht er, die Wichtigkeit dieser Treffen herunterzuspielen. An den Namen des russischen Botschafters, Sergej Kisljak, habe er sich kurz nach dem Treffen schon nicht mehr erinnern können. Kushner musste nach eigener Aussage den Chef eines Politik-Think-Tanks per Mail fragen, wie der Botschafter heißt.

Für Aufsehen sorgten kürzlich außerdem veröffentlichte E-Mails von Trumps Sohn Donald Jr. Darin reagierte er begeistert auf die Aussicht, von einer russischen Anwältin negative Informationen über Clinton zu erhalten. Bei dem Treffen mit der Anwältin war auch Kushner dabei. Doch auch dieses war nach seinen Worten harmlos: Er sei spät zu dem Treffen dazugestoßen und habe gehört, wie die Anwältin über Adoptionsangelegenheiten gesprochen habe, teilte Kushner mit. Er habe seinen Assistenten daraufhin per Textnachricht gebeten, ihn aus dem Gespräch herauszurufen.

Mehrere Kongressausschüsse untersuchen zurzeit, ob Trumps Wahlkampfteam mit russischen Stellen zusammengearbeitet hat, um sich Vorteile gegenüber der demokratischen Kandidatin Hillary Clinton zu verschaffen. US-Geheimdienste gehen davon aus, dass sich die Regierung in Moskau zugunsten Trumps in den Wahlkampf einschaltete.

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SZ.de/AFP/Reuters/dayk/gal
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