Süddeutsche Zeitung

Entwicklungshilfeminister:Gerd Müller umarmt die Welt

"Ich liebe euch, ich liebe euch alle!" Mit einer enthusiastischen Rede auf dem Global Citizen Earth Day in Washington avanciert der bisher blasse Entwicklungsminister Gerd Müller zum Youtube-Star.

Von Paul Munzinger

Als Gerd Müller im Dezember 2013 zum neuen Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung aufstieg, begrüßte die türkische Tageszeitung Hürriyet ihn mit dem gebührenden Respekt vor seiner beeindruckenden Lebensleistung. "Geboren 1945", schrieb sie unter ein Foto des neuen Ministers, "früher Star der deutschen Nationalmannschaft und von Bayern München. Torschützenkönig der Nationalmannschaft."

Nein, Gerd Müller war nie in der Nationalmannschaft (und schon gar nicht deren Torschützenkönig), Gerd Müller ist in der CSU. Geboren wurde er erst 1955, in Krumbach. Die bayerisch-schwäbische Herkunft hört man ihm immer noch an, vor allem wenn er Englisch spricht. Doch weil Gerd Müller nicht nur Krumbacher ist, sondern überdies mitreißende Reden halten kann, ist er jetzt nicht mehr nur der farblose Namensvetter des einstigen Fußball-Bombers der Nation. Gerd Müller ist jetzt ein Youtube-Star.

"Was für eine Party"

Auf dem Global Citizen Earth Day, einer Benefiz-Veranstaltung gegen Hunger und Umweltverschmutzung in Washington, sollte Müller am 18. April eigentlich nur eine Videoansprache von Bundeskanzlerin Angela Merkel ankündigen. Er hatte 90 Sekunden Zeit, eine Ansprache auf engstem Raum sozusagen, aber den hat er genutzt.

"Was für eine Party", rief Müller seinen 270 000 begeisterten Zuschauern in Washington und den mehr als zwei Millionen vor den Computerbildschirmen zu. "Lasst uns die Welt verändern!" Wie genau, das war auf dem braunen T-Shirt zu lesen, das er über das Hemd und die rote Krawatte gestreift hatte: "End poverty" (Armut beenden!). Und dann brach es aus Müller zum ersten Mal heraus: "Ich liebe euch!"

"Zusammen", sagte Müller "kämpfen wir für Freiheit und Gerechtigkeit. Wir kämpfen für eine bessere Welt." Schon musste er an Angela Merkel übergeben. Doch noch einmal, als fulminanter Schlusspunkt, übermannte ihn die Euphorie, die Begeisterung: "Ich liebe euch alle!"

Zwei Liebeserklärungen in einer einzigen Rede eines deutschen Ministers - wann hat es das schon einmal gegeben? 200 000 Clicks bei Youtube sind die Belohnung für so viel Enthusiasmus. Als Zugabe gibt es seine Ansprache jetzt auch als Reggae-Version.

Müllers Englisch-Kenntnisse, sollte das jemanden interessieren, sind übrigens durchaus solide.

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