Süddeutsche Zeitung

Krieg in Syrien:Moskau kündigt weitere Luftangriffe an

  • Moskau ist nur zu einer zweitätigen Waffenruhe bereit - und kündigt weitere Luftangriffe zur Unterstützung der syrischen Armee an.
  • Die USA erwägen nach der Bombardierung zweier Krankenhäuser in Aleppo ein härteres Vorgehen gegen das syrische Regime.
  • Die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" verurteilte die unerbittlichen Angriffe, UN-Generalsekretär sprach von "Kriegsverbrechen".
  • Der Nachrichtensender Al Jazeera veröffentlicht derweil ein Video, das einen syrischen Diplomaten sehr abgebrüht erscheinen lässt.

Gerade erst haben die USA die jüngsten Angriffe auf zwei Krankenhäuser in der syrischen Stadt Aleppo scharf kritisiert - nun kündigt Russland weitere Luftangriffe an.

"Moskau wird seine Operationen in der Luft fortsetzen, um den Anti-Terror-Kampf der syrischen Truppen zu unterstützen", sagte Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow in Moskau. Russland nehme den "nicht konstruktiven Charakter der Rhetorik aus Washington" zur Kenntnis, bleibe aber an einer Zusammenarbeit mit den USA im Syrien-Konflikt interessiert.

Zuvor hatte derr stellvertretende Außenminister Sergej Rjabkow die amerikanische Forderung nach einer siebentägigen Feuerpause abgelehnt. Moskau sei aber bereit, aus humanitären Gründen eine 48-stündige Waffenruhe zu unterstützen.

US-Außenminister John Kerry hatte Moskau am Mittwoch wegen der andauernden heftigen Bombardierung Aleppos mit dem Abbruch aller Syrien-Gespräche gedroht.

Erst Anfang vergangener Woche war eine zwischen den USA und Russland ausgehandelte Feuerpause für Syrien von der syrischen Armee aufgekündigt worden. Seitdem findet eine Militäroffensive auf Aleppo statt, mit russischer Unterstützung aus der Luft.

Wie US-Medien unter Berufung auf Regierungsmitarbeiter gemeldet hatten, denkt die Regierung in Washington offenbar nun darüber nach, die syrischen Rebellen aufzurüsten. Dabei gehe es beispielsweise um die Frage, ob der Geheimdienst CIA und seine regionalen Partner Waffensysteme liefern sollten, mit denen die von ihnen unterstützten Gruppen syrische und russische Artilleriepositionen aus größerer Entfernung angreifen könnten, berichtet das Wall Street Journal.

Ärzte ohne Grenzen verurteilen unerbittliche Angriffe

Die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" warf Russland und dem Assad-Regime eine gnadenlose Kriegsführung vor. Die Zivilbevölkerung und medizinische Einrichtungen würden immer häufiger angegriffen, sagte Joanne Liu, Präsidentin von "Ärzte ohne Grenzen", vor dem UN-Sicherheitsrat in New York (hier der gesamte Text ihrer Rede) am Mittwoch (Ortszeit). Der unerbittliche Sturmangriff auf die Stadt Aleppo mache Rettungsmaßnahmen für Verletzte unmöglich. Leichen lägen auf den Straßen, sagte Liu.

Auch gegen den UN-Sicherheitsrat erhob sie Vorwürfe. Dieser habe bei der Umsetzung einer Resolution zum Schutz von Krankenhäusern in Konfliktgebieten versagt. Schuld an der Untätigkeit sei "ein Mangel an politischem Willen".

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach zuvor im Zusammenhang mit den Krankenhaus-Bombardierungen von "Kriegsverbrechen". "Stellen Sie sich einen Schlachthof vor. Es ist noch schlimmer", sagte Ban dem UN-Sicherheitsrat. In den beschossenen Krankenhäusern gebe es "Leute mit abgerissenen Gliedmaßen" und "Kinder, die ohne Atempause schrecklich leiden".

Irritierendes Video bei Al Jazeera

Der Nachrichtensender Al Jazeera veröffentlichte auf Twitter ein 13 Sekunden langes Video, dass die Abgebrühtheit des syrischen Regimes offenbar sehr gut demonstriert. Darin konfrontiert Reporter James Bays den syrischen UN-Botschafter in New York, Bashar al-Jafaari, mit der Frage, ob sein Land die beiden Krankenhäuser bombardiert habe.

Der Darstellung des Senders zufolge antwortet der Diplomat jedoch nicht, sondern geht nur lachend davon. Im Video ist ein Lachen zu hören, allerdings ist das Gesicht Jafaaris nicht zu erkennen.

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