Süddeutsche Zeitung

SPD:Kanzlerkandidaten-Debatte der SPD verkommt zur Farce

Hannelore Kraft behauptet, sie wisse schon, wer SPD-Kanzlerkandidat wird. Wenn das stimmt, dann führt die SPD die Öffentlichkeit an der Nase herum.

Kommentar von Christoph Hickmann

Äußerst beliebt ist derzeit in der SPD die These, bei der Debatte über die sozialdemokratische Kanzlerkandidatur handele es sich um eine Erfindung der Medien. Das Problem ist nur: Die These stimmt nicht. Kaum ein Tag vergeht derzeit, ohne dass ein prominenter Genosse sie eindrucksvoll widerlegt.

Ob nun Sigmar Gabriel den Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz als Kandidaten-Kandidaten in Erinnerung ruft oder Hannelore Kraft behauptet, sie wisse schon, wer es werde: Immer wenn die Debatte gerade einzuschlafen droht, ist es die SPD-Spitze höchstselbst, die sie wiederbelebt.

Maßgebliche Genossen müssten sich zurückhalten

Krafts Äußerung allerdings wiegt noch deutlich schwerer als die diversen Einlassungen ihrer Parteifreunde. Wenn es stimmt, was sie sagt, dann führt die SPD dieser Tage die Öffentlichkeit an der Nase herum - schließlich haben die Genossen gerade erst beschlossen, die Entscheidung im nächsten Jahr zu treffen.

Und wenn es, wofür mehr spricht, nicht stimmt? Dann hat Frau Kraft womöglich eine der Stimmungen des Parteichefs, der die Dinge heute so und morgen anders sieht, mit einer Entscheidung verwechselt. So oder so: Die Kandidatendebatte verkommt allmählich zur Farce.

Grundsätzlich wäre es schon möglich, mit der Kür des Kandidaten bis Januar zu warten. Voraussetzung wäre allerdings, dass sich die maßgeblichen Genossen bis dahin zurückhalten. Der Erfahrung nach sollte man nicht allzu fest damit rechnen.

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Quelle:
SZ vom 30.11.2016/gal
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