Süddeutsche Zeitung

Teherans Atomprogramm:Sanktionen sind der einzige Weg

Ein Militärschlag gegen Irans Atomanlagen könnte die ganze Region in einen Krieg führen. Es gibt also keine Alternative zu einem politischen Vorgehen: Die EU setzt auf schärfere Sanktionen. Das ist richtig. Doch auch Russland und China müssen mitziehen.

Martin Winter

Die Indizien gegen Teheran sind viel zu stark, als dass man sie ignorieren dürfte. Und es wäre leichtsinnig zu warten, bis Iran auf frischer Tat beim Bombenbau ertappt wird. Dann könnte es zu spät sein. Ein Militärschlag gegen die iranischen Nuklearanlagen verbietet sich schon allein deshalb, weil er die ganze Region in einen Krieg führen könnte. Es bleibt also nur der Weg, die Schraube der Sanktionen gegen Iran immer stärker anzuziehen. Die EU geht diesen Weg und erhöht vernünftigerweise den Druck.

Nüchtern betrachtet gibt es auch keine Alternative zu einem politischen Vorgehen, selbst wenn das um den Preis immer schärferer Sanktionen geschieht. Sanktionen bieten Teheran klugerweise auch immer die Chance, sich von seinen Atombombenträumen zu verabschieden. Niemand will den Iranern die friedliche Nutzung der Kernkraft verwehren. Aber die rote Linie ist eindeutig definiert: Inakzeptabel ist, wenn Iran sich Material und Technik für den Waffenbau beschafft.

Es sind Iran schon viele Angebote zum Ausstieg aus dem Programm gemacht worden - Geld und Wissen hätte nach Teheran transferiert werden können. Bislang hat Iran zwar immer wieder verhandelt, am Schluss aber abgewunken. Trotz dieser frustrierenden Erfahrungen lohnt es sich, erneut auf die Kombination aus Sanktionen und Verhandlungen zu setzen.

Nicht nur um Teheran doch noch zur Vernunft zu bringen. Sondern auch, um Russland und China davon abzuhalten, sich ganz auf die Seite Irans zu schlagen. Denn je mehr Beweise für das Waffenprogramm auf den Tisch kommen, desto wichtiger ist es, dass auch Moskau und Peking Druck ausüben und so vielleicht doch der Spuk ein Ende findet.

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Quelle:
SZ vom 15.11.2011/bero
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