Süddeutsche Zeitung

Großbritannien:Brexit -Partei kommt Konservativen entgegen

Nigel Farage will beim Votum über das neue Parlament nicht in allen Wahlkreisen antreten.

Nigel Farage hat eine Kehrtwende vollzogen: Der Chef der Brexit Party kündigte am Montag an, dass seine Partei bei den britischen Parlamentswahlen nun doch nicht in allen Wahlkreisen antreten werde. "Die Brexit Party wird sich nicht um die 317 Mandate bewerben, die bei der vergangenen Wahl von der konservativen Partei gewonnen wurden", sagte Farage bei einem Wahlkampfauftritt in der englischen Hafenstadt Hartlepool. Er wolle das Votum all jener, die einen EU-Austritt ihres Landes befürworten, nicht spalten. Die Brexit Party werde sich nun auf Wahlkreise konzentrieren, die bislang von Labour und Pro-EU-Parteien wie den Liberaldemokraten vertreten werden.

Noch am Wochenende hatte Farage einen Pakt mit den Tories von Premierminister Boris Johnson abgelehnt, solange sich die Konservativen nicht zu einem "echten Brexit" bekennen würden. Johnson strebt bei der Wahl am 12. Dezember eine Mehrheit an, um seinen mit Brüssel ausgehandelten Brexit-Vertrag durch das Unterhaus zu bringen. Diesen Deal hatte Farage bislang entschieden abgelehnt, da es sich dabei nicht um einen "echten Brexit" handle.

Ausgelöst wurde Farages Kehrtwende nun angeblich durch eine Äußerung Johnsons. Der Premierminister habe sich dazu bekannt, die künftigen Beziehungen mit der EU im Rahmen eines Freihandelsabkommens nach dem Vorbild Kanadas zu gestalten, sagte Farage. Dies mache für ihn "einen großen Unterschied"; schließlich sei bislang immer die Rede von einer engen und besonderen Partnerschaft gewesen, erklärte der Brexit-Party-Chef. Ob dies jedoch tatsächlich der Grund für Farages plötzlichen Sinneswandel gewesen ist, blieb am Montag zunächst unklar. Britischen Medienberichten zufolge war er am Wochenende unter starken Druck aus den eigenen Reihen geraten.

Inwieweit Farages Umdenken eine Hilfe für Johnson ist, wird sich wohl erst am Wahltag zeigen. Für einen deutlichen Wahlsieg braucht der Premierminister vor allem Stimmen von Brexit-Befürwortern in traditionellen Labour-Hochburgen - doch dort will Farages Brexit Party weiter antreten.

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Quelle:
SZ vom 12.11.2019
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