Süddeutsche Zeitung

Antisemitismus:Brandanschlag auf Ulmer Synagoge

Dank eines Zeugen konnte ein Feuer an der Fassade des Hauses schnell gelöscht werden. Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann spricht von Antisemitismus. Der Staatsschutz ermittelt.

Auf die Synagoge in Ulm wurde am Morgen offenbar ein Brandanschlag verübt. Nach Angaben der Polizei beobachtete ein Zeuge, wie gegen acht Uhr ein unbekannter Mann an dem Gebäude der jüdischen Gemeinde eine Flüssigkeit aus einer Flasche auf den Boden leerte und anzündete. Es entstand nur ein geringer Schaden an der steinernen Fassade und einer Glasscheibe, da der Zeuge sofort die Feuerwehr verständigte.

Das Feuer an einer Ecke des Gebäudes konnte schnell gelöscht werden. An der Stelle ist ein dunkler Rußfleck zu sehen. Die Höhe des Schadens ist noch unklar. Wie der SWR berichtet, geht der Rabbiner der Synagoge, Shneur Trebnik, nicht von einem spontanen, sondern einem gezielten Angriff aus.

Der mutmaßliche Täter floh nach der Tat zu Fuß. Die Ulmer Polizei hat eigenen Angaben zufolge eine Fahndung eingeleitet und eine Sonderkommission (Besondere Aufbauorganisation, BAO) eingerichtet. Sie wird unterstützt von weiteren bayerischen Polizeikräften.

Inzwischen wurde zu den Ermittlungen wegen versuchter Brandstiftung der Staatsschutz hinzugezogen.

Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat den Brandanschlag inzwischen verurteilt. Der "niederträchtige Anschlag" zeige "das heimtückische Gesicht des Antisemitismus, dem wir klar und deutlich entgegentreten", sagte er laut einer Mitteilung des Staatsministeriums. "Wir stehen den jüdischen Gemeinden bei, nach den Anschlägen von Halle haben wir im Land bereits die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt." Er habe sich von Innenminister Thomas Strobl informieren lassen.

Innenminister Strobel selbst bezeichnete es der Mitteilung zufolge als widerwärtig, Brandsätze gegen Synagogen zu werfen. Tätern drohte er mit der vollen Härte des Rechtsstaates. "Wir schützen jüdisches Leben und bekämpfen Antisemitismus entschieden", sagte er und betonte, dies sei nicht nur ein Lippenbekenntnis, sondern ein klarer Auftrag staatlichen Handelns, "insbesondere für unsere Polizei".

Die Schutzmaßnahmen in Ulm wurden hochgefahren. Außerdem werde geprüft, ob bei anderen jüdischen Einrichtungen im Land aufgrund der aktuellen Situation ebenfalls die Schutzmaßnahmen erhöht werden müssen, so das Staatsministerium. Offiziell ist der Hintergrund der Tat noch unklar. Während der jüngsten Proteste vor dem Hintergrund des Nahost-Konflikts hatte jemand israelfeindliche Plakate vor der Synagoge aufgestellt.

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