Süddeutsche Zeitung

Flughafen Berlin Brandenburg:Korruptionsverdacht belastet Pannen-Projekt

Er wollte das "Monster" Brandschutz bändigen - jetzt wühlt sich die Staatsanwaltschaft durch die Unterlagen des beurlaubten Technikchefs des Hauptstadtflughafens, Jochen Großmann. Im Aufsichtsrat sorgt man sich, dass es nun noch länger dauern könnte, bis der BER fertig ist.

Von Jens Schneider, Berlin

Es war ein selbstbewusster Auftritt und Jochen Großmanns Botschaft eindeutig: Bisher lief vieles schlecht, nun wird alles gut. Als "Leiter Technik" in Hartmut Mehdorns Sprint-Team am Hauptstadtflughafen offenbarte der Professor aus Dresden, dass die zentrale "Entrauchungsanlage 14" auf dem Bau "Monster" genannt werde. Sie sei nicht beherrschbar, verriet er, "eine Fehlplanung". Und versprach eine "ganzheitliche Sicht: Die Lösung hat System". Man verstehe die Anlage jetzt und habe die nötigen Planer an Bord. Alle Planungsaufträge seien vergeben.

Keine zwei Monate liegt es zurück, dass der Technikchef des BER so seine Lösung für die Dauerbaustelle in Schönefeld vorstellte. Der Sachse war offenkundig zu einer zentralen Figur für den Bau geworden. Die Nachricht jetzt alarmierte wichtige Mitglieder des Flughafen-Aufsichtsrats: Am Dienstag beurlaubte Mehdorn den wichtigen Mann wegen eines Korruptionsverdachts.

Es ist nur ein Verdacht. Großmanns Dresdner Firma Gicon setzt auf eine Entlastung ihres Inhabers. Man werde "vollumfänglich mit der Staatsanwaltschaft zusammenarbeiten, um die Vorwürfe schnellstmöglich zu entkräften", teilte ein Sprecher mit. Die Staatsanwaltschaftschaft hat erst mit der Arbeit begonnen.

Im Aufsichtsrat wird man sich weniger wegen der schlechten Presse sorgen, die ist man gewöhnt. Es geht konkret um das Projekt. Es besteht die Sorge, dass der Bau - dessen Eröffnung 2012 wegen gravierender Probleme mit der Entrauchung abgesagt wurde - noch weiter zurückgeworfen wird. Von einem "schwerwiegenden Problem" sprach Brandenburgs Landesregierung unter Führung von Dietmar Woidke (SPD) und forderte eine Sondersitzung des Aufsichtsrats, eben "weil der Betroffene eine Schlüsselstellung für die Fertigstellung des Projektes" hatte.

Großmann hat in Dresden die Firma Gicon aufgebaut, die für ihre Entwicklungen Anerkennung und Auszeichnungen erhielt. Im vergangenen Sommer begann er als Berater für den Flughafen zu arbeiten. Im April stellte die Flughafengesellschaft ihn an. Der Korruptionsverdacht bezieht sich offenbar auf die Zeit von Oktober 2013 bis Februar dieses Jahres. Es heißt, dass der Beschuldigte für die Vergabe eines Planungsauftrags von einer Firma 500 000 Euro verlangt habe. Am Dienstag wurden Wohnungen und Büros durchsucht und fünf bis sechs Umzugskartons mit Unterlagen sowie Datenträger beschlagnahmt. Geflossen sei das Geld aber nicht, sagte der Neuruppiner Oberstaatsanwalt Frank Winter. Die Erkenntnislage sei bisher "relativ gut", erklärte Winter dem rbb.

Mehdorn versucht die Sorgen zu dämpfen

Die Staatsanwaltschaft schätze den Fall als das klassische Modell von Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr ein, meinte Flughafen-Chef Mehdorn. Er fühle sich durch sie in der "Null-Toleranz-Linie bei Korruptionsfällen" bestätigt. "Unser Vergaberegelwerk ist in Ordnung. Gegen kriminelle Energie Einzelner sind wir jedoch nicht gefeit." Er versucht, die Sorgen zu dämpfen, dass sich das Projekt noch weiter verzögert, für das es bis heute keinen Inbetriebnahme-Termin gibt.

Sein Team sei sehr solide aufgestellt: "Es steht und fällt nicht mit einem einzelnen Mitarbeiter." Arbeit und Verantwortung bei der Mammutaufgabe BER verteilten sich auf mehrere Schultern, betonte er. Kommissarisch wird sein Oberbauleiter Frank Röbbelen die technische Leitung übernehmen, "um die Auswirkungen auf den BER so gering wie möglich zu halten". An den unter Großmann entwickelten Plänen will Mehdorn festhalten: "Für die wesentlichen technischen Fragestellungen, die bislang einer Eröffnung des BER im Weg standen, haben wir Lösungen erarbeitet und die Planungen aufgenommen."

Der Aufsichtsrat soll sich wohl kommende Woche zur Sondersitzung treffen. Schon jetzt wird Mehdorn in dem Gremium verteidigt. Berlins Regierender Bürgermeister und Aufsichtsratschef Klaus Wowereit (SPD) sagte, niemand sei geschützt vor kriminellen Handlungen. Mehdorn habe korrekt gehandelt. Die Grünen hatten die Entlassung des 71-jährigen Geschäftsführers gefordert. Auch der Brandenburger Fraktionschef Axel Vogel verlangte einen Neustart, neben Mehdorn solle auch der Aufsichtsrat abtreten.

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SZ vom 30.05.2014/sks
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