Süddeutsche Zeitung

Rede von US-Vizepräsident Biden:Sich selbst ein Trost

  • Nach dem Tod von Beau Biden, dem ältesten Sohn des US-Vizepräsidenten Joe Biden, wird in den sozialen Netzwerken ein Video mit einer Rede des US-Vizes geteilt.
  • Darin spricht er 2012 vor Kriegsheimkehrern und Hinterbliebenen von seinem persönlichen Verlust und seiner Trauerarbeit.
  • 1972 hatte er bei einem Verkehrsunfall seine erste Frau Neilia und die gemeinsame kleine Tochter verloren.

Die drei Jahre alte Ansprache des Vizepräsidenten wird auf tragische Weise wieder aktuell

Das Video, das in den sozialen Netzwerken gerade tausendfach geteilt wird, zeigt einen der weltweit bekanntesten Politiker, wie er öffentlich über ein sehr persönliches Thema spricht: Trauer und Verlust. US-Vizepräsident Joe Biden hat 1972 bei einem Verkehrsunfall seine Ehefrau Neilia und die damals einjährige Tochter Naomi verloren. Im verunglückten Fahrzeug saßen auch die beiden Söhne Joseph Robinette III, genannt "Beau", und Robert Hunter. Beide überlebten verletzt.

Der ältere von beiden, Beau Biden, ist vor zwei Tagen an den Folgen eines Gehirntumors gestorben. Der Staatsanwalt wurde nur 46 Jahre alt und galt - auch wenn er bislang nicht politisch nicht in Erscheinung getreten war - als ein möglicher Hoffnungsträger für die Demokraten. Vor seiner Krebserkrankung wurde er als möglicher Kandidat im Rennen um das Gouverneursamt des Bundesstaats Delaware gehandelt.

Rede vor Kriegsheimkehrern über persönlichen Verlust

Dass die bekannte Rede des Vizepräsidenten nun so oft geteilt wird, wirkt wie eine Kondolenzbekundung. Doch ist es der Trauernde selbst, dem mit seinen eigenen Worten Trost gespendet werden soll.

Vor Kriegsheimkehrern und Hinterbliebenen spricht Biden in seiner Rede 2012 davon, wie es sich anfühlt, wenn das Telefon klingelt und die Nachricht vom Tod eines Familienmitglieds überbracht wird. Er spricht davon, wie es für einen Trauernden ist, wenn Freunde und Bekannte ihr Mitgefühl damit ausdrücken, dass sie sagen "Ich weiß, wie du fühlst" - obwohl sie das meistens gar nicht können. Der Katholik Biden spricht vom Hadern mit dem eigenen Glauben, von guten und schlechten Tagen sowie von der Hoffnung.

2009 war der Sohn Beau Biden von einem Irak-Einsatz unversehrt nach Hause zurückgekehrt. Damals habe er sich fast schuldig dafür gefühlt, sagt der Vater in seiner mittlerweile drei Jahre alten Ansprache. Weil so viele andere eben nicht nach Hause gekommen seien.

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