Süddeutsche Zeitung

Flüchtlinge:Augenzeugen berichten von Hetzjagd in Bautzen

  • Mehrere Personen haben in der sächsischen Stadt Bautzen zwei Asylsuchende mit Steinen beworfen.
  • Zudem sollen Flüchtlinge mit pistolenähnlichen Gegenständen bedroht worden sein.
  • Ein Libyer, der einen 19-jährigen Deutschen angriff, wurde festgenommen.

Von Benedikt Peters

In der sächsischen Stadt Bautzen ist es erneut zu Übergriffen auf Flüchtlinge gekommen. Mehrere Personen haben zwei Asylsuchende in der Nähe eines Supermarktes in der Innenstadt verfolgt, mit Steinen beworfen und beleidigt. Die Gruppe habe aus zehn bis 15 Personen bestanden, teilte die Polizei mit. Einer der beiden Asylsuchenden wurde demnach von einem Stein am Bein getroffen. Ernstlich verletzt worden sei aber niemand.

Die zuständige Polizeidirektion Görlitz dementierte, dass es sich um eine "Hetzjagd" auf Flüchtlinge gehandelt habe. Dies hatte zuvor Zeit Online berichtet. Ein Augenzeuge bestätigte hingegen der Süddeutschen Zeitung weite Teile des Berichts, nach dem 40 bis 50 Personen die beiden Asylsuchenden "vor sich her gejagt" hätten. Die Personen hätten überwiegend dunkle Kleidungsstücke und Kapuzenpullover getragen. Auf diesen seien rechtsextreme Symbole zu sehen gewesen, etwa die Reichsflagge oder die Aufschrift "Division Bautzen".

Letzteres ist der Name einer rechtsextremen Organisation in der Stadt. Auf Fahrzeugen, mit denen einige der Verfolger vorgefahren seien, sei außerdem der Schriftzug "White Power" zu lesen gewesen. Dem Augenzeugen zufolge habe die Gruppe zudem Parolen wie "Haut ab" in Richtung der Asylsuchenden skandiert.

Einer von ihnen sei von seinem Fahrrad gerissen worden. Dann sei es den beiden Asylsuchenden gelungen, zu flüchten. Einige der Verfolger hätten sich in einer nahe gelegene Parkanlage versteckt und seien daher von der Polizei nicht entdeckt worden.

Oberbürgermeister: Das Klima "ein bisschen unterschätzt"

Nach Polizeiangaben kam es zu weiteren Auseinandersetzungen. In der Nähe des Supermarkts, am Kornmarkt in der Bautzener Innenstadt, habe eine Konfrontation zwischen acht Männern und "einer Gruppe aus zwei deutschen Frauen und drei jungen Asylbewerbern" stattgefunden.

Zeugen beschuldigen zwei der Männer, mit einem "pistolenähnlichen Gegenstand" auf die Asylbewerber gezielt zu haben. Später meldete sich ein weiterer Asylsuchender bei der Polizei und gab an, ebenfalls mit einem pistolenähnlichen Gegenstand bedroht worden zu sein. Die Polizei nahm daraufhin einen Mann fest. Bei ihm sei eine Schreckschusspistole sowie Drogen gefunden worden. Er habe zudem unter Drogeneinfluss gestanden. Unweit des Supermarkts soll außerdem ein 20-jähriger Libyer einen 19-Jährigen Deutschen körperlich angegriffen haben.

Ein Test habe gezeigt, dass der Libyer alkoholisiert war. Es sind nicht die ersten Auseinandersetzungen zwischen Asylsuchenden und Rechtsradikalen in Bautzen. Im September kam es bereits zu Krawallen, die mehrere Nächte lang andauerten.

Ebenfalls auf dem Kornmarkt waren damals junge Asylbewerber und rechtsradikale Einheimische mit Holzlatten und Flaschen aufeinander losgegangen. Dies hatte mehrere Demonstrationen ausgelöst. Die Untersuchung der Polizei dauert an, die zuständige Ermittlungsgruppe trägt in Anlehnung an eine umgangssprachliche Bezeichnung des Kornmarkts den Namen "Platte".

In den Wochen zuvor galt das Klima in Bautzen bereits als aufgeheizt. Nach den Krawallen vom September hatte Oberbürgermeister Alexander Ahrens eingeräumt, er habe die Lage "ein bisschen unterschätzt." Zu den neuerlichen Zwischenfällen äußerte er sich auf Facebook: Offensichtlich seien rechte Gruppen der Meinung, für die Mehrheit der Bevölkerung zu handeln - "das ist eindeutig nicht der Fall". Er forderte ein stärkeres Engagement der "schweigenden Mehrheit".

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