Süddeutsche Zeitung

Bottrop:Amokfahrer in psychiatrische Klinik eingeliefert

Der Mann, der an Silvester in Bottrop und Essen mehrere Menschen mit ausländischen Wurzeln angefahren hatte, ist nun von einem Arzt als "erheblich vermindert schuldfähig" eingestuft worden.

Von Jana Stegemann, Düsseldorf

Nach den Attacken in der Silvesternacht in Nordrhein-Westfalen auf Menschen mit ausländischen Wurzeln ist der mutmaßliche Täter in eine psychiatrische Klinik eingewiesen worden. Das teilte die Staatsanwaltschaft in Essen am Dienstagabend mit.

Als die Menschen in Bottrop den Jahreswechsel feierten, hatte der 50-jährige Mann sein Auto mutmaßlich mit Vorsatz in vier Passantengruppen gesteuert. Gezielt soll der Autofahrer Männer, Frauen und Kinder angesteuert haben, die ihm ausländisch erschienen. Mindestens acht Menschen, unter ihnen auch Kinder, wurden verletzt, eine Frau aus Syrien schwebte zwischenzeitlich in Lebensgefahr. Der Mann flüchtete nach der Attacke mit seinem Auto zurück in seine Heimatstadt Essen. Und auch dort fuhr er einen Mann mit türkischen Wurzeln an und versuchte, in eine Menschengruppe an einer Bushaltestelle zu fahren.

Ein Richter erließ am 2. Januar Haftbefehl wegen versuchten mehrfachen Mordes gegen den mutmaßlichen Amokfahrer, seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.

Erste Aussagen des Mannes hatten deutlich auf Rassismus als Tatmotiv hingewiesen. So teilte Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) kurz nach den Attacken mit, dass der mutmaßliche Täter früher in psychiatrischer Behandlung gewesen sei, polizeilich zuvor aber nicht in Erscheinung getreten und den Behörden auch nicht als Gefährder bekannt gewesen war.

Jetzt wurde der Mann nach Angaben der Staatsanwaltschaft Essen in ein psychiatrisches Krankenhaus verlegt. Damit gehen die Ermittlungen in eine andere Richtung. Die zuständige Ermittlungsbehörde teilte mit, dass ein Psychiater ihn als zur Tatzeit "mindestens erheblich vermindert schuldfähig eingestuft" habe und sogar eine vollständige Schuldunfähigkeit nicht ausgeschlossen werden könne. Aus diesem Grund habe das Amtsgericht in Essen den Haftbefehl in einen vorläufigen Unterbringungsbefehl umgewandelt. Das könnte bedeuten, dass der Mann für seine Attacken nie vor einem Gericht zur Rechenschaft gezogen werden würde. Die Bundesregierung hatte im Januar die Auto-Attacken des Deutschen sehr scharf verurteilt und "mit Bestürzung zur Kenntnis genommen", wie die stellvertretende Regierungssprecherin Martina Fietz damals mitgeteilt hatte.

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SZ vom 23.01.2019/ghe
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