Süddeutsche Zeitung

Gaza-Proteste:Mehr als 400 Verletzte an einem Tag

  • Bei Protesten im Gaza-Streifen sind am Freitag 431 Palästinenser verletzt worden.
  • Die Proteste finden wegen des 70. Jahrestags der Staatsgründung Israels statt, die die Palästinenser als Katastrophe ansehen.

Bei erneuten Konfrontationen mit israelischen Soldaten sind an der Gaza-Grenze 431 Palästinenser verletzt worden, die meisten durch Tränengas. 20 hätten Verletzungen durch scharfe Munition erlitten, 30 weitere durch Gummimantelgeschosse, teilte das palästinensische Gesundheitsministerium in Gaza mit. Drei Menschen seien durch Schüsse israelischer Soldaten lebensgefährlich verletzt worden.

Die israelische Armee sprach von schätzungsweise 7000 Palästinensern an fünf Orten entlang der Grenze. Sie würden brennende Reifen in Richtung der Soldaten rollen und Steine werfen. Soldaten würden entsprechend der Vorgaben feuern. Die Armee hat mehrfach betont, die an der Grenze positionierten Scharfschützen hätten klare Anweisungen, erst nach mehreren Warnungen zu schießen und auch dann nur auf die Beine.

Eine Gruppe Palästinenser habe erfolglos versucht, den Sicherheitszaun zu durchbrechen, hieß es in der Armee-Mitteilung. Zwei israelische Drohnen im "Dokumentationseinsatz" seien im Gazastreifen abgestürzt. Augenzeugen hatten zuvor berichtet, Palästinenser hätten die Drohnen mit Steinwürfen vom Himmel geholt.

Bilder zeigten viele junge Palästinenser und brennende Reifen, von denen schwarze Rauchsäulen aufstiegen. Über Lautsprecher ließen israelische Soldaten die Verantwortlichen wissen, dass sie ins Visier genommen werden könnten. "Sie: Hören Sie auf, Reifen zu bringen! Die Reifen verursachen Schießereien", lautete die Mitteilung von der anderen Seite des Grenzzauns.

Unter den Toten sind drei 15-Jährige

Seit Ende März sind bei ähnlichen Konfrontationen mehr als 40 Palästinenser getötet worden. Unter ihnen sind drei 15-Jährige und fünf weitere Teenager. Mehr als 7000 Palästinenser wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums verletzt, dabei etwa 2000 durch scharfe Munition.

Anlass des "Marsches der Rückkehr", der bis Mitte Mai dauern soll, ist der 70. Jahrestag der Gründung Israels. Für die Palästinenser bedeutet die Staatsgründung eine Katastrophe, weil 1948 Hunderttausende Palästinenser fliehen mussten oder vertrieben wurden. Forderungen der heute rund fünf Millionen Flüchtlinge und Nachkommen auf ein "Recht auf Rückkehr" auf israelisches Staatsgebiet lehnt Israel ab. Zwei Drittel der zwei Millionen Palästinenser in Gaza sind Kriegsflüchtlinge oder deren Kinder und Enkel.

Der Gazastreifen gehört zu den Palästinensischen Autonomiegebieten, seine Grenzen kontrolliert Israel. Die restriktive Genehmigungspraxis für Einfuhren und die Übervölkerung der Region verschärfen die humanitäre Notlage der Menschen im Gazastreifen: Die Arbeitslosenquote liegt bei etwa 40 Prozent.

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