Süddeutsche Zeitung

Die RAF-Legende vom Verräter:Verfolgt vom bleiernen Schatten

Fritz Rodewald brachte die Polizei auf die Spur der Terroristin Ulrike Meinhof. Dieser eine Tag im Juni 1972 prägt sein Leben bis heute.

Dies ist eine Geschichte, bei der man keine Fehler machen möchte, weil sie schon so oft falsch erzählt worden ist. Es ist eine Geschichte, die von festen Überzeugungen handelt und von Verrat, oder besser gesagt, von dem, was manche dafür halten.

Fritz Rodewald steht auf seiner Terrasse und schaut hinab auf die Stadt, in der er die meisten seiner 66 Lebensjahre verbracht hat, und dann blickt er in den Himmel, wo die Aprilwolken tanzen.

Dass er diese Wohnung gefunden hat, die über den ziegelroten Dachrücken der Hannoveraner Innenstadt schwebt, empfindet er als seltenes Glück. Er hat sie erst jüngst bezogen. Es soll ein Neuanfang sein.

Fritz Rodewald hat ein windgegerbtes Gesicht mit geröteter Haut, ein Gesicht voller Lebensspuren. Die Geschichte, die er erzählt, hat sich auch dort eingegraben.

Ruheloses Gespenst

Erst vor einer Weile ist sie wieder aus der Vergangenheit aufgetaucht, wie ein Gespenst, das keine Ruhe finden will. Dabei war der Anlass diesmal ganz harmlos.

Der Ruheständler Rodewald wollte in einen Sportverein eintreten, in einen Boule-Club, nur zum Zeitvertreib, eine wirklich unverdächtige Sache. Unter den 18 Hannoveraner Vereinen wählte er einen der größten, der als sportlich ambitioniert gilt und in dem - was ihm auch gefiel - vorwiegend Senioren spielen, die in jüngeren Jahren in der studentisch-linken Szene der Stadt aktiv waren.

Unversehens aber fand sich der Boule-Runden-Bewerber in der Rolle des Spielverderbers wieder. Der Vereinschef war von ein paar Freundinnen gewarnt worden, man könne doch nicht Fritz Rodewald aufnehmen, "Rodewald, den Verräter".

Da war es wieder, das Gespenst, aufgetaucht aus dem Hannoveraner Hinterhalt. Früher haben solche Erscheinungen ihm Angst gemacht, so viel Angst, dass er auf dem Weg zum Einkaufen zeitweise eine kugelsichere Weste trug, dass er seine Wohnung von Polizisten bewachen ließ und seinen Job als Lehrer aufgab.

"Fast alle wissen es falsch"

Und das alles wegen eines Vorfalls, der drei Jahrzehnte zurückliegt, genauer gesagt fast 34 Jahre. Es war 1972, als sich Deutschland vor Terroristen fürchtete.

Nicht vor irgendwelchen islamistischen Gewalttätern, sondern vor deutschen Bürgersöhnen und -töchtern, die sich in die linksradikale Rote Armee Fraktion, die RAF, verwandelt hatten und fortan Polizisten, Richter und amerikanische Soldaten töteten.

Im Juni 1972 hingen ihre Steckbriefe schon überall. Gesucht wurden die Journalistin Ulrike Meinhof, die als geistige Anführerin der RAF galt, gefolgt von dem Dandy und Waffennarr Andreas Baader und der Pastorentochter Gudrun Ensslin.

Am 15. Juni 1972 ging Fritz Rodewald in Hannover zur Polizei und erzählte von einer seltsamen Begegnung. Er sagte, er fürchte, Leute der RAF wollten in seiner Wohnung übernachten. Beim Landeskriminalamt war man zunächst "mäßig hellhörig", wie sich Rodewald erinnert. Dann aber fuhren doch drei Polizisten zu dem einstöckigen Haus am Anfang der Walsroder Straße in Hannover-Langenhagen, wo Rodewald und seine Freundin wohnten.

Die Polizisten fanden zuerst nichts Verdächtiges und wollten schon wieder gehen, als ihnen eine unbekannte Frau und ein Mann entgegen kamen. Die beiden fragten den Hausmeister nach der Wohnung des "Lehrers". Den Mann verfolgten die Polizisten später bis zu einer nahen Telefonzelle. Dort nahmen sie ihn kurzerhand fest.

Es war Gerhard Müller, ein Mitglied der RAF. Müller war bewaffnet.

Die Frau wurde danach in der Wohnung Rodewalds überwältigt. Sie wehrte sich heftig.

Die Polizisten wussten da noch nicht, wen sie in Händen hielten. Dass es Ulrike Meinhof war, fanden sie erst Stunden später durch eine medizinische Untersuchung heraus.

Auch Fritz Rodewald hat nicht gewusst, dass er Ulrike Meinhof, die damals meistgesuchte Frau der Republik, ausgeliefert hat. Aber das hat ihm kaum einer geglaubt. Und damit war das Gespenst geboren. Wenn man so will, wurde Rodewalds weiteres Leben ein Kollateralschaden des deutschen Terrorismus.

Quälende Mythen

Er selbst spricht von einem Trauma, einer Grenzerfahrung, die ihn bis heute "verfolgt und quält". Deshalb will er nun endlich berichten, wie das war, vor mehr als drei Jahrzehnten. "Denn fast alle wissen es falsch."

Man kann die falschen Geschichten, die Mythen und Märchen nachlesen, etwa in dem erst 2003 erschienenen Buch "Vesper, Ensslin, Baader" von Gerd Konen, in dem es heißt, "Ulrike Meinhof wurde von Freunden in Hannover nach telefonischem Ratschlag der Polizei übergeben".

Oder im Internet, sogar auf einer Geschichts-Website für Kinder. Da ist der Lehrer Rodewald schlicht ein Denunziant. Stefan Aust gibt in "Der Baader Meinhof Komplex" noch die genaueste Darstellung, aber ohne den Namen Rodewald zu nennen.

Auch damit, wie Günter Grass in "Mein Jahrhundert" die Geschichte erzählt, ist Rodewald gar nicht einverstanden. Es hat es dem Verlag von Grass geschrieben. Eine Antwort bekam er nicht.

Warum will Rodewald jetzt reden, ausgerechnet in dem Jahr, in dem sich Ulrike Meinhofs Selbstmord am 9. Mai 1976 in einer Zelle von Stuttgart-Stammheim zum 30. Mal jährt?

Verfolgt vom bleiernen Schatten

Rodewald rechnet anders. Er zählt nicht Jahre, sondern die Tage seit dem Tod seiner Lebensgefährtin. Auch sie hieß Ulrike, und als er ihr mit schwärmerischen Zeilen, Worten der Liebe ein Buch widmete, da haben sie dies in gewissen linken Hannoveraner Kreisen wieder missverstanden und gehöhnt, erst verrate der Rodewald die Ulrike Meinhof, dann widme er ihr Gedichte.

Rodewalds zerfurchtes Gesicht bekommt harte Züge, wenn er das erzählt.

Seine Freundin und spätere Ehefrau hieß Ulrike Winkelvoß. Gestorben ist sie am 3. Dezember 1999 auf einem dänischen Campingplatz, in einem mächtigen Sturm, ein Unfalltod in Sekunden.

Eine Böe hob einen Wohnwagen neben dem Gefährt Rodewalds einer Vogelfeder gleich in die Lüfte und ließ ihn wieder fallen. Der Wagen erdrückte Ulrike Winkelvoß. Danach war Rodewald wie gelähmt.

Er hat den Schock in einem anrührenden Trauertagebuch verarbeitet. "Ich küsse Deinen Schatten", heißt es. Und weil ein neues Trauma oft ein altes aufrührt, wie eine vernarbte Wunde, die durch eine neue Verletzung wieder zu pochen beginnt, schildert er in dem kürzlich veröffentlichten Trauerbuch erstmals auch die Meinhof-Verhaftung.

Das Buch haben nur ein paar persönliche Freunde gelesen, deshalb will er nun alles erzählen, damit die Mythen endlich entschleiert werden und das Gespenst sich verzieht.

Rodewald will den vielen Analysen der deutschen Studentenbewegung und der bis heute anhaltenden Aufarbeitungen der Geschichte des linken Terrorismus keine neuen Interpretationen hinzufügen.

Er will nur berichten, wie es kommen konnte, dass einer wie er vereinnahmt wird von Leuten, die mit dem Leben anderer spielen, als wären es Boule-Kugeln. Er glaubt, dass dies immer noch aktuell ist.

Rodewald sagt, der 11. September 2001 sei für ihn deshalb "ein Schlüsselerlebnis" gewesen. Als er von den einstürzenden Zwillingstürmen hörte, war er in Irland, wo er mit Ulrike Winkelvoß ein kleines Haus gekauft hatte.

"Ich war schockiert, fühlte mich aber gleichzeitig wie befreit, auch wenn das seltsam klingen mag", sagt er. Spätestens mit diesem Ereignis, dachte Rodewald, "musste doch jedem klar sein, was Terrorismus ist".

Er habe sich "persönlich rehabilitiert" gefühlt, rehabilitiert dafür, dass er 1972 zur Polizei gegangen ist.

"Im Unterbewussten", meint Rodewald und lächelt unsicher, habe wohl auch bei ihm erst der monströse Terror von New York den letzten Zweifel ausradiert, dass sein Handeln damals richtig war.

Er, der linksgerichtete Lehrer, sei schließlich selbst wie zahlreiche Gleichgesinnte einst nicht ganz frei gewesen "von romantischer Verklärung" der RAF.

Ein Quartier für Unbekannte

Rodewald stammt aus einem Dorf, unweit von Hannover. Er ist ein Bauern- und Gastwirtssohn, und als er der Enge seines Elternhauses entfloh, verabschiedete er sich mit den Worten, "es kommt die Revolution, und wir werden auf verschiedenen Seiten stehen."

Absurd findet er das heute. Aber so war das damals.

Rodewald erzählt das bei einem Spaziergang durch die Eilenriede, den Hannoveraner Stadtwald. Lange Jahre hatte er viel zu viel Angst, hier zwischen den dichten Bäumen herumzulaufen, weil er das Gespenst fürchtete.

"Ich war das Hassobjekt der RAF und ihrer Sympathisanten." In seinem Buch schreibt er, "ich war blauäugig". Zwar sei ihm rasch klar gewesen, dass sein Leben nach der Meinhof-Verhaftung nicht mehr sein würde, wie es war.

Aber er habe sich nicht ausgemalt, dass es "partiell zerstört" werden würde. Und dies vor allem, weil jeder die Geschichte anders erzählte.

Deshalb sagt Rodewald jetzt, was er weiß: Dass im Juni 1972 am Vorabend der Verhaftung eine ihm fremde Frau vor seiner Tür stand. Es war kurz vor Mitternacht. Die Frau bat, hereinkommen zu dürfen, denn sie habe etwas Wichtiges zu besprechen. Rodewald ließ sie ins Wohnzimmer.

"Zu so einem kommen die nicht"

"Sie fragte, ob für ein paar Tage ein Paar bei uns wohnen könne." Diese Situation sei für ihn nicht ungewöhnlich gewesen, weil er während des Vietnam-Krieges Glied einer Kette war, die amerikanische Deserteure nach Schweden schleuste, erzählt er.

Rodewald hatte es sich deshalb angewöhnt, nicht weiter nachzufragen, wenn er um den Gefallen gebeten wurde, kurzfristig Unbekannte zu beherbergen. Es wurde verabredet, dass das angekündigte Paar am nächsten Tag nach 18 Uhr kommen sollte.

Rodewald wollte nach diesem nächtlichen Besuch der Quartiermacherin wieder zu seiner Freundin Ulrike ins Bett schlüpfen. Die aber hatte vom Schlafzimmer aus gelauscht und war äußerst aufgebracht. "Wir stritten uns die halbe Nacht."

Ulrike Winkelvoß wusste zwar ebenso wenig, dass hier für Ulrike Meinhof Obdach gesucht wurde, sie war aber aus irgendeinem Grund misstrauisch geworden. Sie sagte, sie fürchte, die Besucher könnten RAF-Leute sein. "Die will ich nicht in meiner Wohnung haben", erklärte sie Rodewald klipp und klar.

Verfolgt vom bleiernen Schatten

Der wiederum warf seiner Ulrike vor, nun sei sie auch schon Opfer der damals herrschenden Terroristen-Hysterie geworden. Auch Ulrike Winkelvoß war Pädagogin und links-alternativ engagiert.

Rodewald war zu jener Zeit im Geschäftsführenden Bundesvorstand der Lehrergewerkschaft GEW und hatte sich in dieser Position öffentlich von den Mordanschlägen der RAF distanziert. Zu so einem kommen die nicht, war seine Überzeugung.

"Es war eine klassische Tragödiensituation", sagt er heute. Wer sein Haus für RAF-Leute öffnete, der war, wenn es herauskam, für Polizei und Medien selbst so gut wie in der RAF. Wer jedoch RAF-Leute auslieferte, hatte mit der Rache der Terrorgruppe und möglicher Sympathisanten zu rechnen.

Am Morgen nach jener Nacht gab Ulrike Winkelvoß noch immer keine Ruhe. Rodewald ging erst zur Arbeit und dann zu einem Freund, um sich Rat zu holen. Auch der Freund riet, zur Polizei zu gehen. Das tat Rodewald dann, aber bevor er nach Hause zurückkehrte, fuhr er noch in einen anderen Stadtteil, um den Mietvertrag für eine neue, kurz zuvor gefundene Wohnung zu unterschreiben.

Die hat er nie bezogen, weil der Vermieter, als er hörte, was in Langenhagen geschehen war, den Vertrag sofort wieder löste. Das war noch das Geringste.

Als Rodewald am Nachmittag zu seiner alten Wohnung kam, blickte er in zwei Pistolenläufe. Es waren die Polizisten, die Ulrike Meinhof verhaftet hatten. Diese war vor der verabredeten Zeit erschienen und hatte sich mit ihrem Begleiter Müller gewaltsam Zugang zur Wohnung verschafft.

Einen Schlüssel hatte Rodewald der Quartiermacherin nämlich nicht gegeben. Auch das hat man später anders erzählt. Auf seinem Wohnzimmertisch sah Rodewald eine Maschinenpistole und andere Waffen, dazu einen Schminkkoffer, der eine Bombe enthielt.

Anhand dieses Sprengsatzes wurden der RAF später die Attentate auf US-Kasernen und das Springer-Hochhaus nachgewiesen. Im Gepäck der Meinhof fand sich zudem eine sauber getippte Liste mit 80 Adressen aus dem In- und Ausland. Eine war handschriftlich hinzugefügt - die Rodewalds.

Darüber kann er heute schmunzeln. "Wie Lenin gesagt hat, wenn die Deutschen eine Revolution machen wollen, lösen sie eine Bahnsteigkarte."

Die Angst im Auto

Damals lachte er nicht. Auf Anraten der Polizei tauchten er und seine Freundin wegen großer Lebensgefahr für Monate ab.

"Nun waren wir wie die RAF im Untergrund." Man bot ihnen eine neue Identität an. Das lehnten sie ab. Ulrike Winkelvoß erhielt Anrufe mit Drohungen wie: "Wir trinken auf deine Leiche."

Rodewald konnte nicht mehr als Lehrer arbeiten, denn seine Kollegen fürchteten, die Schule könne Ziel eines Anschlags werden. Von seiner Gewerkschaft fühlte er sich "fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel".

Freunde schnitten das Paar. Dazu kam die Panik. "Jahrelang konnte ich kein Auto anlassen, ohne die Angst, es könnte in die Luft fliegen."

Wut auf das Morden

Als Rodewald später, bevor er schließlich Psychotherapeut wurde, für eine linke pädagogische Zeitschrift arbeitete, drohten Abonnenten mit Kündigung, wenn der "Verräter Rodewald" dort weiter tätig sei.

Als er eine Assistentenstelle an der Pädagogischen Hochschule antrat, gab es Proteste unter Studenten. Wie zum Hohn wurde zur selben Zeit ein Berufsverbotsverfahren gegen ihn eröffnet. Der Grund: Der Pädagoge hatte von "Zensurenterror" gesprochen und sollte deshalb aus dem Beamtenverhältnis entfernt werden.

Es kam zur offiziellen Anhörung. Dann aber erinnerte sein Anwalt die niedersächsische Regierung daran, dass sie diesem Delinquenten eigentlich dankbar sein müsste, schließlich habe er die Verhaftung von Ulrike Meinhof erwirkt. Das Verfahren wurde stillschweigend eingestellt. "Das war das einzige Mal, dass mir die Meinhof-Geschichte etwas genutzt hat", sagt Rodewald mit Sarkasmus in der Stimme.

Irgendwann hat man ihm auch das Bundesverdienstkreuz angeboten.

Verfolgt vom bleiernen Schatten

Er hat es abgelehnt. Die Belohnung für die Ergreifung der Terroristin Meinhof wollte er genauso wenig. Öffentlich sagte er gleich, er werde das Geld der Verteidigung Meinhofs zur Verfügung stellen. Das dämpfte die Empörung in Sympathisantenkreisen keineswegs.

Vielmehr war Rodewald nach dieser Äußerung, die er heute als "idiotisch" bezeichnet, "der Feind für Links wie Rechts". Er hat die Belohnung dann trotzdem an die linke "Rote Hilfe" überwiesen, anonym.

Das Schlimmste aber war vielleicht, dass inmitten all der Panik und unter all dem Druck die Beziehung zu seiner Ulrike für Jahre kaputtgegangen ist. Man trennte sich.

Aber dies ist eine sehr private Geschichte. Später haben sie sich wieder gefunden. Es war ein großes Glück. Und es währte bis zu jenem stürmischen Dezembertag in Dänemark vor fünf Jahren.

"Ich wäre wohl reingefallen"

Rodewald hat das Gefühl, dass er es seiner toten Freundin schuldig ist, dass er nun alles erzählt hat, auch weil sie ihn mit ihrer Abneigung gegen die unbekannten Gäste wohl vor noch Schlimmerem bewahrt hat. "Da bewundere ich Ulrike heute noch, ich wäre wohl reingefallen."

Ulrike Winkelvoß war ein Flüchtlingskind, ihr Elternhaus ziemlich nazistisch. "Nie wieder Auschwitz" hat sie als ihr Lebensmotto beschrieben.

Rodewald sieht eine klare Linie von dieser Maxime zur Wut auf die mit revolutionärem Gestus mordende RAF, auch wenn die Linksterroristen so taten, als ginge es ihnen auch um deutsche Vergangenheitsbewältigung.

Und dann war es doch nur ein Morden.

Bis Juni 1972 hatte die RAF mit ihren Attentaten schon sieben Menschen getötet und 74 verletzt. Damit war die Geschichte längst nicht zu Ende.

Die RAF tötete noch 27 Mal und hinterließ 34 Verletzte. Erst im April 1998 löste sie sich offiziell auf. Dass die RAF so lange überlebte, lag auch am sympathisierenden Umfeld, auf das alle Terrorgruppen bauen.

Manchmal, meint Fritz Rodewald, habe er sich wohl auch gefürchtet, wo gar nichts zu fürchten war. Aber das ist jetzt auch vorbei.

Von seinem Dach aus kann er nicht bis zur Walsroder Straße in Langenhagen sehen. Aber bisweilen fährt er dort schon vorbei, ohne an das Gespenst zu denken.

Die Telefonzelle, an der Meinhofs Begleiter verhaftet wurde, gibt es noch. Nur ist sie nicht mehr gelb, sondern rosa. Auch das unscheinbare Haus steht noch da. Hier hatte das unverheiratete Paar Rodewald/Winkelvoß seine erste Wohnung gefunden.

Das war damals nicht leicht. Die Autobahn donnert ganz in der Nähe vorbei. Das hielt die RAF wohl für strategisch günstig.

Fährt Rodewald heute die Walsroder Straße entlang, dann meist zum Boule-Spielen. Der Club hat ihn nach längerem Überlegen aufgenommen.

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Quelle:
SZ vom 28.4.2006
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